SpaceX will trotz roter Zahlen fast 1,8 Billionen Dollar wert sein
Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX setzte im vergangenen Jahr zwar weniger als 19 Milliarden US-Dollar um und schreibt weiter deutliche Verluste. Dennoch peilt das Unternehmen zum Börsenstart eine Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar an. Bei einem Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden Dollar und einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie wäre es der größte Börsengang aller Zeiten. Sollte die hohe Nachfrage nach dem erwarteten Handelsstart am Freitag anhalten, könnte der Unternehmenswert noch weiter steigen.
Womit verdient SpaceX sein Geld?
SpaceX wurde 2002 von Elon Musk gegründet und ist vor allem durch seine Raketen bekannt. Ziel war von Anfang an, Raumflüge deutlich günstiger zu machen und langfristig sogar eine Besiedlung des Mars vorzubereiten. Was anfangs vielfach belächelt wurde, entwickelte sich zu einem entscheidenden Baustein der US-Raumfahrt: SpaceX setzte auf günstigere und wiederverwendbare Raketen und wurde besonders nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms zu einem zentralen Partner für die USA und das Militär.
Den größten Teil der Einnahmen liefert inzwischen jedoch Starlink. Der Satelliteninternetdienst brachte 2024 rund elf Milliarden Dollar ein. Dafür hat SpaceX etwa 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Bislang benötigen Nutzer meist spezielle Empfangsgeräte am Boden. Mit künftigen Technikgenerationen sollen Smartphones aber stärker direkt auf das Netz im All zugreifen können. Das würde mobiles Internet auch in Gegenden ermöglichen, in denen kein klassisches Mobilfunknetz verfügbar ist. Ende März kam Starlink auf gut zehn Millionen Kunden. Konkurrenz macht Amazon mit einem eigenen Satellitenprojekt, liegt beim Ausbau aber noch deutlich zurück.
Hinzu kommt das KI-Geschäft: Vor einigen Monaten übernahm SpaceX Musks KI-Firma xAI. Zuvor war bereits die Plattform X in xAI aufgegangen.
Warum ist die Bewertung so außergewöhnlich hoch?
Die angestrebte Bewertung entspricht mehr als dem 90-Fachen des Jahresumsatzes. Das ist selbst im Technologiesektor extrem. Zum Vergleich: Beim Chipkonzern Nvidia, der derzeit knapp fünf Billionen Dollar wert ist, liegt dieses Verhältnis bei etwa 20, bei Apple bei rund 10.
SpaceX verweist zur Begründung auf das erwartete Wachstum. Laut Börsenprospekt sieht das Unternehmen allein beim Markt für Satelliten-Konnektivität ein Volumen von 1,6 Billionen Dollar. Dabei handelt es sich allerdings um den Gesamtmarkt für alle Anbieter, nicht nur für SpaceX.
Dazu kommen die Hoffnungen rund um xAI. SpaceX will sich einen Teil des Marktes für KI-Anwendungen für Unternehmen sichern, der auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzt wird. Musk denkt dabei auch über Rechenzentren in der Erdumlaufbahn nach. Ob das technisch praktikabel ist, bleibt offen. Zugleich gilt Musk als sehr ambitioniert bei Zeitplänen: Mehrfach wurden Projekte später umgesetzt als von ihm angekündigt. Als Beispiel wird oft Teslas autonomes Fahren genannt, das bis heute nicht in dem Umfang funktioniert, wie Musk es seit Jahren in Aussicht stellt.
Welche Rolle spielt Elon Musk beim Börsengang?
Anders als bei vielen klassischen Börsengängen setzt Musk stark auf Privatanleger. Nach einem Bericht des Wall Street Journal soll etwa ein Fünftel der knapp 555,6 Millionen Aktien für Kleinanleger reserviert sein. Üblich sind eher fünf bis sieben Prozent. Trotzdem dürfte die Nachfrage das verfügbare Angebot deutlich übersteigen. Nach Informationen von Bloomberg gingen von Privatanlegern bereits Kauforders im Umfang von rund 70 Milliarden Dollar ein.
Auch nach dem Börsengang bleibt Musk der entscheidende Machtfaktor bei SpaceX. Über Aktien mit erweitertem Stimmrecht soll er weiterhin mehr als 80 Prozent der Stimmen kontrollieren. Damit könnte er auch zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar werden. Bloomberg schätzt sein Vermögen aktuell auf rund 700 Milliarden Dollar.
Was könnte die Aktie zusätzlich antreiben?
Ein weiterer Kurstreiber ist die Aussicht auf eine schnelle Aufnahme in wichtige Aktienindizes. Die Indexanbieter Nasdaq und FTSE Russell passten ihre Regeln dafür kurzfristig an. MSCI verweist auf bereits seit 2007 bestehende Vorgaben für große Börsengänge. Eine frühe Indexaufnahme würde zusätzliche Nachfrage auslösen, weil zahlreiche Fonds diese Indizes automatisch nachbilden.
Beim Anbieter S&P Dow Jones bleibt es dagegen bei der bisherigen Regel: Für einen möglichen Einzug in den S&P 500 muss die Aktie zunächst zwölf Monate börsennotiert sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion