Kundinnen und Kunden müssen sich nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) trotz der laufenden Warnstreiks vorerst nicht auf größere Probleme beim Einkaufen einstellen. HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke sagte, bundesweit gebe es bislang keine Hinweise auf Ladenschließungen oder vergleichbare Störungen. Aus Sicht des Verbands sei daher zunächst nicht mit Beeinträchtigungen im Einzelhandel zu rechnen.
Auch im Lebensmittelhandel werden derzeit keine spürbaren Folgen erwartet. Nach Angaben des Branchenverbands BVLH sind Supermärkte und Discounter normal geöffnet, die Versorgung der Bevölkerung sei gesichert.
Im laufenden Tarifkonflikt hat die Gewerkschaft Verdi für diesen Freitag zu Warnstreiks aufgerufen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligen sich mehr als 5.000 Beschäftigte aus dem Einzelhandel sowie dem Groß- und Außenhandel. Betroffen sind demnach mehr als 200 Betriebe, darunter Filialen von Edeka, Rewe, Kaufland, Penny, Douglas, Zara, H&M, Metro und Ikea. Zusätzlich sind in Städten wie Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Dortmund Streikkundgebungen geplant.
Verdi fordert 7 Prozent mehr Lohn
In Hamburg und Nordrhein-Westfalen hatte die Arbeitgeberseite in dieser Woche erste Tarifangebote für den Einzelhandel vorgelegt. Verdi lehnte diese ab. Aus Sicht von Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer reichen die Vorschläge nicht aus; sie sprach von „vergifteten Angeboten“, die nicht einmal die Inflation ausgleichen würden.
Die Arbeitgeber bieten ab November eine Erhöhung um 2 Prozent an, gefolgt von weiteren 1,5 Prozent ab August 2027. Verdi verlangt dagegen 7 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro zusätzlich.
HDE dringt auf verantwortungsvolle Einigung
Die Tarifverhandlungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel laufen in ersten Landesbezirken bereits seit April. Haarke mahnte, die Branche brauche in der schwierigen wirtschaftlichen Lage eine gemeinsame und verantwortungsvolle Lösung. Er verwies auf die historisch schwache Konsumstimmung, schnell wachsende Arbeitslosigkeit und eine zunehmende Zahl von Unternehmensinsolvenzen. Die Arbeitgeberseite sei weiterhin zum Dialog bereit.
Nach Angaben von Verdi arbeiten in Deutschland rund 5,2 Millionen Menschen im Handel, davon etwa 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorige Tarifrunde hatte sich über mehr als ein Jahr hingezogen. Am Ende stand für die Beschäftigten im Einzelhandel zwischen 2023 und 2025 ein Einkommensplus von insgesamt rund 14 Prozent. Die Tarifbindung in der Branche gilt seit Jahren als rückläufig und bleibt vergleichsweise niedrig.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion