Wirtschaft

EU zwingt WhatsApp: Jetzt kommen fremde KIs in die App

EU zwingt WhatsApp zum Kurswechsel: Schon in fünf Tagen müssen fremde KI-Assistenten gratis zurückkehren.

09.06.2026, 17:23 Uhr

Die EU-Kommission hat angeordnet, dass WhatsApp in der Europäischen Union KI-Assistenten anderer Anbieter wieder kostenlos zulassen muss. Der Mutterkonzern Meta sei verpflichtet, die einstweiligen Vorgaben innerhalb von fünf Werktagen umzusetzen.

Brüssel begründet den Schritt mit der Gefahr eines ernsthaften und nicht wiedergutzumachenden Schadens für den Wettbewerb im wachsenden Markt für allgemeine KI-Assistenten. Nach Einschätzung der Behörde haben dort kleinere Anbieter und neue Marktteilnehmer derzeit noch die Chance, sich gegen große Technologiekonzerne zu behaupten.

Parallel prüft die Kommission weiterhin, ob Meta mit den Einschränkungen gegen das europäische Wettbewerbsrecht verstößt. EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera erklärte, WhatsApp sei für KI-Unternehmen ein wichtiger Zugang zu Verbraucherinnen und Verbrauchern in Europa. Mit der Entscheidung solle auch die Wahlfreiheit der Nutzer gesichert werden, welche KI-Assistenten sie über WhatsApp verwenden möchten.

Drittanbieter erst ausgesperrt, dann mit Gebühr belastet

Die EU-Kommission untersucht den Fall seit Dezember 2025. Auslöser war, dass Meta im Oktober 2025 Drittanbietern den Zugang zu Schnittstellen blockierte, über die ihre Dienste mit WhatsApp verbunden werden konnten. Nach Auffassung der Behörde führte das dazu, dass Nutzerinnen und Nutzer praktisch nur noch Metas eigenen Dienst Meta AI verwenden konnten.

Im März öffnete Meta den Zugang zwar formal wieder, verlangte dafür aber eine Gebühr. Die Wettbewerbshüter werten das als faktische Fortsetzung der Sperre. Meta muss den Zugang nun laut Kommission wieder zu denselben Bedingungen ermöglichen, die vor dem 15. Oktober 2025 galten.

Hohe Bußgelder möglich

Falls Meta die angeordneten Maßnahmen nicht befolgt, drohen Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahres. Zusätzlich kann die Kommission tägliche Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes verhängen, um die Entscheidung durchzusetzen.

Die Ermittlungen in dem Wettbewerbsfall sind noch nicht abgeschlossen. Eine gesetzliche Frist für den Abschluss des Verfahrens gibt es nicht.

Meta hatte sich bereits gegen ein Eingreifen der EU gewehrt. Ein Sprecher des Konzerns erklärte im Februar, es gebe zahlreiche KI-Angebote über App-Stores, Betriebssysteme, Geräte, Websites und Industriepartnerschaften. Die Kommission überschätze daher die Bedeutung der WhatsApp-Schnittstelle als Vertriebsweg für solche Chatbots, so die Argumentation des Unternehmens.

Weitere EU-Verfahren gegen Meta

Unabhängig davon laufen gegen Meta weitere Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen europäische Digitalgesetze. Nach vorläufiger Einschätzung der EU schützen Facebook und Instagram Kinder nicht ausreichend vor Risiken auf den Plattformen.

Die Kommission verlangt unter anderem, dass die von den Diensten selbst festgelegte Altersgrenze von 13 Jahren wirksam durchgesetzt wird. Andernfalls drohen Strafen von bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes sowie mögliche tägliche Zwangsgelder.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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