Nach der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank rückt nun die Europäische Zentralbank in den Mittelpunkt. Hintergrund sind vor allem die infolge des Iran-Krieges gestiegenen Energiepreise, die den Preisauftrieb im Euroraum weiter verstärken könnten. Damit wächst der Druck auf die EZB, geldpolitisch zu reagieren.
Analysten erwarten allerdings mehrheitlich, dass der EZB-Rat bei seiner heutigen Sitzung noch keine Änderung der Zinsen beschließen wird. Stattdessen dürfte die Notenbank zunächst weitere Daten zu den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts abwarten. Der Einlagenzins, der für Banken und Sparer besonders relevant ist, soll demnach vorerst bei 2,0 Prozent bleiben. Die Beschlüsse werden am Nachmittag um 14.15 Uhr veröffentlicht.
An den Märkten hatte sich zuletzt die Einschätzung verbreitet, dass die EZB im Laufe des Jahres die Leitzinsen im Euroraum anheben könnte. Eine anziehende Inflation schmälert die Kaufkraft der Verbraucher. Höhere Zinsen verteuern in der Regel Kredite, bremsen dadurch die Nachfrage und können so den Preisdruck mindern. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass straffere Finanzierungskosten die Konjunktur zusätzlich schwächen — gerade in einer Phase, in der die Wirtschaft ohnehin unter den Folgen des Iran-Krieges leidet.
Fed lässt Leitzins unverändert
Die US-Notenbank Federal Reserve hatte am Mittwoch erneut von einer Zinssenkung abgesehen und damit bereits zum dritten Mal in diesem Jahr pausiert. Elf von zwölf Mitgliedern des Zentralbankrats votierten dafür, die Spanne für den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Nur Stephen Miran, Berater von US-Präsident Donald Trump, sprach sich wie schon bei früheren Sitzungen für eine Senkung aus. Auffällig war zudem, dass sich drei Mitglieder ausdrücklich gegen mögliche künftige Lockerungen stellten. Das kann auch als Signal gegen Trumps seit Monaten vorgebrachte Forderungen nach niedrigeren Zinsen verstanden werden.
Etwas in den Hintergrund rückte dabei eine überraschende Personalie: Der scheidende Fed-Chef Jerome Powell kündigte an, nach dem regulären Ende seiner Amtszeit Mitte Mai im Vorstand der Notenbank bleiben zu wollen.
Die Fed soll ihre Zinsentscheidungen unabhängig von politischem Einfluss treffen und dabei zwischen Preisstabilität und einer möglichst hohen Beschäftigung abwägen. Derzeit ist dieses Spannungsfeld besonders ausgeprägt: Würde die Notenbank die Zinsen senken, könnte das den Inflationsdruck weiter verstärken — genau das will sie verhindern. Entsprechend hob die Fed ihre Prognose für die Teuerung im laufenden Jahr zuletzt von 2,4 auf 2,7 Prozent an. Damit liegt sie weiterhin klar über dem eigenen Zielwert von zwei Prozent.
Im Jahr 2025 hatte die US-Notenbank den Leitzins aus Sorge um den Arbeitsmarkt in drei Schritten um jeweils 25 Basispunkte gesenkt. Bei den ersten beiden Sitzungen in diesem Jahr folgten dann Pausen. Angesichts der unsicheren geopolitischen Lage und der weiterhin hohen Inflation erscheinen weitere Zinssenkungen derzeit wenig wahrscheinlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion