Wirtschaft

Nach Rettung: Bund stößt Uniper jetzt wieder ab

Uniper vor Comeback? Der Bund prüft Verkauf oder Börsengang – dem klammen Staat winken dabei Milliarden.

19.05.2026, 09:49 Uhr

Etwa dreieinhalb Jahre nach der milliardenschweren Verstaatlichung von Uniper hat die Bundesregierung den Wiederverkauf des Energiekonzerns offiziell angestoßen. Aus einer in der Financial Times veröffentlichten Anzeige geht hervor, dass neben einem direkten Verkauf auch ein Börsengang geprüft wird. Eine endgültige Entscheidung über Zeitpunkt, Umfang und Struktur der Transaktion ist jedoch noch nicht gefallen.

Der Bund hält derzeit mehr als 99 Prozent an Uniper. Mit der Anzeige sei nun der offizielle Prozess gestartet worden, um das Interesse potenzieller Investoren abzufragen, teilte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums mit. Interessenten können sich demnach bis 12. Juni, 12.00 Uhr, beim Ministerium melden.

Auch nach Informationen der Süddeutschen Zeitung werden mehrere Wege für die Rückführung in private Hände geprüft. Denkbar sind demnach der Verkauf einzelner oder mehrerer Aktienpakete, ein Börsengang oder eine Kombination aus beiden Varianten. Erste Abschlüsse könnten bis November erfolgen, parallel werde an einem möglichen Börsengang im Januar 2027 gearbeitet.

Nach Angaben aus der Verkaufsanzeige sucht der Bund vor allem langfristig orientierte Investoren, die Uniper als Ganzes erhalten wollen. Zudem betonte das Finanzministerium, ein Börsengang bleibe weiterhin eine „mögliche und gleichberechtigte Option“.

Geplant ist außerdem, dass der Bund nach Abschluss der Privatisierung 25 Prozent plus eine Aktie an der Uniper SE behält. Damit würde sich die Bundesregierung eine Sperrminorität sichern. Zugleich stellte das Ministerium klar, dass im Verkaufsprozess darauf geachtet werde, dass die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens und damit auch die Versorgungssicherheit in Deutschland gewahrt bleiben. Es wird erwartet, dass der Staat mit dem Verkauf der Mehrheit mehrere Milliarden Euro einnehmen könnte.

Uniper sieht sich wieder solide aufgestellt

Uniper-Chef Michael Lewis begrüßte den Schritt des Bundesfinanzministeriums. In einer Stellungnahme erklärte er, der Konzern sei heute stabiler, widerstandsfähiger und strategisch klarer aufgestellt. Das Geschäft sei konsequent auf verlässliche Erträge ausgerichtet, zudem verfüge Uniper über eine starke Bilanz.

Dadurch könne das Unternehmen nicht nur wieder Dividenden zahlen, sondern auch gezielt in Wachstum und Transformation investieren. Lewis sprach von einer klaren Strategie für nachhaltigen Wert und Versorgungssicherheit. Über die konkrete Form und den Zeitplan der Reprivatisierung entscheide jedoch allein der Bund, stellte Uniper klar.

Uniper war 2022 als größter deutscher Gasimporteur in eine existenzbedrohende Krise geraten, nachdem Russland infolge des Angriffs auf die Ukraine keine Gaslieferungen mehr nach Deutschland schickte. Der deutsche Staat stützte das Unternehmen mit milliardenschweren Hilfen und übernahm praktisch die vollständige Kontrolle. Zeitweise stand auch die Versorgung von rund 1.000 Stadtwerken und Industrieunternehmen auf dem Spiel.

Die Europäische Union genehmigte die Hilfe nur unter strengen Auflagen. Eine zentrale Bedingung lautet, dass Deutschland seinen Anteil bis Ende 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie senken muss.

Arbeitnehmer lehnen außerbörslichen Verkauf ab

Widerstand gegen einen Direktverkauf kommt von Arbeitnehmerseite. Die Gewerkschaft Verdi spricht sich weiterhin gegen einen außerbörslichen Verkauf aus. Ziel sei es, Uniper als starkes und eigenständiges Unternehmen zu erhalten. Verdi fordert deshalb eine Reprivatisierung über einen erneuten Börsengang, bei dem der Bund eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie behalten soll.

Auch der Konzernbetriebsrat lehnt einen direkten Verkauf strikt ab. Betriebsratschef Martin Geilhorn sagte der Rheinischen Post, man setze sich weiterhin entschieden für einen Börsengang ein. Die Unabhängigkeit von Uniper sei aus Sicht der Arbeitnehmervertretung wesentlich, um die Rechte und Interessen der Beschäftigten zu schützen.

Kritik kommt zudem aus der Politik. Die Linksfraktion im Bundestag fordert, Uniper gar nicht zu verkaufen. Ein staatlicher Energiekonzern sei angesichts hoher Energiepreise zeitgemäßer denn je, um mehr Einfluss auf den Energiemarkt zu behalten, hieß es aus der Fraktion.

Einer der wichtigsten Energiekonzerne Europas

Uniper gehört im Bereich Stromproduktion und Gashandel zu den bedeutendsten Energieunternehmen Europas. Zum Kundenkreis zählen rund 1.000 Stadtwerke und Industrieunternehmen. Der Konzern betreibt unter anderem Stein- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden. Zudem erzeugt Uniper Strom aus Wasserkraft.

In Schweden hält das Unternehmen die Mehrheit an einem Atomkraftwerk. In Deutschland ist Uniper außerdem der größte Betreiber von Gasspeichern. Ende März arbeiteten weltweit knapp 7.200 Menschen für den Konzern mit Sitz in Düsseldorf.

Auch bei Sefe steht eine Reprivatisierung an

Mit Uniper ist die Aufgabe der Bundesregierung in der Energiebranche jedoch nicht beendet. Auch die Sefe GmbH, früher eine Tochter des russischen Gazprom-Konzerns, muss bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisiert werden. Das Unternehmen war ebenfalls in der Gaskrise vom Bund übernommen worden und zählt heute zu den größten Gasimporteuren Deutschlands.

Wie dieser Prozess konkret aussehen soll, ist aber noch offen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sollen bei der Reprivatisierung von Sefe die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa berücksichtigt und verschiedene Optionen ergebnisoffen geprüft werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen