Porsche stabilisiert Gewinn im ersten Halbjahr
Porsche hat im ersten Halbjahr 2026 unter dem Strich wieder mehr verdient. Wie der Sportwagenhersteller mitteilte, belief sich der Gewinn nach Steuern von Januar bis Juni auf 1,07 Milliarden Euro. Damit lag er fast 50 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Als Gründe nannte das Unternehmen vor allem ein konsequentes Kosten- und Preismanagement.
Von Entwarnung kann in Zuffenhausen dennoch keine Rede sein. Konzernchef Michael Leiters betonte, vor Porsche liege noch viel Arbeit, um den Hersteller robust für eine schwierige Zukunft aufzustellen.
Ein erheblicher Teil des Gewinnanstiegs erklärt sich dadurch, dass hohe Sonderbelastungen aus dem Vorjahr weggefallen sind. Dazu zählten unter anderem Kosten für die Korrektur der Elektrostrategie sowie den Konzernumbau. Diese Sondereffekte hatten sich im ersten Halbjahr 2025 auf insgesamt rund 800 Millionen Euro summiert. Damals war das Konzernergebnis von 2,15 Milliarden Euro auf gut 718 Millionen Euro eingebrochen.
Im laufenden Jahr fielen für die strategische Neuaufstellung der VW-Tochter laut Unternehmen noch rund 400 Millionen Euro an. Ein Großteil davon konnte jedoch durch Verhandlungen mit Lieferanten ausgeglichen werden. Dadurch wurden Rückstellungen aus dem Vorjahr in Höhe von etwa 300 Millionen Euro wieder aufgelöst. Unterm Strich blieb eine Belastung von rund 100 Millionen Euro. Ohne diese Entlastung sähe die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger günstig aus.
Umsatz rückläufig, operatives Ergebnis legt zu
Der Umsatz von Porsche sank im ersten Halbjahr um gut fünf Prozent auf rund 17,23 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich dagegen um etwa ein Drittel auf fast 1,35 Milliarden Euro.
Finanzvorstand Jochen Breckner erklärte, die Halbjahreszahlen lägen im Rahmen der eigenen Erwartungen. Das Kostenmanagement zeige erste positive Effekte. Trotz eines weiterhin schwierigen Marktumfelds bestätigte Porsche die Jahresprognose.
Diese fällt allerdings eher vorsichtig aus: Für 2026 peilt der Konzern einen Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro an. Zudem soll wieder mehr operativer Gewinn übrig bleiben als im Vorjahr.
Krise bei Absatz und Auslastung
Der Autobauer kämpft weiterhin mit erheblichen Problemen. Belastend wirken vor allem das schwache Geschäft in China, die US-Zölle und die verhaltene Nachfrage nach Elektroautos. Porsche steckt damit in der schwersten Krise seit Jahren.
Wie tief die Probleme reichen, zeigen die Verkaufszahlen. Bereits 2025 sackte der Absatz um rund ein Zehntel auf 279.400 Fahrzeuge ab und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2020. In diesem Jahr hat sich der Negativtrend bislang fortgesetzt und sogar verschärft.
Besonders drastisch ist die Lage in China: Dort haben sich die Verkäufe zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Nach Angaben von Breckner rechnet Porsche auch 2027 noch mit weiter sinkenden Absatzzahlen.
Das trifft auf Strukturen, die einst für deutlich höhere Stückzahlen ausgelegt waren. Das Fertigungsnetz war ursprünglich für rund 350.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant. Wegen der schwachen Nachfrage sind die Werke derzeit entsprechend schlecht ausgelastet, während viele Kosten weiterlaufen. Die Konsequenz aus Sicht des Managements: Porsche muss kleiner werden. Zudem will der Hersteller wieder mehr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor entwickeln und bauen.
Leiters, der seit Jahresbeginn an der Spitze des Unternehmens steht, will Anfang Oktober bei einem Kapitalmarkttag seine Strategie vorstellen. Das künftige Zielbild liege dabei deutlich unter der früheren Marke von 350.000 Fahrzeugen. Die Sportwagenschmiede soll schlanker werden und auch mit weniger Verkäufen hohe Gewinne erzielen können.
Stellenabbau kostet zunächst viel Geld
Wie ernst es Porsche mit dem Umbau ist, zeigt das jüngst vereinbarte Sparpaket von Management und Gesamtbetriebsrat. Bis 2035 sollen in der Region Stuttgart weitere 5.000 Stellen abgebaut werden. Im Gegenzug verlängert der Konzern die Standortsicherung; betriebsbedingte Kündigungen sind damit bis Ende 2035 ausgeschlossen.
Zugleich will Porsche 2,1 Milliarden Euro in das Stammwerk Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach investieren. Finanziert werden soll dies unter anderem durch Einschnitte bei Tariferhöhungen und Kürzungen beim Weihnachtsgeld.
Kurzfristig wird der Jobabbau den Hersteller allerdings nochmals teuer zu stehen kommen. Für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr erwartet Finanzchef Breckner Sonderkosten im dreistelligen Millionenbereich, insgesamt aber weniger als eine Milliarde Euro. Der Großteil entfällt auf den sozialverträglichen Stellenabbau.
Langfristig verspricht sich Porsche davon ein jährliches Sparpotenzial im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Bis 2035 summiere sich das auf mehrere Milliarden Euro. Erste spürbare Effekte erwartet das Unternehmen allerdings erst ab 2028.
Sparprogramm wird weiter verschärft
Es ist nicht die erste Sparrunde bei Porsche. Bereits im Februar 2025 war vereinbart worden, bis 2029 rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart abzubauen. Hinzu kamen etwa 2.000 auslaufende befristete Verträge. In Summe streicht Porsche dort in den kommenden Jahren damit mehr als jede dritte Stelle. Auch im Leipziger Werk wurden bereits Jobs reduziert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber