Apetito sieht dank alternder Gesellschaft weiteres Wachstum
Der Tiefkühlkost-Anbieter Apetito rechnet angesichts des demografischen Wandels auch langfristig mit zunehmender Nachfrage. Unternehmenschef Jan-Peer Laabs sagte in Rheine, dass vor allem die Versorgung von Seniorenheimen, Kliniken und älteren Menschen über Essen auf Rädern in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werde.
2025 setzte das Familienunternehmen nach eigenen Angaben rund 1,4 Milliarden Euro um. Das entspricht einem Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr peilt Apetito ein Wachstum von sechs bis sieben Prozent an, womit der Umsatz auf etwa 1,5 Milliarden Euro steigen soll. Angaben zum Gewinn macht die Firma nicht.
Zu den Wettbewerbern zählt unter anderem Hofmann-Menü aus Baden-Württemberg, das vor drei Jahren vom britischen Konzern Compass übernommen wurde. Auch dort läuft das Geschäft gut: Compass steigerte im ersten Halbjahr seines bis September laufenden Geschäftsjahres den Konzernumsatz um neun Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar. Rund zwei Drittel des Geschäfts entfallen auf Nordamerika.
Apetito beliefert rund 12.000 Kitas
Die Tiefkühlbranche setzt stark auf standardisierte Großproduktion. In Rheine verarbeitet Apetito an jedem Werktag bis zu 270 Tonnen Lebensmittel, unter anderem in Kesseln mit einem Fassungsvermögen von 1600 Litern. Die Mengen an Erbsen, Kartoffeln und anderen Zutaten, die dort täglich verarbeitet werden, sind enorm.
Neben Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern versorgt das Unternehmen auch Schulen und Kindertagesstätten. Nach Firmenangaben erhalten etwa 12.000 Kitas in Deutschland Tiefkühlgerichte von Apetito, die vor Ort nur noch erhitzt werden müssen. Damit stammt das Essen in etwa jeder fünften deutschen Kita von dem Anbieter.

Apetito beschäftigt rund 12.800 Menschen und treibt den Ausbau im Ausland voran. In Großbritannien entsteht derzeit ein neues Werk, das die dortige Produktionskapazität verdoppeln soll. Auch zusätzliche Standorte in den USA und in Spanien seien denkbar, sagte Laabs. Spanien werde bislang noch von Rheine aus beliefert, selbst die Kanarischen Inseln würden von dort aus versorgt.
Personalmangel stärkt das Geschäft mit Tiefkühlkost
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist aus Sicht des Unternehmens der Fachkräftemangel. Viele Altenheime, Krankenhäuser und große Schulen hätten Schwierigkeiten, Köche für den eigenen Betrieb zu finden. Laabs sprach von einem akuten Mangel, der sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen dürfte. Apetito biete dafür eine Lösung, weil Küchen auch ohne umfangreiches Fachpersonal betrieben werden könnten.
Im eigenen Unternehmen sei die Personalsituation besser beherrschbar, weil nur vergleichsweise wenige Köche benötigt würden. Durch die industrielle Produktion könne ein einzelner Koch sehr große Mengen zubereiten. Zudem investiere Apetito in die Ausbildung des Nachwuchses, was etwa für viele Klinikbetreiber kaum leistbar sei.
Hinzu komme, dass Krankenhäuser und Pflegeheime häufig hohe Investitionen in eigene Großküchen scheuten. Eine Lösung, bei der Tiefkühlgerichte nur noch erwärmt werden, sei deutlich günstiger, brauche weniger Platz und verursache weniger Personalprobleme, etwa bei Krankheit oder Ausfällen.
Auch im Cateringgeschäft für Firmenkantinen spürt Apetito den Mangel an Fachkräften nach eigenen Angaben teilweise. Als großer Konzern könne man Engpässe jedoch eher ausgleichen. Rund 60 Prozent seines Umsatzes erzielt das Unternehmen in Deutschland. Der zweitwichtigste Markt ist Großbritannien, danach folgen Dänemark und Kanada. Weitere relevante Länder sind Spanien, die Niederlande und Österreich.
In Deutschland zählt vor allem der Preis
Laabs zufolge unterscheiden sich die Erwartungen an Verpflegung von Land zu Land deutlich. In Deutschland stehe der Preis besonders stark im Mittelpunkt, während Kunden in anderen Ländern eher bereit seien, mehr für Essen auszugeben. Er beschrieb deutsche Verbraucher als sehr preisorientiert, selbst wenn sie sich in anderen Lebensbereichen deutlich höhere Ausgaben leisten.
Ähnlich verlaufen nach seiner Darstellung Gespräche mit Trägern von Kindergärten. Meist werde zuerst nach der günstigsten Lösung gefragt. Elternvertreter interessierten sich zwar zunächst auch für Bio-Angebote, doch bei den Kosten werde häufig wieder umgedacht. Im Durchschnitt koste die Verpflegung in Kitas etwa 3,50 Euro pro Kind, in Bio-Qualität rund 4,50 Euro. Am Ende falle die Wahl oft doch auf das preiswertere Standardmenü.
In anderen Ländern sei das anders. In den Niederlanden werde für die Verpflegung von Kindern fast zwei Euro mehr bezahlt. In Dänemark sei Bio-Essen in Kindergärten sogar vorgeschrieben. Spanien wiederum lege bei der Krankenhausverpflegung größeren Wert auf Qualität, dort seien oft zwei warme Gerichte pro Mahlzeit üblich. Nach Einschätzung von Laabs wird gutes Essen dort stärker als Teil der Genesung verstanden, während in Deutschland vor allem möglichst günstige Verpflegung im Vordergrund stehe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion