Die Europäische Union hat Überlegungen der US-Regierung unter Donald Trump zu einem möglichen Exportstopp für Diesel deutlich zurückgewiesen. Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte in Brüssel, ein solches Verbot würde niemandem nützen und das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner beschädigen. Zugleich betonte sie, die EU sei bereit, gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur (IEA) zu handeln. Die Organisation einer möglichen Freigabe strategischer Reserven liege in der Verantwortung der IEA.
Trump hatte zuletzt angekündigt, ein Aussetzen von Diesel-Exporten zu prüfen, das auch Europa treffen würde. Die Vereinigten Staaten zählen zu den bedeutenden Produzenten, und ein Stopp der Ausfuhren könnte nach seinen Worten die Kraftstoffpreise im eigenen Land zumindest leicht beeinflussen. Für Europa hätte ein solcher Schritt spürbare Folgen: Nach dem Nahen Osten waren die USA in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Diesel-Lieferanten des Kontinents.
US-Finanzminister Scott Bessent forderte Europa am Donnerstag auf der Plattform X auf, zusätzliche Liefermengen sofort bereitzustellen. Amerika erfülle seinen Teil, nun müssten auch die Verbündeten ihren Zusagen Taten folgen lassen, schrieb er.
Beratungen der Expertengruppe
Am Freitagmorgen kamen Vertreter der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten in der sogenannten Energy Union Task Force zusammen. Thema waren die jüngsten Entwicklungen am Dieselmarkt und deren Einfluss auf die Preise. Nach dem Treffen hieß es, die Versorgung mit Diesel in der EU sei derzeit weiterhin stabil. Allerdings blieben die Preise hoch, was die angespannte Lage an den internationalen Energiemärkten widerspiegele.
Kommission und Task Force wollen die Entwicklung in der Europäischen Union nun weiter eng verfolgen und nötige Schritte abstimmen. Aus Kreisen der irischen Ratspräsidentschaft verlautete zudem, dass Vertreter der Mitgliedstaaten zusammenkommen, um über die globale Energielage zu beraten.
Macron telefoniert mit Trump
Vor dem Hintergrund weltweit steigender Spritpreise sprach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in der Nacht mit Donald Trump. Nach Angaben aus dem Élysée ging es dabei um die weltweite Energieversorgung sowie um die Notwendigkeit, gemeinsam gegen steigende Kraftstoffpreise vorzugehen und die Verfügbarkeit von Raffinerieprodukten sicherzustellen.
Macron machte demnach deutlich, dass die G7-Staaten ein gemeinsames Interesse an einem abgestimmten Vorgehen hätten — allerdings ohne Exportbeschränkungen. Frankreich hat in diesem Jahr den Vorsitz der G7 inne und arbeitet nach Angaben aus Paris ebenfalls mit der IEA zusammen.
Für den Nachmittag war zudem eine Videoschalte der Staats- und Regierungschefs der G7 zur weltweiten Energiesituation geplant, die unter Leitung Macrons stattfinden sollte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber