Niedersachsen

Storchendrama eskaliert – Gänsegeier schlägt wieder zu

Schock in Niedersachsen: Ein seltener Gänsegeier greift schon wieder ein Storchennest an – Experten fürchten die nächste Attacke.

18.06.2026, 12:31 Uhr

Gänsegeier tötet erneut Jungstörche in Niedersachsen

Nach einem ersten Angriff auf ein Storchennest am Sonntag hat ein Gänsegeier nun offenbar ein weiteres Nest in Niedersachsen heimgesucht. Auch bei diesem Vorfall wurden alle Jungstörche getötet.

Wie Anwohnerin Anke Bradtmöller schilderte, attackierte der große Greifvogel am Mittwoch ein Nest auf einem alten Schornstein in Ummeln, einem Ortsteil von Algermissen im Landkreis Hildesheim. Die Altstörche hätten noch versucht einzugreifen, seien gegen den Angreifer aber chancenlos gewesen. Immer wieder seien sie zum Nest zurückgekehrt und hätten klappernd auf dem Dach eines benachbarten Hauses gestanden, während sie das Geschehen mitansehen mussten.

Besonders erschütternd sei gewesen, dass der Gänsegeier eines der Jungtiere fraß, während die anderen noch lebend im Nest saßen, berichtete Bradtmöller. Da die jungen Störche noch nicht fliegen konnten, hatten sie keine Möglichkeit zu entkommen.

Bereits wenige Tage zuvor hatte derselbe Vogel im nur rund 3,5 Kilometer entfernten Klein Lobke alle Jungstörche eines weiteren Horsts getötet. Dort blieb er nach Beobachtungen von Ornithologen und Naturfotografen noch zwei Tage auf dem Nest, bevor er weiterzog.

Nabu warnt vor möglichen weiteren Übergriffen

Nach Einschätzung von Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sind weitere Attacken nicht ausgeschlossen. Der Gänsegeier habe nach dem ersten Vorfall offenbar erkannt, dass junge Störche leichte Beute seien. Auf dem Horst seien sie für ihn besonders leicht erreichbar.

Gänsegeier in Algermissen tötet erneut Jungstörche
Die Störche müssen machtlos mit ansehen, wie der Gänsegeier ihren Nachwuchs tötet. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Normalerweise ernähren sich Gänsegeier von Aas und greifen nur in Ausnahmefällen lebende Tiere an. Laut Rümmler handelt es sich um ein seltenes Verhalten, das nicht regelmäßig zu beobachten sei. Vermutlich spiele Hunger bei dem Tier eine entscheidende Rolle.

Der Nabu geht derzeit davon aus, dass sich in Deutschland zwischen 12 und 20 Gänsegeier aufhalten. Die Tiere stammen vor allem aus Frankreich und Spanien, wo ihre Bestände zunehmen. Vor allem jüngere Vögel würden aus ihren Revieren verdrängt und legten auf Nahrungssuche teils 300 bis 400 Kilometer am Tag zurück. Mit einer Spannweite von bis zu 2,60 Metern sind Gänsegeier sogar größer als Seeadler. Typisch ist ihr nackter Hals, an dem sie auch von Laien gut erkannt werden können. Zwar kommen die Vögel mehrere Wochen ohne Nahrung aus, doch wenn sie längere Zeit kein Aas finden, wird es problematisch.

Am Donnerstagmorgen standen die Storcheneltern in Ummeln noch immer auf dem Dach neben ihrem Nest. Nach bisherigen Beobachtungen hat der Gänsegeier alle drei Jungstörche gefressen. Sobald er den Horst verlässt, dürften die Altvögel wieder zu ihrem Nest zurückkehren.

Kein Einfluss auf den Gesamtbestand

Trotz der Vorfälle sieht der Nabu keine spürbaren Folgen für den Storchenbestand in Deutschland. Zuletzt wurden bundesweit mehr als 14.000 Brutpaare erfasst. Zusätzliche Angriffe ließen sich ohnehin kaum verhindern. Nach Einschätzung der Naturschützer gehört auch dieses Geschehen zum natürlichen Ablauf in der Tierwelt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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