IAB-Barometer: Beschäftigung schrumpft, bei der Arbeitslosigkeit gibt es leichte Entspannung
Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt weiter ein widersprüchliches Bild. Während sich bei der Arbeitslosigkeit nach mehr als drei Jahren steigender Zahlen dank einer etwas günstigeren Konjunktur eine Entspannung andeutet, nimmt die Zahl der Beschäftigten ab. Darauf weist das neue Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hin.
Arbeitslosigkeit nähert sich dem neutralen Bereich
Die Teilkomponente Arbeitslosigkeit verbesserte sich im September deutlich auf 99,9 Punkte. Mit 100 Punkten wäre eine neutrale Entwicklung erreicht. Die Komponente Beschäftigung verschlechterte sich dagegen erneut leicht um 0,1 Punkte auf 99,3 Punkte.
IAB-Forscher Enzo Weber betonte, dass die Perspektiven bei der Beschäftigung derzeit schwächer seien als bei der Arbeitslosigkeit. „Der Arbeitsmarkt schrumpft“, so Weber. Als zentrale Ursache nennt das IAB die demografische Entwicklung: Viele Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen gehen in Rente, während zugleich zu wenig jüngere Arbeitskräfte nachrücken und der Nettozuzug nach Deutschland geringer ausfällt.
Zuwanderung stützt den Arbeitsmarkt
Wie wichtig Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte inzwischen für den deutschen Arbeitsmarkt sind, zeigt eine neue Auswertung des Statistischen Bundesamts. Demnach hatten 2025 mehr als ein Viertel aller abhängig Beschäftigten (27 Prozent) Wurzeln im Ausland. Ohne diese Beschäftigten wäre die Lage am Arbeitsmarkt deutlich angespannter.
In mehreren Berufen stellen Menschen mit Einwanderungsgeschichte bereits die Mehrheit. Das gilt laut Bundesamt unter anderem für Köchinnen und Köche (56 Prozent), die Lebensmittelherstellung (55 Prozent), die Bodenverlegung (54 Prozent), den Gerüstbau (51 Prozent) und die Fleischverarbeitung (51 Prozent).
Auch in weiteren Engpassberufen liegt ihr Anteil klar über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, etwa bei Berufskraftfahrern (41 Prozent), im Hotelservice (40 Prozent) sowie in der Kranken- und Altenpflege (33 Prozent). Als Person mit Einwanderungsgeschichte gilt nach Definition des Bundesamts, wer selbst oder dessen beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind.
Industrie leidet weiter unter Umbau und Unsicherheit
Nach Einschätzung des IAB hat sich die Konjunktur im Vergleich zur Beschäftigung etwas stabilisiert. Dennoch bremsen anhaltend hohe Unsicherheit und strukturelle Probleme vor allem in der Industrie die Entwicklung. Viele Branchen befinden sich dort in einer tiefgreifenden Transformation. Besonders deutlich zeigt sich das in der für Deutschland wichtigen Automobilindustrie, die den Wandel vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität bewältigen muss.
Ifo-Barometer sieht ebenfalls leichte Stabilisierung
Auch das Münchner Ifo-Institut erkennt vorsichtige Signale der Besserung. Das Beschäftigungsbarometer stieg den dritten Monat in Folge und erreichte 95,1 Punkte. Damit treten die Unternehmen beim Stellenabbau laut Ifo zunehmend auf die Bremse. Einen so hohen Wert hatte das Barometer zuletzt im August des vergangenen Jahres erreicht, höher lag es zuletzt im Juli 2024.
Ifo-Experte Klaus Wohlrabe sprach von einer Stabilisierung des Arbeitsmarkts, schränkte jedoch ein, dass eine echte Erholung noch nicht in Sicht sei. Vor allem in Industrie und Handel würden weiterhin Stellen abgebaut.
Dienstleistungssektor entwickelt sich robuster
Positiv sticht laut Ifo derzeit der Dienstleistungssektor hervor. Dort ist der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Stellen schaffen wollen, größer als der Anteil jener Firmen, die Personal abbauen möchten. Neue Beschäftigte suchen demnach unter anderem Ingenieurbüros, Rechts- und Steuerberatungen sowie Wirtschaftsprüfer. Auch Leiharbeitsfirmen blicken wieder etwas zuversichtlicher nach vorn.
Im Bau bleibt die Lage bei zuletzt wenig Veränderung leicht negativ. Im verarbeitenden Gewerbe liegt der Saldo zwar mit minus 9,4 weiter klar im negativen Bereich, vor zwei Monaten hatte er aber noch minus 18,2 betragen. Geplante Neueinstellungen gibt es dort vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen sowie optischen Erzeugnissen.
Am schwächsten fällt der Saldo mit minus 12,8 im Handel aus. Auch das ist allerdings einer der besseren Werte der vergangenen Jahre. Insgesamt verbesserte sich der Ifo-Gesamtindex um 0,3 Punkte. Der Stand von 95,1 wird dabei auf Basis des Jahres 2015 berechnet, dessen Durchschnitt auf 100 gesetzt ist. Anders als beim IAB markiert diese 100er-Schwelle beim Ifo-Barometer keine neutrale Entwicklung.
September-Zahlen der Bundesagentur folgen
Das Arbeitsmarktbarometer des IAB ist ein monatlicher Frühindikator für die künftige Entwicklung am Arbeitsmarkt. Dafür werden alle Arbeitsagenturen in Deutschland nach ihren Erwartungen für die kommenden drei Monate befragt. Die tatsächlichen Arbeitsmarktdaten für September will die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, an diesem Mittwoch bei der Vorstellung der Monatsstatistik bekanntgeben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber