Wirtschaft

Elon Musk zerrt ChatGPT-Macher OpenAI vor Gericht

Vom Mitgründer zum erbitterten Gegner: Elon Musk zerstritt sich mit OpenAI – nun startet ein Prozess, der die Zukunft der KI-Branche kräftig erschüttern könnte.

27.04.2026, 04:46 Uhr

Im langjährigen Streit zwischen Tech-Milliardär Elon Musk und OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, hat ein Gerichtsverfahren begonnen, das erhebliche Folgen für die KI-Branche haben könnte. Am Montag startete im kalifornischen Oakland die Auswahl der Geschworenen.

Ein Erfolg Musks vor Gericht könnte OpenAI deutlich einschränken. Dann stünden die geplanten Investitionen in KI-Infrastruktur in Höhe von hunderten Milliarden Dollar ebenso unter Druck wie der Wettbewerb mit Rivalen wie derzeit vor allem Anthropic und Google. Auch ein erwarteter Börsengang würde dadurch erheblich komplizierter.

ChatGPT gilt als Auslöser des aktuellen KI-Booms. Nach Angaben von OpenAI kommt der Chatbot inzwischen auf rund 900 Millionen Nutzerinnen und Nutzer pro Woche.

Musk war Mitgründer von OpenAI

Elon Musk gehörte 2015 zum Gründungskreis von OpenAI, zog sich aber 2018 nach einem Richtungsstreit zurück. In seiner 2024 eingereichten Klage wirft er der heutigen Führung um Mitgründer und OpenAI-Chef Sam Altman vor, den ursprünglichen Gedanken einer KI-Entwicklung im Interesse der Menschheit aufgegeben zu haben. Aus Musks Sicht geschah das mit der Annahme von Microsoft-Geldern und dem Kurs hin zu einer stärker profitorientierten Struktur.

Zum Auftakt des Prozesses legte Musk auf seiner Plattform X noch einmal nach. Dort schrieb er sinngemäß, Altman und Top-Manager Greg Brockman hätten eine Wohltätigkeitsorganisation „gestohlen“.

OpenAI weist die Vorwürfe zurück

OpenAI hält dagegen, dass Musk mit seiner Klage vor allem einen Konkurrenten bremsen wolle. Mit seiner KI-Firma xAI, die den Chatbot Grok entwickelt, tritt Musk inzwischen direkt gegen OpenAI an. Nach Darstellung des Unternehmens wollte Musk früher selbst die volle Kontrolle über OpenAI übernehmen und brachte auch eine Fusion mit Tesla ins Spiel. Als sich das nicht durchsetzen ließ, habe er das Unternehmen abrupt verlassen.

Streit um die künftige Struktur

Nach einem bereits vollzogenen Umbau besteht OpenAI heute aus einer gemeinnützigen Kernorganisation, die eine profitorientierte Gesellschaft kontrolliert. Musk verlangt unter anderem, dass OpenAI vollständig in eine Non-Profit-Forschungsorganisation umgewandelt wird. Außerdem fordert er, dass Sam Altman und Greg Brockman ihre Posten verlieren.

Hinzu kommt eine geforderte Wiedergutmachung von mehr als 100 Milliarden Dollar. Das Geld soll nach Musks Vorstellung jedoch nicht an ihn selbst fließen, sondern an den gemeinnützigen Arm von OpenAI.

Nur noch zwei zentrale Vorwürfe

Kurz vor Prozessbeginn strich Musk den ursprünglich erhobenen Betrugsvorwurf. Damit bleiben zwei Kernpunkte übrig, mit denen sich die Geschworenen befassen sollen. Zum einen geht es um den Vorwurf der unrechtmäßigen Bereicherung. Zum anderen argumentiert Musk, dass seine Mittel für den Aufbau einer gemeinnützigen Organisation zur Entwicklung von Open-Source-Software gedacht gewesen seien, am Ende aber einer profitorientierten Firma mit nicht quelloffener Technologie zugutekamen.

Verfahren in zwei Phasen

Der Prozess soll in zwei Phasen verlaufen. In der ersten Phase geben die Geschworenen eine Empfehlung an Richterin Yvonne Gonzalez Rogers ab. Sie entscheidet anschließend, ob Musk seine Vorwürfe ausreichend belegen konnte.

Nur wenn Musk sich in diesem ersten Schritt durchsetzt, folgt eine zweite Phase. Dann wird sich das Gericht mit seinen konkreten Forderungen und den möglichen Konsequenzen für OpenAI befassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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