Bei den Schüssen während einer Abendveranstaltung mit US-Präsident Donald Trump hat unmittelbar danach der politische Streit um die Deutung des Vorfalls begonnen. Trump präsentierte sich kurz nach dem Zwischenfall als entschlossener Präsident, während führende Republikaner das Ereignis nutzten, um den Druck auf die Demokraten zu erhöhen. Über Parteigrenzen hinweg löste der Vorfall Bestürzung aus, verbunden mit viel Lob für das Eingreifen der Sicherheitskräfte.
Der Vorfall kommt für Trump in einer innenpolitisch schwierigen Phase. Steigende Benzinpreise, keine erkennbare schnelle Lösung im Konflikt mit dem Iran und sinkende Zustimmungswerte setzen ihn unter Druck. Seine Beliebtheitswerte sind auf den niedrigsten Stand seit Beginn seiner zweiten Amtszeit gefallen. Für die Republikaner ist das besonders heikel, weil sie bei den Zwischenwahlen im November ihre knappe Mehrheit im Kongress verteidigen müssen.
Expertin: Angriff könnte Trump politisch helfen
Die US-Expertin Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei durchaus denkbar, dass Trump aus dem Angriff politischen Nutzen ziehe. Gerade innerhalb der MAGA-Bewegung um den früheren Fox-Moderator Tucker Carlson habe es zuletzt Unmut über Trumps Kurs im Iran-Konflikt und die schwache wirtschaftliche Entwicklung gegeben.
Carlson hatte den Präsidenten wegen des Iran-Kriegs scharf kritisiert. Viele Anhänger von "Make America Great Again" hatten sich von Trump vor allem mehr Konzentration auf innenpolitische Themen erhofft.
Bei dem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse war am Samstagabend Ortszeit ein schwer bewaffneter Mann durch eine Sicherheitsschleuse gedrungen. Sicherheitskräfte überwältigten ihn, es fielen Schüsse, Trump wurde umgehend von seinen Leibwächtern in Sicherheit gebracht.
Erinnerungen an Attentatsversuch im Wahlkampf
Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump nach einem Angriff politisch gestärkt wirkt. Vor rund zwei Jahren hatte ein 20-Jähriger bei einem Wahlkampfauftritt in Butler im Bundesstaat Pennsylvania auf ihn geschossen, ihn am Ohr verletzt und einen Zuschauer tödlich getroffen. Das Bild des blutverschmierten Trump, der umringt vom Secret Service die Faust in die Höhe streckt, wurde unter seinen Anhängern zu einem Symbol. Im Duell mit dem damaligen demokratischen Präsidenten Joe Biden legten seine Umfragewerte damals deutlich zu.
Trump gibt sich gefasst und ruft zur Einheit auf
Auch diesmal reagierte Trump schnell. Rund eine halbe Stunde nach den Schüssen ließ er mitteilen, die Veranstaltung solle fortgesetzt werden: "Lasst die Show weiterlaufen." Später am Abend zeigte er sich bei einer Pressekonferenz staatsmännisch und rief die Amerikaner dazu auf, politische Differenzen friedlich auszutragen.
Trump betonte zudem, Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten hätten in diesem Moment zusammengehalten. Es habe eine außergewöhnliche Atmosphäre von Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung gegeben.
Das Wall Street Journal schrieb, Trump habe an diesem Abend seine Rolle als Präsident voll ausgefüllt. Sein Dank an den Secret Service und seine Forderung, das Dinner weiterlaufen zu lassen, hätten erneut gezeigt, dass er in Krisenmomenten besonders entschlossen auftrete.
Weniger als einen Tag später schlug Trump allerdings wieder deutlich schärfere Töne an. Auf die Frage nach wachsender politischer Gewalt sagte er, solche Entwicklungen habe es schon immer gegeben. Zugleich erklärte er, die "hasserfüllte Rhetorik" der Demokraten sei inzwischen weit gefährlicher geworden. Kritiker werfen allerdings auch Trump selbst seit langem vor, mit seiner oft drastischen Sprache zur Spaltung des Landes beizutragen.
Trump lenkt den Fokus auf sein Ballsaal-Projekt
Überraschend nutzte Trump das Ereignis anschließend, um erneut für eines seiner bevorzugten Bauvorhaben zu werben: den neuen großen Ballsaal am Weißen Haus. Er behauptete, mit dem derzeit entstehenden, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre der Vorfall niemals möglich gewesen. Das Projekt könne gar nicht schnell genug fertiggestellt werden.
Das Prestigevorhaben steht jedoch juristisch unter Druck. Denkmalschützer gehen dagegen vor, nachdem Trump für den Bau den historischen Ostflügel des Weißen Hauses hatte abreißen lassen. Kritiker befürchten, der Neubau könne das eigentliche Weiße Haus optisch in den Hintergrund drängen.
Am Sonntag veröffentlichte der amtierende Justizminister Todd Blanche ein Schreiben, in dem sein Ministerium die Kläger aufforderte, ihre Klage zurückzuziehen. Als Begründung verwies er auf die Schüsse vom Vorabend. Andernfalls werde die Regierung beantragen, das Verfahren wegen "außergewöhnlicher Umstände" einzustellen. Wörtlich argumentierte er, die Klage bringe das Leben des Präsidenten, seiner Familie und seiner Mitarbeiter in erhebliche Gefahr.
Erste Hinweise auf ein mögliches Motiv
Für Trumps Republikaner könnten auch erste Informationen über den mutmaßlichen Täter politisch relevant werden. Medienberichten zufolge handelt es sich um einen 31-Jährigen aus Kalifornien. Er soll an trumpkritischen "No Kings"-Protesten teilgenommen und im Jahr 2024 einen kleinen Geldbetrag an die damalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris gespendet haben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion