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Studie: Diese 12-Uhr-Regel macht Konzerne reicher

Das neue Modell sollte entlasten – doch laut Wirtschaftsforschern kletterten danach nicht nur die Spritpreise, sondern auch die Gewinne der Ölkonzerne.

26.04.2026, 04:00 Uhr

Die neue 12-Uhr-Regel für Preisänderungen an Tankstellen hat der Mineralölbranche laut einer aktuellen Untersuchung zusätzliche Erträge gebracht. Beim Superbenzin lag die Gewinnspanne in den ersten beiden Wochen nach Inkrafttreten der Vorschrift im Durchschnitt um 6 Cent je Liter höher als in den zwei Wochen zuvor. Für Diesel konnten die Wissenschaftler hingegen bislang keinen klaren Zusammenhang nachweisen.

„Das Maßnahmenpaket hat bislang nicht zu niedrigeren Preisen geführt. Vor allem bei Benzin sind die Margen deutlich gestiegen“, erklärte Leona Jung vom Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE). Bei Diesel seien die Margen im untersuchten Zeitraum stark in Bewegung gewesen, sagte Jacob Schildknecht vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Deshalb lasse sich dort noch kein verlässlicher Wert angeben. Hinweise auf einen möglichen Effekt gebe es aber auch bei Diesel.

Unterschiede nach Region und Tankstellengröße

Wie ausgeprägt die Veränderungen sind, hängt der Studie zufolge stark von Region und Marktstruktur ab. Die größten Zuwächse bei den Margen fanden die Forscher bei kleineren Tankstellenketten und unabhängigen Anbietern. Bei den großen Ketten fielen die Anstiege dagegen am geringsten aus.

DICE-Direktor Justus Haucap betonte, dass die Reform nicht überall gleich wirke. Entscheidend seien insbesondere Wettbewerbsdruck und Marktverhältnisse. Größere Unternehmen würden ihre Margen womöglich weniger stark anheben, weil sie als dominante Marktteilnehmer eher mit kartellrechtlicher Kontrolle rechnen müssten.

Regional zeigte sich der stärkste Effekt in Süddeutschland. Nach Einschätzung der Forscher könnte das höhere durchschnittliche Einkommen dort eine größere Zahlungsbereitschaft fördern und damit stärkere Preisanpassungen ermöglichen. Gleichzeitig könnten aber auch Unterschiede bei Lieferketten und Rohölbeschaffung eine Rolle spielen und die regionalen Preisreaktionen zusätzlich beeinflussen.

Grundlage der Untersuchung

Für die Analyse werteten ZEW und DICE Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe aus. Betrachtet wurden die 14 Tage vor und die 14 Tage nach dem Start der Reform am 1. April. Zur Berechnung der Margen stellten die Forscher die Nettopreise an den Tankstellen den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen gegenüber.

Kritik schon vor Einführung

Bereits vor dem Start der 12-Uhr-Regel war gewarnt worden, dass das aus Österreich übernommene Modell eher zu höheren Kraftstoffpreisen führen könnte. Kritiker befürchteten, dass Anbieter Preissteigerungen vorsorglich einpreisen würden.

Auch der Vergleich mit anderen EU-Staaten zeigte in den ersten Tagen nach Einführung, dass insbesondere die Benzinpreise in Deutschland deutlich stärker anzogen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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