Rettung des gestrandeten Buckelwals vor Poel: Transportkahn wird in Wismar erwartet
Knapp einen Monat nach der Strandung eines Buckelwals vor der Insel Poel steht die Rettungsaktion vor einem entscheidenden Schritt. Der für den lebenden Transport des Tieres vorgesehene Lastkahn soll am Nachmittag in Wismar eintreffen. Im dortigen Seehafen soll die sogenannte Barge anschließend für die Aufnahme des Wals vorbereitet werden.
Nach Angaben von Schiffsortungsdiensten hatte der Schlepper „Robin Hood“ den Kahn am Morgen bereits an Fehmarn vorbeigezogen. Die Fahrt des Verbands verläuft vergleichsweise langsam, weil die Geschwindigkeit wegen der Barge begrenzt ist. Zuvor war der Lastkahn aus der Elbe kommend durch den Nord-Ostsee-Kanal gebracht worden und, vom Schubboot „Hans“ geschoben, in der Nacht zum Montag in Kiel angekommen. In der Ostsee übernahm dann die „Robin Hood“ den weiteren Transport.
Hoffnung auf Verladung am Dienstag
Nach bisherigen Planungen soll der Wal am Dienstag in die Barge aufgenommen und dann zusammen mit Wasser lebend in Richtung Nordsee transportiert werden. Seit Beginn der Rettungsaktion durch eine private Initiative Mitte April hatte es mehrfach Verzögerungen und Planänderungen gegeben.
Ein Grund dafür war, dass sich der Buckelwal vor etwa einer Woche bei höherem Wasserstand zeitweise aus eigener Kraft bewegen konnte, später jedoch erneut festsaß. Das Team sorgte daraufhin dafür, dass das Tier auch bei niedrigerem Pegel tiefer im Wasser liegt. Zudem wurde ein mehr als 100 Meter langer Kanal bis zur tieferen Fahrrinne ausgebaggert, abgesaugt und gespült.
So soll der Wal in den Kahn gelangen
Durch diese Rinne soll die absenkbare Barge mit ihrer Ladeöffnung an den Wal herangeführt werden. Der technische Leiter der privaten Initiative, Felix Bohnsack, hatte das Konzept zuletzt näher erläutert. Demnach ist die Barge normalerweise für den Abtransport von Schiffen im Einsatz.
Das stählerne Transportgefäß ist 50 Meter lang und 13 Meter breit und kann nach seinen Angaben 400 Tonnen laden. Im Innenraum stehen rund 47 Meter Länge und 11 Meter Breite zur Verfügung. Der Ladetiefgang beträgt etwa vier Meter. Mithilfe von Wassertanks an den Seiten kann die Barge abgesenkt und wieder angehoben werden.
Um den Wal zu verladen, soll unter das Tier eine Plane geführt werden, die von einem Netz gehalten wird. So soll sich zunächst eine U-Form um den Meeressäuger bilden, damit er sich seitlich kaum noch drehen kann. Anschließend soll die Front hochgezogen werden, um eine Art Barriere zu schaffen, damit der Wal nicht nach vorn entkommt.
Bohnsack zufolge soll das Tier dann kontrolliert rückwärts in die Barge „reingefloatet“ werden. Später soll es wieder vorwärts hinausschwimmen können. Die Ladeöffnung bleibt dabei offen und wird nur mit einem speziellen, engmaschigen Netz gesichert, damit sich der Wal nicht verletzt. Zugleich soll so gewährleistet werden, dass das Tier im Notfall schnell freigelassen werden kann und während der Fahrt ein ständiger, gesunder Wasseraustausch stattfindet.
Dreieinhalb Tage bis vor Skagen
Anschließend soll die Barge von einem Schiff gezogen werden, an Fehmarn vorbei und weiter bis nach Skagen im Norden Dänemarks, also bis an den Eingang der Nordsee. Für diese Strecke sind nach Angaben der Initiative dreieinhalb Tage eingeplant. Danach soll der Zustand des Tieres erneut bewertet werden, um zu entscheiden, wie es die Reise überstanden hat.
Bohnsack will den Transport selbst begleiten. Nach dem Plan sollen außerdem Veterinäre und Wal-Experten mit an Bord sein.
Minister begleitet Einsatz vor Ort
Auch zuletzt wurde weiter an der Rinne gearbeitet, während zugleich der Zustand des Wals überprüft wurde. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) machte sich vor Ort selbst ein Bild und ging dafür sogar ins Wasser. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte er. Er wünsche sich, dass die Mission möglichst bald erfolgreich abgeschlossen werden könne.
Nach Angaben von Backhaus ist der Walbulle etwa vier bis sechs Jahre alt. Er war Anfang März erstmals in der Ostsee aufgefallen: Am 3. März wurde er im Wismarer Hafen gesichtet, später steckte er weiter westlich vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein fest. In den mehr als 50 Tagen seither hielt er sich über weite Strecken in flachen Küstenbereichen auf. Fachleute vermuten, dass das Tier diese Zonen gezielt aufsuchte, weil es schwer krank sein könnte und dort Ruhe suchte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion