Rettung des Buckelwals vor Poel soll am Dienstag starten: Plan für Verladung in die Barge geändert
Nach rund vier Wochen vor der Insel Poel soll am Dienstag der bislang aufwendigste Schritt der Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal beginnen. Unterstützer der Aktion wollen nach eigenen Angaben bereits früh am Morgen starten; im Laufe des Vormittags soll der eigentliche Rettungsversuch anlaufen.
Der für den lebenden Transport vorgesehene Lastkahn, eine absenkbare Barge ohne eigenen Antrieb, erreichte laut Schiffsortungsdiensten am Montagnachmittag den Hafen von Wismar. Dort sollten weitere Vorbereitungen für die Aufnahme des Tieres stattfinden. Die Barge war eigens aus der Elbe über den Nord-Ostsee-Kanal in die Ostsee gebracht worden und soll den Wal später zusammen mit Wasser in Richtung Nordsee transportieren.
Hoffnung auf Verladung am Dienstag
Nach den aktuellen Planungen soll der Wal am Dienstag in die Barge gebracht werden. Ein Schiff soll den Lastkahn anschließend bis in Richtung Skagen im Norden Dänemarks schleppen. Für die Strecke bis zum Eingang der Nordsee sind weiterhin etwa dreieinhalb Tage vorgesehen.
Seit Beginn der privaten Rettungsinitiative Mitte April hatte es mehrfach Änderungen im Ablauf gegeben. Zwischenzeitlich konnte sich das Tier bei höherem Wasserstand noch einmal aus eigener Kraft etwas bewegen, saß später aber erneut fest. Daraufhin wurde weiter an einer Rinne zur tieferen Fahrrinne gearbeitet, damit der Wal möglichst im Wasser gehalten und die Barge herangeführt werden kann.
Planänderung: Gurt statt Plane, vorwärts statt rückwärts
Das Verladekonzept wurde inzwischen wesentlich geändert. Ursprünglich sollte der Wal mit Hilfe einer Plane rückwärts in den Lastkahn gebracht werden. Davon sind die Beteiligten nun abgerückt. Nach Angaben der beteiligten Tierärztin Kirsten Tönnies haben sich Veterinäre und Fachleute gegen dieses Vorgehen ausgesprochen.
Stattdessen soll nun ein breiter, flexibler Gurt eingesetzt werden. Der Wal soll damit nicht rückwärts, sondern vorwärts in die Barge gelenkt werden. Der Gurt soll unter dem Brustbereich verlaufen und hinter den Flippern, also den Brustflossen, geführt werden. Mehrere Helfer sollen ihn von beiden Seiten kontrolliert ziehen.
Nach Angaben der Beteiligten soll dabei möglichst wenig Zug auf das Tier ausgeübt werden. Gerät der Wal in Stress oder Panik, könnte eine Seite des Gurtes sofort nachgeben. Zudem soll das Tier nicht direkt an seiner aktuellen Position aufgenommen, sondern zunächst durch die vorbereitete Rinne zur Barge geleitet werden.
Wal soll nicht über Sand gezogen werden
Die Unterstützer der Aktion betonen, dass sich der Buckelwal in der ausgehobenen Fahrrinne schwimmend bewegen soll. Ziel ist, das Tier nicht über Sand zu ziehen und die Belastung während des Manövers so gering wie möglich zu halten. Die DLRG half zuletzt auch dabei, Bojen zur Markierung der Route für die Barge auszubringen.
Offene Fragen zum Gurteinsatz
Ob der neue Plan mit dem Gurt tatsächlich wie vorgesehen umgesetzt werden kann, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums lagen den Veterinären des Hauses trotz mehrfacher Nachfragen zunächst keine Unterlagen zum vorgesehenen Gurteinsatz vor. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es dabei nicht um eine klassische Genehmigung, sondern um die Frage der Duldung entsprechender Maßnahmen gehe.
Zustand des Wals bleibt schwer einzuschätzen
Zum Gesundheitszustand des Buckelwals gab es kurz vor dem geplanten Einsatz unterschiedliche Einschätzungen. Zunächst hieß es aus dem Kreis der Beteiligten, dem Tier laufe die Zeit davon; die Atmung sei flacher und die Reaktionen schwächer geworden. Wenig später wurde diese Darstellung jedoch relativiert. Demnach wirke der Wal doch deutlich lebhafter, vitaler und interessierter als zunächst befürchtet.
Nach Einschätzung der Helfer kann sich der Eindruck vom Zustand des Tieres je nach Wasserstand, Wind und Sonneneinstrahlung verändern. Dann werde der Wal zeitweise wieder aktiver.
DLRG will am Mittwoch abrücken
Für einen Teil der Einsatzkräfte wächst der Druck. Die DLRG kündigte an, ihre Kräfte am Mittwoch abzuziehen. Viele Helfer seien ehrenamtlich vor Ort und hätten dafür bereits zwei Wochen Urlaub eingesetzt. Nach Angaben aus dem Einsatz waren zuletzt im Wechsel etwa 15 bis 30 Kräfte beteiligt. Neben der Absicherung auf dem Wasser übernahm die DLRG auch Aufgaben bei den Vorbereitungen an der Fahrrinne.
Kritik am Rettungsversuch
Während die private Initiative weiter auf einen Abtransport hofft, hält die fachliche Debatte über das richtige Vorgehen an. Das Deutsche Meeresmuseum sprach sich erneut dafür aus, dem Tier größtmögliche Ruhe zu lassen, es nur palliativ zu versorgen und weitere Manipulationen zu vermeiden.
Zur Begründung verwies das Museum auf die wiederholten Strandungen, die aus seiner Sicht auf ein ernstes Gesundheitsproblem hindeuten. Eine Bergung berge erhebliche Verletzungsrisiken, und auch der mehrtägige Transport bis zur Nordsee bedeute großen Stress für den Wal.
Minister begleitet Einsatz weiter vor Ort
Zuletzt war weiter an der Rinne gearbeitet und der Zustand des Tieres kontrolliert worden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte sich vor Ort selbst ein Bild gemacht und die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss der Mission betont.
Nach seinen Angaben handelt es sich bei dem Walbullen um ein etwa vier bis sechs Jahre altes Tier. Er war Anfang März erstmals in der Ostsee aufgefallen: Am 3. März wurde er im Wismarer Hafen gesichtet, später steckte er weiter westlich vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein fest. Seitdem hielt er sich über längere Zeit in flachen Küstenbereichen auf. Fachleute vermuten, dass der Buckelwal schwer krank sein könnte und deshalb gezielt ruhige, flache Zonen aufsuchte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion