Der britische König Charles III. (77) ist gemeinsam mit Königin Camilla (78) zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in die USA aufgebrochen. Anlass der Reise ist der bevorstehende 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Sommer.
Nach den Schüssen beim Korrespondentendinner in Washington waren die Pläne in letzter Minute noch einmal überprüft worden, wie der Buckingham-Palast mitteilte. Später bestätigte der Hof jedoch, dass das Königspaar nach Gesprächen auf beiden Seiten des Atlantiks und auf Anraten der britischen Regierung wie vorgesehen reisen werde.
US-Präsident Donald Trump versuchte vor dem Eintreffen der Royals, mögliche Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Auf dem Gelände des Weißen Hauses werde der Monarch „sehr sicher“ sein, sagte Trump dem Sender CBS, bevor er Charles und Camilla am Nachmittag Ortszeit zum Tee empfangen wollte.
Trump gilt als Royal-Verehrer
In der britischen Regierung dürfte die Entscheidung für Erleichterung gesorgt haben. In Downing Street hofft man, dass Charles die zuletzt belasteten Beziehungen zwischen den beiden Verbündeten verbessern kann. Trump gilt als Bewunderer der Royals, während Charles als erfahrener und gewandter Diplomat angesehen wird.
Vor dem Besuch äußerte sich Trump ungewöhnlich warm über den Monarchen. Dem Sender Fox News sagte er: „Er ist ein großartiger Mensch.“ Weiter nannte er Charles eine „wirklich fantastische Person“ und einen „herausragenden Repräsentanten“. Zudem erklärte Trump, der britische König sei „seit langer Zeit“ ein Freund von ihm.
Für Montag war zunächst ein privater Austausch des Königspaars mit Trump (79) und Melania Trump (56) geplant. Dem tierlieben Charles sollte dabei auch der Bienenstock des Weißen Hauses gezeigt werden. Außerdem stehen mehrere gemeinsame Termine auf dem Programm, darunter eine Gartenparty, eine militärische Zeremonie und ein Staatsbankett. Charles soll zudem als erst zweiter britischer Monarch nach Queen Elizabeth II. vor dem US-Kongress sprechen.
Drahtseilakt für König Charles
Der Besuch gilt dennoch als diplomisch heikel. Vor allem Trumps sprunghafte Art macht die Reise zu einem Drahtseilakt. In den vergangenen Tagen und Wochen hatte sich der Republikaner wiederholt undiplomatisch über Premierminister Keir Starmer geäußert, auf dessen Wunsch die Visite zustande kam. Besonders kritisch sieht Trump offenbar die aus seiner Sicht mangelnde Bereitschaft Großbritanniens, seinen Krieg gegen den Iran zu unterstützen.
Auch darüber hinaus ist Trump für Charles ein schwieriger Gesprächspartner. Der US-Präsident hatte mehrfach offen erklärt, Kanada den Vereinigten Staaten einverleiben zu wollen. Charles ist zugleich Staatsoberhaupt Kanadas. Hinzu kommen große Unterschiede beim Thema Klima: Während der König seit Jahren für Umwelt- und Klimaschutz wirbt, greift Trump regelmäßig Windräder an und bezeichnet den Klimawandel als Schwindel.
Trotzdem blickt Charles laut der „Sunday Times“ optimistisch auf die Reise. Unter Berufung auf Palastkreise berichtet das Blatt, der König freue sich auf die Herausforderung. Demnach gelten auch Trumps Äußerungen über eine freundschaftliche Beziehung zwischen beiden als glaubwürdig.
Weiterreise nach New York und Virginia
Im weiteren Verlauf der Woche wollen Charles und Camilla nach New York weiterreisen. Dort sind unter anderem Treffen mit Rettungskräften sowie Angehörigen von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 geplant. Nach Angaben der „Sunday Times“ soll auch ein Treffen mit dem demokratischen New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani stattfinden.
Letzte Station der USA-Reise ist Virginia. Dort will das Königspaar mit Vertretern amerikanischer Ureinwohner zusammenkommen.
Kein Treffen mit Epstein-Opfern
Eine Forderung nach einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Missbrauchsskandals um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein lehnte der Palast jedoch ab. Das Thema ist für die Royals besonders sensibel, weil Charles’ jüngerer Bruder Ex-Prinz Andrew (66) über Jahre enge Verbindungen zu Epstein hatte.
Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies die Anschuldigungen stets zurück, einigte sich später mit Giuffre aber auf einen Medienberichten zufolge millionenschweren Vergleich.
Britische Medien gehen dennoch davon aus, dass Charles dem Thema nicht ganz ausweichen kann. Sky Roberts, der Bruder von Virginia Giuffre, kündigte an, er und weitere Aktivisten wollten während der Rede des Königs vor dem Kongress in der Nähe Präsenz zeigen. Roberts hatte zuvor in einem BBC-Interview eindringlich um ein persönliches Treffen mit Charles gebeten. Giuffre hatte sich vor einem Jahr das Leben genommen.
Reisepläne nach Schüssen überprüft
Zeitweise stand die Reise am Wochenende offenbar auf der Kippe. Ein bewaffneter Mann hatte am Samstagabend versucht, in den Ballsaal eines Hotels in Washington zu gelangen, in dem Trump und weitere Regierungsmitglieder an einem Gala-Dinner mit Hauptstadtjournalisten teilnahmen.
Als Schüsse fielen, wurden der Präsident, die First Lady und weitere Regierungsmitglieder in Sicherheit gebracht. Ein Beamter wurde verletzt, der mutmaßliche Angreifer festgenommen. In den USA läuft seither eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen.
Der Palast erklärte, Charles werde vollständig über die Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. Zugleich sei der König „sehr erleichtert zu hören, dass der Präsident, die First Lady und alle Gäste unverletzt geblieben sind“.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion