Politik

Verhandlungen stocken: Iran bangt um seine Zukunft

Die Waffenruhe ließ viele Menschen im Iran kurz aufatmen. Doch jetzt sind die Gespräche zwischen den USA und Teheran erneut gescheitert – und in der Hauptstadt wächst die Angst, was als Nächstes droht.

27.04.2026, 03:33 Uhr

Keine neuen Signale im Iran-Konflikt: Putin bietet Vermittlung in St. Petersburg an, Ölpreis bleibt über 100 Dollar

Eine neue Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung ihres Kriegs ist weiter nicht in Sicht. Zu Wochenbeginn kamen weder aus Washington noch aus Teheran offizielle diplomatische Signale für neue Gespräche. Stattdessen rückte Russland erneut in den Fokus.

Putin trifft Irans Außenminister in St. Petersburg

Irans Außenminister Abbas Araghtschi kam in St. Petersburg mit Russlands Präsident Wladimir Putin zusammen. Putin sagte im Anschluss, er hoffe auf einen baldigen Frieden in der Region. Russland werde alles tun, was den Interessen Irans diene und zugleich den Interessen aller Völker in der Region entspreche, damit der Frieden so schnell wie möglich erreicht werde.

Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte nach dem Treffen, dass eine Rückkehr zu Kampfhandlungen weder im Interesse Teherans noch im Interesse der Weltwirtschaft liege. Russland sei bereit, in dem Konflikt zu vermitteln.

Russland gilt als enger Verbündeter des Iran, unterstützt Teheran bislang aber nicht offen militärisch. Moskau hatte mehrfach angeboten, angereichertes Uran aus dem Iran zu übernehmen. Zu den zentralen Forderungen der USA gehört weiter, dass der Iran auf den Bau einer Atombombe verzichtet.

Sorge unter der Bevölkerung wächst

Die stockenden Bemühungen um ein Kriegsende sorgen im Iran für wachsende Verunsicherung. Ein Bewohner aus Teheran beschrieb die Lage als „wirklich sehr, sehr kritisch“. Aus Angst vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen durch die Sicherheitsbehörden der Islamischen Republik wollte er anonym bleiben.

Seine Sorge: Entweder kehre der Krieg zurück, oder es gebe keinen Krieg, aber das Regime bleibe bestehen. Im schlimmsten Fall könnten sogar Krieg und Regime zugleich fortbestehen.

USA verstärken ihre Militärpräsenz im Nahen Osten

Während diplomatische Fortschritte ausbleiben, haben die USA in der Golfregion weitere Kräfte zusammengezogen. Erstmals seit 2003 sind drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz. Auf den Schiffen sind nach Angaben aus dem Umfeld des Konflikts mehr als 200 Flugzeuge sowie rund 15.000 Matrosen und Marineinfanteristen stationiert.

Ölpreis bleibt deutlich über der 100-Dollar-Marke

Eine Entspannung bei den Energiepreisen ist vorerst nicht in Sicht. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg auf 108,28 US-Dollar und lag damit 2,81 Prozent höher als am Freitag.

Ein entscheidender Faktor bleibt die Lage an der Straße von Hormus. Die Blockade durch den Iran und die USA hält an. Durch die Meerenge wird normalerweise rund ein Fünftel der weltweit benötigten Ölmenge transportiert. Entsprechend angespannt bleiben auch die Aussichten für Benzin- und Dieselpreise.

Internetsperren im Iran sorgen für zusätzlichen Druck

Zusätzlichen Ärger löst im Iran die eingeschränkte Internetnutzung aus. Nach massiver Kritik verteidigte das iranische Präsidialamt die Sperren. Auf der Plattform X erklärte die Pressestelle, auch Präsident Massud Peseschkian sei strikt gegen eine eingeschränkte Internetnutzung für die Bevölkerung.

Das als „Pro Internet“ bezeichnete Projekt sei nicht dauerhaft angelegt, sondern nur eine vorübergehende Maßnahme in der Kriegssituation. Nach dem Ende der Konflikte solle der reguläre Zugang für alle Bürger wiederhergestellt werden. Viele Menschen und besonders Unternehmen leiden jedoch schon jetzt massiv unter dem Internet-Aus.

Weltweite Rüstungsausgaben erreichen Rekordhoch

Die zahlreichen Konflikte und Kriege treiben die globalen Militärausgaben weiter nach oben. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri wurde 2025 im elften Jahr in Folge ein neuer Höchststand erreicht.

Inflationsbereinigt stiegen die weltweiten Rüstungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent, innerhalb eines Jahrzehnts sogar um 41 Prozent. Insgesamt gaben die Staaten knapp 2,89 Billionen US-Dollar für das Militär aus, umgerechnet rund 2,47 Billionen Euro. Das entspricht ungefähr dem Fünffachen des gesamten deutschen Bundeshaushalts.

Die USA blieben mit umgerechnet knapp 814 Milliarden Euro mit großem Abstand das Land mit den höchsten Verteidigungsausgaben. Sipri führt die Entwicklung auch auf die Aufrüstung in Europa zurück, wo die Militärausgaben im vergangenen Jahr um 14 Prozent zulegten.

Von der Leyen warnt vor voreiliger Lockerung der Iran-Sanktionen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht derzeit keinen Anlass für eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran. Eine Aufhebung wäre aus ihrer Sicht verfrüht. Zur Begründung verwies sie bei einer Klausurtagung der Unionsfraktion in Berlin auf das Verhalten des iranischen Regimes gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Von der Leyen sagte zudem, allein in diesem Jahr seien bereits 17.000 junge Menschen von der iranischen Führung getötet worden.

Konsumlaune in Deutschland im Sinkflug

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sind auch in Deutschland spürbar. Nach einer aktuellen Studie von NIM und GfK hat sich das Konsumklima erneut verschlechtert.

Die Einkommenserwartungen sind deutlich eingebrochen und auf den niedrigsten Stand seit Februar 2023 gefallen. Auch die Bereitschaft der Menschen, größere Anschaffungen zu tätigen, ging zum dritten Mal in Folge zurück und erreichte den tiefsten Wert seit zwei Jahren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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