Politik

Verhandlungen stocken: Iran bangt um seine Zukunft

Die Waffenruhe ließ viele Menschen im Iran kurz aufatmen. Doch jetzt sind die Gespräche zwischen den USA und Teheran erneut gescheitert – und in der Hauptstadt wächst die Angst, was als Nächstes droht.

27.04.2026, 03:33 Uhr

Keine neuen Signale im Iran-Konflikt: Sorgen wachsen, Ölpreis steigt weiter

Eine neue Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung ihres Kriegs ist vorerst nicht in Sicht. Zu Wochenbeginn kamen weder aus Washington noch aus Teheran offizielle diplomatische Signale für neue Gespräche. Mit besonderer Spannung wurde stattdessen ein Treffen des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau erwartet.

Unter vielen Menschen im Iran wächst damit die Verunsicherung weiter. Ein Bewohner aus Teheran beschrieb die Lage als „sehr, sehr kritisch“. Aus Angst vor Repressionen durch die Sicherheitsorgane wollte er anonym bleiben. Seine Sorge sei, dass entweder der Krieg zurückkehre oder das Regime trotz ausbleibender Kämpfe bestehen bleibe – im schlimmsten Fall sogar beides zugleich.

Neue Gesprächsrunde in Islamabad vorerst gescheitert

Bereits am Wochenende war ein weiterer Versuch Pakistans gescheitert, Vertreter des Irans und der USA erneut an einen Tisch zu bringen. Araghtschi war seit Freitag zweimal in Islamabad. US-Präsident Donald Trump sagte die geplante Reise seines Sondergesandten Steve Witkoff sowie seines Schwiegersohns Jared Kushner kurzfristig ab. Als Grund wurde unter anderem ein aus Sicht Washingtons inakzeptabler iranischer Vorschlag genannt.

Pakistanische Behörden hoben am späten Sonntagabend die Verkehrsbeschränkungen rund um das Serena-Hotel in Islamabad sowie in der sogenannten roten Zone des Regierungsviertels wieder auf. Das galt vor Ort als deutliches Zeichen, dass in den kommenden Tagen kaum mit einer neuen Verhandlungsrunde zu rechnen ist.

Teheran stellt weitreichende Bedingungen

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wollte Araghtschi den pakistanischen Vermittlern erneut die Bedingungen Teherans für ein Kriegsende übermitteln.

Demnach fordert der Iran unter anderem ein sofortiges Ende der amerikanischen Seeblockade sowie eine neue juristische Regelung für die Straße von Hormus. Hinzu kommen Forderungen nach Entschädigungen für Kriegsschäden und verbindlichen Zusicherungen, dass es keine weiteren militärischen Angriffe gegen die Islamische Republik geben werde. Der Atomkonflikt soll aus iranischer Sicht nicht Teil der Gespräche sein – für die USA ist genau dieser Punkt jedoch zentral.

Russland rückt als diplomatischer Akteur in den Mittelpunkt

Nach seinen Gesprächen in Islamabad reiste Araghtschi weiter nach Moskau. Der Kreml bestätigte ein geplantes Treffen mit Präsident Wladimir Putin. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Gespräch wegen der Entwicklungen im Iran und im Nahen Osten als von „unschätzbarer Wichtigkeit“.

Russland gilt als enger Partner Teherans, ist aber weiterhin nicht bereit, den Iran in dem Konflikt offen militärisch zu unterstützen. Hilfe kommt bislang vor allem auf diplomatischer Ebene. Moskau hatte zudem mehrfach angeboten, angereichertes Uran aus dem Iran zu übernehmen. Eine der Hauptforderungen der USA bleibt, dass Teheran auf den Bau einer Atombombe verzichtet.

USA verstärken ihre Militärpräsenz im Nahen Osten

Während diplomatische Fortschritte ausbleiben, haben die USA ihre Kräfte in der Golfregion weiter verstärkt. Erstmals seit 2003 sind nach Angaben aus dem Umfeld des Konflikts drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz. Auf den Schiffen sind demnach mehr als 200 Flugzeuge sowie rund 15.000 Matrosen und Marineinfanteristen stationiert.

Beobachter gehen davon aus, dass beide Seiten darauf setzen, die jeweils andere in einer Pattsituation zu zermürben. Die strategisch bedeutende Straße von Hormus bleibt weiter blockiert.

Hormus bleibt Schlüsselroute für Öl und Gas

Die Meerenge von Hormus ist für den Transport von Öl und Gas aus den Golfstaaten von zentraler Bedeutung. Normalerweise wird dort rund ein Fünftel der weltweit benötigten Ölmenge verschifft. Entsprechend nervös reagieren die Märkte.

Eine Entspannung bei den Energiepreisen ist bislang nicht in Sicht. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg auf 108,28 US-Dollar und lag damit 2,81 Prozent höher als am Freitag. Damit rückt auch eine weitere Belastung bei Benzin- und Dieselpreisen in vielen Ländern näher.

Sicherheitsexperten warnen seit Tagen vor globalen wirtschaftlichen Folgen eines längeren Stillstands. Bereits zuvor hatte die Politikwissenschaftlerin Claudia Major darauf hingewiesen, dass der Iran militärisch kaum gewinnen könne und deshalb auf Durchhaltevermögen setze. Zugleich seien auch die USA trotz ihrer militärischen Stärke bislang nicht in der Lage gewesen, ihre Kriegsziele durchzusetzen.

Internetsperren im Iran sorgen für zusätzlichen Druck

Zusätzlichen Unmut löst im Iran die eingeschränkte Internetnutzung aus. Nach massiver Kritik verteidigte das iranische Präsidialamt die Sperren. Auf der Plattform X hieß es, auch Präsident Massud Peseschkian sei grundsätzlich gegen ein eingeschränktes Internet für die Bevölkerung. Die Maßnahmen seien nur vorübergehend und mit der Kriegslage begründet. Nach dem Ende der Konflikte solle der reguläre Zugang wiederhergestellt werden.

Viele Menschen und vor allem Unternehmen leiden jedoch schon jetzt erheblich unter dem weitgehenden Ausfall digitaler Verbindungen.

Weltweite Rüstungsausgaben steigen auf Rekordwert

Die zahlreichen Kriege und Krisen treiben auch die Militärausgaben weltweit weiter nach oben. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri wurde 2025 im elften Jahr in Folge ein neuer Höchststand erreicht. Inflationsbereinigt stiegen die globalen Rüstungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent, innerhalb eines Jahrzehnts sogar um 41 Prozent.

Weltweit gaben die Staaten demnach zusammen knapp 2,89 Billionen US-Dollar für das Militär aus. Die USA blieben mit umgerechnet rund 814 Milliarden Euro mit großem Abstand das Land mit den höchsten Verteidigungsausgaben. Besonders stark legten laut Sipri auch die Ausgaben in Europa zu, wo sie im vergangenen Jahr um 14 Prozent stiegen.

EU sieht keinen Anlass für Lockerung der Iran-Sanktionen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte unterdessen vor einer vorschnellen Lockerung der Sanktionen gegen den Iran. Eine Aufhebung sei verfrüht, sagte sie bei einer Klausurtagung der Unionsfraktion in Berlin. Zur Begründung verwies sie auf das Verhalten des iranischen Regimes gegenüber der eigenen Bevölkerung. Von der Leyen sagte zudem, allein in diesem Jahr seien bereits 17.000 junge Menschen von der iranischen Führung getötet worden.

Enttäuschte Hoffnungen auf politischen Wandel

Viele Menschen im Iran hatten nach den Angriffen der USA und Israels Ende Februar gehofft, die autoritäre Führung in Teheran könne gestürzt und ein demokratischer Wandel eingeleitet werden. Zwar wurden bei den Angriffen zahlreiche ranghohe Militärs und Politiker getötet, doch das Herrschaftssystem besteht weiter.

Schon im Januar war es vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise zu Massenprotesten gegen die politische Führung gekommen. Diese wurden jedoch mit großer Härte niedergeschlagen. Dabei kamen Tausende Menschen ums Leben.

Konsumklima in Deutschland leidet unter Kriegsfolgen

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sind inzwischen auch in Deutschland spürbar. Nach einer aktuellen Studie von NIM und GfK hat sich das Konsumklima weiter verschlechtert. Die Einkommenserwartungen brachen deutlich ein und fielen auf den niedrigsten Stand seit Februar 2023. Auch die Bereitschaft der Menschen, größere Anschaffungen zu tätigen, ging zum dritten Mal in Folge zurück und erreichte den tiefsten Wert seit zwei Jahren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen