Mutmaßlicher Fahrer schildert seine Sicht vor Gericht
Im Hamburger Prozess um die mutmaßliche Entführung zweier Kinder von Christina Block hat am 46. Verhandlungstag ein weiterer Verdächtiger als Zeuge ausgesagt. Der 35 Jahre alte Israeli sagte laut Übersetzung: „Ich bin kein Verbrecher.“ Er arbeite als Bauingenieur und habe sich nur beteiligt, weil ihm vom Chef einer israelischen Sicherheitsfirma erzählt worden sei, die beiden jüngsten Kinder würden beim Vater misshandelt.
Nach seiner Darstellung sei ihm mehrfach versichert worden, die Rückführung der Kinder von Dänemark nach Deutschland sei völlig legal. Man habe ihm gesagt, die deutschen Behörden seien informiert, „alles wird in Ordnung sein“. Die Anweisung habe ausdrücklich gelautet, „ohne Gewalt“ vorzugehen. Die Anklage geht allerdings davon aus, dass die Aktion gewaltsam verlief.
Der Zeuge sagte zu seiner Rolle: „Ich war der Fahrer.“ Für den Einsatz in Deutschland und Dänemark seien ihm nach eigenen Angaben 10.000 Euro zugesagt worden. Am Ende habe er vom Chef des Sicherheitsunternehmens aber nur 5.000 Euro erhalten.
Wie schon andere Zeugen berichtete auch der 35-Jährige von einem Treffen wenige Tage vor der Tat in einem Konferenzraum des Hotels Grand Elysée in Hamburg. Auf Wunsch des Chefs der Sicherheitsfirma seien die Männer dabei maskiert gewesen. Über Christina Block sagte er: „Sie war sehr bewegt.“ Blocks Verteidiger Ingo Bott hatte erklärt, ein solches Treffen am 28. Dezember habe es nie gegeben.
Was laut Anklage nach der Tat geschah
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft brachten Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma den Jungen und das Mädchen am Neujahrstag 2024 zunächst zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg. Von dort soll Christina Block die Kinder nach Hamburg geholt haben. Am 5. Januar 2024 entschied das Oberlandesgericht, dass die Kinder zu ihrem Vater zurückkehren müssen.
Der Zeuge erklärte weiter, er sei bereits am 3. Januar 2024 nach Israel zurückgeflogen. Etwa einen Monat später habe es dort noch ein weiteres Treffen gegeben. Dabei habe der Chef der Sicherheitsfirma berichtet, dass die Kinder wieder beim Vater in Dänemark seien. „Wir waren enttäuscht“, sagte der 35-Jährige, „weil wir eigentlich der Mutter helfen wollten.“ Später habe er erfahren, dass ein Teammitglied auf Zypern festgenommen worden sei. Daraufhin habe er sich selbst einen Anwalt genommen. „Es ist alles ganz anders gelaufen, als ich es mir gedacht habe.“
Der Mann hatte sich gemeinsam mit drei weiteren Beschuldigten aus Israel erst während des laufenden Verfahrens bei den Behörden gemeldet. Für ihre Aussagen wurde ihnen sicheres Geleit zugesichert. Nach jetzigem Stand müssen sie später ebenfalls mit einer Anklage und einem eigenen Prozess rechnen.
Schwere Vorwürfe gegen Christina Block
Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark nach Deutschland bringen zu lassen. Die Kinder waren damals 10 und 13 Jahre alt.
Der Vorwurf gegen die Tochter des „Block House“-Gründers Eugen Block lautet unter anderem auf gemeinschaftliche schwere Entziehung Minderjähriger in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Block weist die Vorwürfe zurück und beteuert ihre Unschuld.
Auch ihr Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (67), ist wegen Beihilfe angeklagt. Er bestreitet ebenfalls strafbares Verhalten. Neben Block und Delling sind fünf weitere Personen angeklagt.
Familienstreit mit langer Vorgeschichte
Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Wenige Wochen später brachte Hensel die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch nicht wie vereinbart nach Hamburg zurück.
Hensel begründete das mit Vorwürfen von Gewalt, die Block entschieden als unwahr zurückweist. Die 52-Jährige ist der Ansicht, ihr Ex-Mann habe die Kinder gegen sie beeinflusst. Nach ihren Angaben hat sie seit Jahren kaum noch Kontakt zu den drei in Dänemark lebenden Kindern. Die zweitälteste Tochter lebt weiterhin bei ihr in Hamburg.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion