Wirtschaft

Commerzbank schlägt Alarm bei Unicredit-Deal

Commerzbank schlägt Alarm: Wer auf Unicredit setzt, kauft Italien-Risiken, faule Kredite und Russland-Altlasten mit.

20.05.2026, 10:32 Uhr

Die Commerzbank rät ihren Aktionären davon ab, ihre Anteile gegen Aktien der Unicredit zu tauschen. Wer an die italienische Großbank verkaufe und dies zudem zu einem aus Sicht der Bank zu niedrigen Preis tue, gehe erhebliche Risiken ein.

Nach Einschätzung von Aufsichtsratschef Jens Weidmann stehen den Plänen der Unicredit hohe Hürden entgegen. Zudem würden Commerzbank-Aktionäre als künftige Anteilseigner der Mailänder Bank auch deren Risiken übernehmen. Auf der Hauptversammlung in Wiesbaden verwies Weidmann unter anderem auf ein größeres Engagement in italienischen Staatsanleihen, eine höhere Quote fauler Kredite sowie auf das weiterhin bedeutende Russland-Geschäft der Unicredit. Das Institut zählt zu den größten noch in Russland aktiven Auslandsbanken.

Angebot für alle Commerzbank-Aktien

Die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank hält, hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien vorgelegt. Konzernchef Andrea Orcel bietet je Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Auf diesem Weg will sich die Bank aus Mailand bis zum 16. Juni weitere Anteile sichern, ohne ein deutlich kostspieligeres Pflichtangebot abgeben zu müssen. Das Angebot kann bis zum 3. Juli verlängert werden.

Nach aktuellen Angaben hat sich die Unicredit inzwischen auch den Kauf weiterer Aktien gesichert und verfügt damit zusammen über 38,87 Prozent der Stimmrechte. Der Bund, der noch etwas mehr als 12 Prozent an der Commerzbank hält, lehnt eine feindliche Übernahme ab. Diese Haltung teilen auch Vorstand, Betriebsrat und Beschäftigte der Bank.

Commerzbank
Schluckt die italienische Unicredit die Commerzbank? (Archivbild) Quelle: Michael Brandt/dpa

Orlopp signalisiert Gesprächsbereitschaft

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisierte bei der Hauptversammlung, das aktuelle Angebot spiegele weder den inneren Wert noch die Perspektiven des Instituts angemessen wider. Die Bank setzt sich mit einem Umbauprogramm gegen das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen zur Wehr. Dazu gehören der Abbau von 3.000 Stellen, ein stärkerer Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie ehrgeizige Gewinn- und Renditeziele bis 2030.

Laut Orlopps Redetext war das Verfahren von Beginn an von öffentlichem Druck und einem zunehmend aggressiven Vorgehen geprägt. Zugleich machte sie deutlich, dass die Commerzbank weiter zu Gesprächen bereit sei – vorausgesetzt, die angesprochenen Punkte würden ernsthaft verhandelt und mit dem klaren Ziel, den Aktionären eine attraktive Prämie zu bieten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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