Wirtschaft

Bahn kürzt bis 2031 Sanierung wichtiger Strecken

Sanierungs-Schock bei der Bahn: Bis 2031 werden viel weniger Strecken erneuert als versprochen – was steckt dahinter?

09.10.2026, 12:49 Uhr

Bahn und Bund wollen in den kommenden fünf Jahren deutlich weniger stark belastete Bahnstrecken grundlegend erneuern als bislang vorgesehen. Bis 2031 sollen nur noch 13 statt 21 Korridore generalsaniert werden, teilten die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium mit. Die übrigen Vorhaben werden nicht gestrichen, sondern auf spätere Jahre verschoben.

Damit ist zugleich offen, wann alle rund 40 geplanten Generalsanierungen abgeschlossen sein werden. Ein früher angepeiltes Ende bis 2036 ist nicht mehr Teil des Fahrplans. Über die Priorisierung der Sanierungen ab 2032 soll erst im kommenden Jahr entschieden werden.

Diese 13 Strecken sollen bis 2031 saniert werden

2027

  • Lehrte–Berlin (bereits angelaufen)
  • Rosenheim–Salzburg
  • Fulda–Hanau

2028

  • Köln–Koblenz
  • München–Rosenheim (1. Etappe)
  • Hagen–Unna–Hamm
  • Lübeck–Hamburg

2029

  • Hamburg–Hannover
  • Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen
  • Aachen–Köln

2030

  • Stendal–Magdeburg
  • Uelzen–Stendal

2031

  • Lehrte–Groß Gleidingen
  • München–Rosenheim (2. Etappe)

Diese bisher vorgesehenen Strecken rutschen nach hinten

Mehrere bereits terminierte Vorhaben sollen nun erst nach 2031 angegangen werden. Wann genau, ist bislang offen. Betroffen sind:

  • Bremen–Bremerhaven (ursprünglich geplant: 9. Juli bis 11. Dezember 2027)
  • Koblenz–Mainz (ursprünglich geplant: 4. Februar bis 7. Juli 2028)
  • Forbach (Moselle)–Ludwigshafen (ursprünglich geplant: 22. Juni bis 8. Dezember 2029)
  • Stuttgart–Ulm (ursprünglich geplant: 11. Januar bis 28. Juni 2030)
  • Frankfurt–Heidelberg (ursprünglich geplant: 28. Juni bis 14. Dezember 2030)
  • Mannheim–Karlsruhe (ursprünglich geplant: 10. Januar bis 27. Juni 2031)
  • Bremen–Hamburg (ursprünglich geplant: 27. Juni bis 13. Dezember 2031)
  • Würzburg–Nürnberg (ursprünglich geplant: 27. Juni bis 13. Dezember 2031)

Wichtig: Auf diesen Strecken sollen dringend notwendige Arbeiten trotz der Verschiebung unabhängig von der Generalsanierung umgesetzt werden.

Was sich bei den Sanierungen ändern soll

Vor allem die Umleitungen sollen bei künftigen Generalsanierungen besser vorbereitet werden. Die Bahn-Tochter InfraGo will Ausweichrouten intensiver ertüchtigen und Bauabläufe enger mit anderen Baustellen im Schienennetz abstimmen. Vor allem Wettbewerber im Güterverkehr hatten wiederholt kritisiert, dass Umleitungen oft unzureichend vorbereitet und kommuniziert worden seien.

Außerdem soll der Betrieb nach Ende der Arbeiten nicht mehr abrupt, sondern schrittweise wieder hochgefahren werden. Hintergrund sind Probleme nach bereits abgeschlossenen Projekten, bei denen es nach der Wiederinbetriebnahme weiter zu Verspätungen und Ausfällen kam.

Neu ist auch, dass sanierte Strecken künftig standardmäßig auf das digitale Zugsicherungssystem ETCS vorbereitet werden sollen. Nach Bahnangaben bedeutet das unter anderem, dass erneuerte Stellwerke ETCS-fähig ausgerüstet, Signalstandorte angepasst und moderne Achszähltechnik verbaut werden. Bislang war das auf vielen Strecken nur abschnittsweise vorgesehen. Für die im kommenden Jahr geplanten Baustarts ändert sich dadurch jedoch noch nichts; diese Vorgabe greift erst später.

Konzept stammt noch aus der Zeit von Wissing und Lutz

Das Konzept der Generalsanierung entstand unter dem früheren Verkehrsminister Volker Wissing und dem damaligen Bahnchef Richard Lutz und wurde im Februar 2023 vorgestellt. Damals war vorgesehen, bis 2031 rund 40 vielbefahrene Strecken über Monate zu sperren und umfassend zu modernisieren.

Die Idee: Nach der Sanierung sollten die Korridore für etwa zehn Jahre möglichst frei von größeren Baustellen bleiben und so weniger störanfällig werden. In der nun vorliegenden Fassung ist dieses Ziel allerdings deutlich vorsichtiger formuliert. Die Strecken sollen demnach „möglichst bis zu zehn Jahre“ weitgehend von größeren baubedingten Einschränkungen verschont bleiben.

Der ursprüngliche Plan sah zeitweise bis zu acht Sanierungen pro Jahr vor. Nach massiver Kritik, insbesondere aus dem Güterverkehr, wurde das Konzept unter der neuen Bundesregierung 2025 erstmals grundlegend angepasst. Seitdem war die Zahl der Maßnahmen auf vier bis fünf pro Jahr begrenzt und der Gesamtplan bis 2036 verlängert worden. Auch dieser Zeitrahmen ist inzwischen wieder aufgehoben.

Probleme auf wichtigen Strecken

Die erste Generalsanierung auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim war 2024 mit großen Erwartungen gestartet. Nach sechs Monaten Bauzeit wurde die Strecke im Dezember desselben Jahres wieder freigegeben.

Schon beim nächsten Großprojekt auf der Strecke Hamburg–Berlin traten jedoch erhebliche Probleme auf. Wegen der Kälte im Januar und Februar konnten Kabelarbeiten im gefrorenen Boden nicht wie geplant erledigt werden. Die Wiedereröffnung verzögerte sich deshalb um rund sechs Wochen. Danach kam es zu deutlichen Verspätungen und Zugausfällen; weitere nächtliche Sperrungen und Umleitungen waren nötig, um Restmängel zu beseitigen.

Kurz darauf meldete die Bahn auch auf der Strecke Nürnberg–Regensburg eine verspätete Wiedereröffnung.

Bahnchefin Palla stellte das Konzept auf den Prüfstand

An der Pünktlichkeit im Gesamtnetz haben die bisherigen Sanierungen bislang wenig geändert. Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger als 60 Prozent der Fernzüge pünktlich unterwegs.

Bahnchefin Evelyn Palla hatte deshalb im Juli angekündigt, das Konzept der Generalsanierungen grundsätzlich zu überprüfen. Sie zeigte sich damals verärgert darüber, dass Fristen nicht eingehalten wurden, Abläufe nicht funktionierten und der eigene Anspruch bei Kosten und Zeitplänen verfehlt worden sei.

Wenige Wochen später wurde der bisherige Zeitplan bis 2036 aufgehoben. Nach Angaben der Bahn werden sich die Sanierungen insgesamt deutlich länger hinziehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen