Hubertz legt 13-Punkte-Plan gegen hohe Baukosten und Wohnraummangel vor
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) will mit einem Maßnahmenpaket aus 13 Punkten die Baukosten in Deutschland senken und so den Wohnungsbau wieder ankurbeln. Vorgestellt wurde der Aktionsplan auf einer Investorenkonferenz der Immobilien- und Finanzbranche in Frankfurt.
Nach Ansicht der Ministerin zählen die stark gestiegenen Kosten zu den wichtigsten Gründen dafür, dass in Deutschland zu wenig gebaut wird. Es gehe inzwischen vielfach nicht mehr nur darum, Neubauten attraktiver zu machen, sondern überhaupt erst deren Umsetzung zu ermöglichen. Hubertz sprach von einem mittlerweile „unsäglichen Niveau“ der Baukosten.
Bauanträge sollen ab 2028 nur noch digital laufen
Ein zentraler Punkt des Konzepts ist die Digitalisierung der Verfahren. Ab 2028 sollen Bauanträge grundsätzlich nur noch digital eingereicht werden können. Papierunterlagen wären dann nur noch in begründeten Härtefällen zulässig. Ziel ist ein vollständig digitaler Ablauf vom Antrag bis zur Genehmigung.
Außerdem sollen die staatlichen Förderangebote für Bauherren einfacher und transparenter werden. Geplant ist, die Neubauförderung ab 2027 in einem einzigen Programm zu bündeln. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Bildung von Wohneigentum für Familien liegen.
Auch die Planungsprozesse selbst sollen schneller werden. Mit standardisierten Datenmodellen will das Ministerium Abläufe beschleunigen und erreichen, dass Bauleitplanverfahren künftig höchstens zwei Jahre dauern. Bislang ziehen sich solche Verfahren teils bis zu 15 Jahre hin.
Wohnungsbau bleibt auf niedrigem Niveau
Der Wohnungsneubau steckt in Deutschland seit Jahren in einer Krise. Hauptgründe sind hohe Baupreise und gestiegene Finanzierungskosten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2025 nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das sind gut 45.000 weniger als im Vorjahr und zugleich so wenige wie seit 2012 nicht mehr.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft vor allem in Städten den Druck auf die Mieten. Fachleute rechnen auch in diesem Jahr nur mit einer langsamen Erholung. Zwar ist die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt deutlich gestiegen, doch die Rückgänge der vergangenen Jahre wirken weiter nach.
Hinzu kommen neue Belastungen: Der Krieg im Iran verteuert Baumaterialien wie Bitumen, Stahl und Dämmstoffe und treibt zugleich die Energiekosten nach oben. Bauunternehmen geben diese Preissteigerungen an Kunden weiter. Zudem sind die Kreditzinsen zuletzt wegen Inflationssorgen gestiegen. Das erschwert privaten Bauherren die Finanzierung und führt dazu, dass Investoren Projekte auf Eis legen.
Mehr serielles und modulares Bauen geplant
Hubertz setzt außerdem auf stärker standardisierte Bauweisen. In der Neubauförderung soll ein Bonussystem eingeführt werden, das kürzere Bauzeiten und niedrigere Kosten belohnt. Wer schneller baut – ob privater Bauherr oder Investor – soll damit mehr Förderung erhalten.
Damit will die Ministerin Anreize für serielles und modulares Bauen mit vorgefertigten Bauteilen schaffen. Sie kritisierte, dass in Deutschland noch häufig teuer und konventionell Stein auf Stein gebaut werde. Dagegen gewinne das serielle und modulare Bauen zunehmend an Bedeutung. Nach ihren Worten könnten künftig sogar ganze Wohnviertel in Fabriken vorgefertigt werden.
Allerdings gibt es in der Branche weiterhin Vorbehalte gegenüber dem Bauen mit vorgefertigten Elementen. Kritiker befürchten neue Plattenbauten. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der ebenfalls in Frankfurt für Investitionen warb, werden bisher nur rund zehn Prozent der Gebäude in Deutschland mit vorgefertigten Bauteilen errichtet.
Lob und Kritik aus der Baubranche
Aus der Bauwirtschaft kam sowohl Zustimmung als auch Kritik. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), erklärte, viele Vorschläge des Aktionsplans gingen in die richtige Richtung. Zugleich verlangte er mehr Tempo und mehr Ehrgeiz bei der Umsetzung.
Kritisch sieht die Branche unter anderem den seriellen Wohnungsbau in dicht bebauten Innenstädten. Für Verdichtung und Aufstockung sei diese Bauweise oft nicht geeignet und derzeit auch nicht unbedingt günstiger. Auch bei der von Hubertz geplanten Verlängerung steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten sei zwar die Richtung richtig, Details zur Ausgestaltung fehlten aber noch.
Auch bereits bekannte Vorhaben Teil des Plans
Zum Maßnahmenpaket gehören auch schon zuvor angekündigte Projekte. Dazu zählt der sogenannte Gebäudetyp E, der es erleichtern soll, rechtssicher von bestehenden Standards und technischen Vorgaben abzuweichen, etwa beim Bau von Tiefgaragen.
Aus der Bau- und Immobilienbranche kommt allerdings Kritik, dass die Umsetzung dieses Vorhabens zu lange dauere. Pakleppa warf der Politik vor, beim Gebäudetyp E bereits mehr als ein Jahr in dieser Legislaturperiode verloren zu haben. Hubertz betonte, ein entsprechender Gesetzentwurf solle noch in diesem Jahr vom Bundesjustizministerium vorgelegt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion