Wirtschaft

100 Euro weg? Post warnt vor fieser Nachsende-Falle

Achtung Abzocke bei Nachsendungen: Wer googelt, landet oft ganz oben bei teuren Anbietern – Verbraucherschützer schlagen Alarm.

21.05.2026, 05:15 Uhr

Deutsche Post und Verbraucherschützer warnen vor teuren Nachsendeportalen

Wer wegen eines Umzugs oder einer längeren Abwesenheit einen Nachsendeauftrag benötigt, sollte genau hinschauen. Die Deutsche Post und Verbraucherschützer machen auf überhöhte Preise bei externen Online-Anbietern aufmerksam. Nach Angaben des Unternehmens landen jedes Jahr rund 350.000 Nachsendeaufträge bei solchen Drittportalen.

Während ein Nachsendeauftrag für sechs Monate bei der Deutschen Post online 32 Euro kostet, verlangen viele dieser Anbieter etwa 130 Euro. Aus Sicht der Post besteht der Mehrpreis vor allem darin, dass die Portale den Auftrag lediglich an sie weiterleiten und dafür rund 100 Euro zusätzlich kassieren. Einen nennenswerten Zusatzservice gebe es dabei nicht.

Die eigentliche Weiterleitung der Briefe übernimmt ohnehin die Deutsche Post. Ihre Systeme erkennen, dass die Empfängerin oder der Empfänger nicht mehr an der alten Anschrift wohnt, versehen die Sendung mit der neuen Adresse und schicken sie an den neuen Wohnort weiter. Weil sie dazu gesetzlich verpflichtet ist, muss die Post auch Anträge akzeptieren, die über Drittanbieter eingehen. Der Großteil der Nachsendeaufträge werde zwar direkt gestellt, aber etwa jeder fünfte online eingereichte Antrag komme inzwischen über solche Vermittler.

Kritik an Aufmachung vieler Websites

Die Deutsche Post betont, dass sie abgesehen von der gesetzlichen Annahmepflicht keine geschäftliche Verbindung zu diesen Firmen habe. Kritisiert wird vor allem die Gestaltung vieler Internetseiten: Gelbe Farben, Briefkastensymbole und Formulierungen ließen auf den ersten Blick oft vermuten, dass es sich um ein Angebot der Post oder eines verbundenen Unternehmens handle.

Briefkasten
Ist was drin im Briefkasten – etwa Briefe, die mir von der alten Adresse nachgesendet wurden? Quelle: Sven Hoppe/dpa

Nach Angaben des Konzerns geht man rechtlich gegen Anbieter vor, wenn sie gegen Markenrecht, Wettbewerbsrecht oder andere Vorgaben verstoßen. Dabei habe es jedoch auch Niederlagen vor Gericht gegeben.

Mit der nun veröffentlichten Zahl zu den Drittanbieter-Anträgen will die Post nach eigener Darstellung mehr Öffentlichkeit schaffen, um überteuerte Vermittlungsangebote einzudämmen. Hintergrund seien auch wiederkehrende Beschwerden über hohe Preise, obwohl diese nicht von der Post selbst festgelegt würden.

Finanziell mache es für die Deutsche Post keinen Unterschied, ob Kundinnen und Kunden direkt bei ihr oder bei einem Vermittler bestellen. Das Geld erhalte sie in jedem Fall – entweder unmittelbar von den Verbraucherinnen und Verbrauchern oder über den Drittanbieter.

Drittanbieter verweisen auf zusätzliche Leistungen

Auf Anfragen der Deutschen Presse-Agentur reagierten einige kritisierte Websites zunächst nicht. Die Berliner Firma DPO Postservice, Betreiberin von nachsendeauftrag-service.de, wies den Vorwurf der Preisfalle nicht ausdrücklich zurück, erklärte aber, man leite Nachsendeaufträge nicht nur an die Deutsche Post, sondern auch an andere Postdienstleister weiter. Alle Preise und Leistungen würden im Bestellprozess transparent angezeigt und vor Abschluss bestätigt.

Tatsächlich gibt es in Deutschland neben der Deutschen Post weitere Briefdienste, etwa Xendis in Nordrhein-Westfalen oder die Pin AG in Berlin. Laut Bundesnetzagentur entfallen dennoch rund 85 Prozent des Briefmarkts auf die Deutsche Post, während die übrigen Anbieter zusammen auf etwa 15 Prozent kommen.

Ob die Weitergabe der Adressänderung an andere Zusteller den hohen Aufpreis rechtfertigt, weist die Deutsche Post zurück. Nach ihren Angaben können Kundinnen und Kunden auch direkt bei ihr zustimmen, dass die neue Adresse weiteren Postdienstleistern zur Verfügung gestellt wird.

Zudem werben einige Vermittlungsseiten damit, dass man sich den Gang in eine Filiale spare. Nicht erwähnt werde dabei häufig, dass der Nachsendeauftrag auch direkt auf der Website der Deutschen Post online gestellt werden kann.

Verbraucherschützer sprechen von irreführenden Angeboten

Der Verbraucherzentrale Bundesverband bezeichnet solche Portale als „Fake-Dienstleistungen“ und geht juristisch gegen sie vor. Nach Einschätzung der Verbraucherschützer vermitteln manche Seiten einen falschen Eindruck oder verschweigen wichtige Informationen. Problematisch sei auch, dass diese Angebote in Suchmaschinen oft weit oben erscheinen.

Derzeit führt der Verband nach eigenen Angaben ein Verfahren gegen ein Unternehmen aus Dubai. Dessen deutschsprachige Website sei inzwischen stark reduziert und biete keine Bestellfunktion mehr an. Zuvor habe die Seite den Eindruck erweckt, ein Angebot der Deutschen Post zu sein, ohne klar genug auf ihre reine Vermittlerrolle hinzuweisen. Auch die Verbraucherzentrale NRW klagte gegen einen anderen Betreiber auf Unterlassung; dessen Website ist inzwischen nicht mehr erreichbar.

Politik mahnt zur Vorsicht

Auch in der Politik ist das Thema angekommen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, erklärte, bei Nachsendeaufträgen sei besondere Aufmerksamkeit nötig. Es sei sinnvoll, dass sowohl Verbraucherschützer als auch die Deutsche Post über die Problematik informierten, weil das Betroffenen helfen könne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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