Das bislang in vielen Regionen ruhige Hochdruckwetter ist vorerst vorbei. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) stellt sich die Wetterlage grundlegend um: Tiefdruckgebiete übernehmen wieder die Regie und beenden damit die erste Hitzewelle des Jahres. Meteorologe Markus Übel warnt vor den ersten größeren Gewittertagen, an denen örtlich auch unwetterartige Entwicklungen möglich sind.
Bereits am Freitagabend amtliche Unwetterwarnungen im Westen
Seit dem Nachmittag ziehen von Westen her kräftige Gewitter auf. Der DWD hat am frühen Abend für Gebiete im Südwesten Niedersachsens und im Norden Nordrhein-Westfalens amtliche Unwetterwarnungen herausgegeben. Es handelt sich um Warnungen der Stufe 3 von 4.
In Nordrhein-Westfalen gelten die Warnungen unter anderem für Teile des Münsterlandes, die Städte Münster, Dortmund und Hamm sowie für Teile Ostwestfalens mit Bielefeld, Minden und Herford. In Niedersachsen ist vor allem der Landkreis Osnabrück betroffen. Zwischenzeitliche Warnungen etwa für die Grafschaft Bentheim und das südliche Emsland wurden bereits wieder aufgehoben.
Unwetterfront sorgt in NRW für zahlreiche Schäden
Eine Unwetterfront mit Gewittern und kräftigem Regen ist am Freitagabend über Teile Nordrhein-Westfalens gezogen. Dabei stürzten Bäume um, Keller liefen voll und Straßen wurden überflutet. Mehrere Städte meldeten zahlreiche Feuerwehreinsätze.
Münster: Mehr als 120 Einsätze in zwei Stunden
Besonders betroffen war Münster. Dort verzeichnete die Feuerwehr innerhalb von zwei Stunden mehr als 120 Einsätze. Ein Sprecher sprach von „Vollalarm“. Viele Keller liefen voll, auf Straßen lagen umgestürzte Bäume.
Zudem mussten zwei Ruderer aus der Werse gerettet werden. Sie waren nach Feuerwehrangaben von dem Unwetter überrascht worden und hielten sich in Ufernähe an einem Baum fest. Außerdem wurde laut WDR ein Open-Air-Konzert nahe der Halle Münsterland abgebrochen.
Witten: Autofahrer von Fahrzeugdach gerettet
In Witten blieb ein Autofahrer beim Versuch, eine überflutete Straße zu durchfahren, mit seinem Wagen im Wasser stecken. Er rettete sich auf das Dach des Fahrzeugs und wurde von der Feuerwehr unverletzt geborgen. Die Einsatzkräfte waren dort auch wegen abgeknickter Bäume sowie Wasser auf Straßen und in Gebäuden im Einsatz.
Kreis Warendorf: Blitzschlag und überlastete Leitstelle
Auch im Kreis Warendorf sorgte das Unwetter für zahlreiche Einsätze. Dort stürzten ebenfalls Bäume um, Keller liefen voll. In der Stadt Warendorf gab es nach Feuerwehrangaben am Abend rund 20 Einsätze, darunter auch nach einem Blitzeinschlag in ein ländliches Anwesen. Die Leitstelle im Kreis war zeitweise von Notrufen überlastet, weitere Einsätze wurden erwartet.
Kreis Soest: 350 Einsatzkräfte unterwegs
Im Kreis Soest waren am Abend nach Feuerwehrangaben rund 350 Einsatzkräfte im Einsatz. Der Schwerpunkt lag im nördlichen Kreisgebiet, besonders in Lippstadt mit etwa 50 unwetterbedingten Einsätzen. Die Bahnlinien Soest–Dortmund, Soest–Hamm und Soest–Lippstadt wurden wegen des Unwetters gesperrt. Eine Einsatzkraft verletzte sich an der Hand.
Bahnverkehr in NRW teils ausgebremst
Auch der Zugverkehr ist von der Gewitterfront betroffen. Nach Angaben der Bahn kam es auf mehreren Strecken in Nordrhein-Westfalen zu Beeinträchtigungen und Sperrungen, häufig lagen Bäume auf den Gleisen. In Münster musste die Feuerwehr zudem einen entwurzelten Baum aus einer Bahnoberleitung entfernen, die Strecke wurde dafür zeitweise gesperrt.
Einige Fernzüge wurden aus Sicherheitsgründen an Bahnhöfen zurückgehalten und sollten ihre Fahrt erst nach Durchzug der Gewitterfront fortsetzen. Betroffen waren demnach unter anderem Fernverkehrsverbindungen auf der Strecke Münster–Osnabrück–Bremen, von Osnabrück in die Niederlande sowie vom Ruhrgebiet nach Hannover.
Laut Zuginfo.NRW wurde zudem der Betrieb der Linie RE 6 (RRX) zwischen Hamm und Minden eingestellt. Auch auf weiteren Strecken, etwa zwischen Hagen und Gevelsberg, Lippstadt und Hofgeismar sowie im Raum Münster, fuhren zeitweise keine Züge mehr.
Unwetter auch über Klimacamp in Dortmund
Über dem Bereich eines Klimacamps in Dortmund zog ebenfalls ein schweres Gewitter auf. Zum Schutz der Teilnehmenden organisierten Feuerwehr und die Stadt Hamm nach Polizeiangaben einen Bustransfer in eine Turnhalle.
Diese Gefahren drohen laut DWD
Mit den Gewittern sind teils erhebliche Begleiterscheinungen möglich. Der Wetterdienst warnt vor:
- heftigem Starkregen mit rund 30 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde
- Hagel mit Korngrößen um 2 Zentimeter
- orkanartigen Böen bis 105 Kilometer pro Stunde
- Blitzschlag
- raschen Überflutungen von Straßen und Kellern
- verbreitet umstürzenden Bäumen und herabfallenden Ästen
Solche heftigen Entwicklungen werden zwar nicht überall erwartet, können lokal aber gefährlich ausfallen. Vor allem lose Gegenstände im Freien sollten gesichert werden.
Gewitter ziehen in der Nacht weiter Richtung Mitte und Osten
Am Abend und in der Nacht verlagert sich das Gewitterband den Prognosen zufolge weiter in die Landesmitte und in den Osten Deutschlands. Dabei schwächen sich die Gewitter allmählich ab.
Am Samstag unterschiedliche Wetterlagen je nach Region
Für Samstag erwartet der DWD weiterhin eine klar gegliederte Wettersituation mit drei unterschiedlichen Bereichen:
- Von der Eifel über Hessen und Südthüringen bis in die ostbayerischen Mittelgebirge entwickeln sich im Tagesverlauf Schauer und teils kräftige Gewitter. Die Gefahr schwerer Sturmböen ist dort geringer als zuvor im Westen, dafür kann es punktuell zu heftigem Starkregen kommen.
- Im Süden zeigt sich das Wetter zunächst freundlicher. Dort treten am Nachmittag nur vereinzelt Gewitter auf. Gleichzeitig wird es mit Höchstwerten zwischen 28 und 33 Grad am wärmsten.
- Im Norden setzt sich bereits kühlere und trockenere Luft durch. Neben lockeren Quellwolken scheint dort häufiger die Sonne. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 25 Grad, Schauer bleiben eher die Ausnahme.
Auch der Sonntag bringt neue Gewitter
Am Sonntag folgt laut DWD bereits der nächste Gewittertag. Schon am Morgen können im Westen erste Schauer und Gewitter auftreten. Im weiteren Tagesverlauf breiten sich diese auf die Mitte und den gesamten Süden Deutschlands aus.
In der schwülwarmen Luft drohen dabei erneut kräftige Regenfälle. Örtlich sind Überschwemmungen und vollgelaufene Keller nicht ausgeschlossen. Zusätzlich können die Gewitter von Hagel und Sturmböen begleitet werden. Im Westen soll sich die Wetterlage am Nachmittag und Abend dann allmählich wieder beruhigen.
Temperaturen vor den Gewittern noch einmal hoch
Vor allem in der schwülwarmen Luft vor den Gewittern steigen die Temperaturen laut DWD noch einmal auf 25 bis 30 Grad. Im Norden bleibt es dagegen ruhiger, freundlicher und weniger warm. Dort werden 19 bis 25 Grad erwartet, dazu häufiger Sonnenschein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber