Eine schwere Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat zahlreiche Menschen getötet und massive Zerstörungen verursacht. Nach jüngsten Angaben der nepalesischen Polizei auf X kamen in Nepal inzwischen mindestens 157 Menschen ums Leben. Aus China wurden bislang mindestens drei Todesopfer gemeldet.
Zugleich werden weiterhin Hunderte Menschen vermisst. Nach Angaben der nepalesischen Regierung gibt es keinen Kontakt mehr zu 391 ausländischen Touristen und 93 nepalesischen Reisenden. Außerdem gelten 44 Angehörige der Armee und 31 Polizisten als unauffindbar. Das Nepal Tourism Board hatte zuvor mitgeteilt, dass der Großteil der vermissten Reisenden aus dem Nachbarland Indien stamme. Die Angaben beruhen demnach auf vorläufigen Meldungen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren in das betroffene Gebiet organisiert hatten.
Katastrophengebiete für drei Monate ausgerufen
Die Regierung in Kathmandu hat die betroffenen Regionen per Kabinettsbeschluss für drei Monate zu Katastrophengebieten erklärt. Nach offiziellen Angaben sollen alle erforderlichen Mittel für Rettung und Hilfe mobilisiert werden, darunter auch Hubschrauber der Armee und privater Anbieter. Familien, die ihre Häuser verlassen mussten, sollen Unterkünfte und Verpflegung erhalten. Zudem kündigte die Regierung eine kostenlose medizinische Versorgung für Verletzte an.
Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den örtlichen Behörden in engem Kontakt stehe. Nach aktuellem Stand habe das Ministerium keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen.
Große Zerstörungen entlang des Bhotekoshi
Medienberichten zufolge, darunter von The Kathmandu Post, richteten Wasser- und Schlammmassen schwere Schäden entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im tibetischen Hochland entspringt und durch die nepalesische Provinz Bagmati fließt. Betroffen waren Ortschaften und Infrastruktur in der Gebirgsregion.
Fernsehbilder aus Nepal und Videos in sozialen Netzwerken zeigten zerstörte Häuser, beschädigte Wasserkraftanlagen, weggerissene Straßen und Brücken sowie überflutete Dörfer.
Ursache weiter unter Untersuchung
Was die Flutwelle genau ausgelöst hat, wird weiterhin untersucht. Nach ersten Analysen von Satellitenbildern vermutet die nepalesische Katastrophenschutzbehörde jedoch, dass eine Gletscherlawine auf der chinesischen Seite zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben könnte. Laut einem Bericht von The Kathmandu Post bildete sich dadurch vorübergehend ein See, der anschließend über die Ufer trat. Danach sei eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll flussabwärts durch den Himalaya-Staat gerast.
USGS: Erschütterungen wohl durch Erdrutsch und Schuttfluss
Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien am Morgen zunächst Erschütterungen der Stärke 5,2 registriert worden. Anfangs sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Weitere Analysen deuteten jedoch darauf hin, dass die seismische Energie durch einen Gletscherabbruch und einen Schuttfluss ausgelöst worden sei.
Auch Anwohner schilderten die ersten Momente wie ein Beben. Der Leiter des Hauptzollamts in Rasuwa, Rajendra Dhugana, sagte laut The Kathmandu Post, er habe zunächst geglaubt, es habe ein Erdbeben gegeben. Tatsächlich habe sich jedoch eine fast 100 Meter hohe Flutwelle aufgebaut und den Markt innerhalb weniger Sekunden weggerissen.
Vereinte Nationen sagen Hilfe zu
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich nach Angaben eines Sprechers betroffen und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen wollen die von der Regierung geleiteten Rettungsmaßnahmen unterstützen und dafür Hilfsgüter und Helfer bereitstellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber