Der britische Schauspieler und Sänger Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Mehrere Medien berichten übereinstimmend darüber und berufen sich auf seine Managerin.
Weltweit berühmt wurde Curry vor allem durch seine Rolle in der „Rocky Horror Show“ und später in der „Rocky Horror Picture Show“. Als exzentrischer Wissenschaftler Frank N. Furter prägte er eine Figur, die Film- und Musicalgeschichte schrieb. Als er 1973 in Strapsen, Stöckelschuhen und mit auffälligem Make-up auf der Bühne stand, galt das im konservativen Großbritannien als Provokation. Das sexuell aufgeladene Stück von Richard O’Brien wurde dennoch zum Welterfolg – und Curry spätestens mit der Verfilmung zur Ikone, auch in der queeren Szene.
Die Rolle seines Lebens
Geboren wurde Curry 1946 als Timothy James Curry in der Grafschaft Cheshire. Wegen der Militärkarriere seines früh verstorbenen Vaters verbrachte er Teile seiner Kindheit auch in Hongkong. Später studierte er Schauspiel an der Universität Birmingham.
Schon vor seinem Durchbruch sammelte er Bühnenerfahrung, unter anderem bei der Royal Shakespeare Company und in kleineren Fernsehrollen. Erste Aufmerksamkeit bekam er im Musical „Hair“. Der Legende nach saß seine Mutter dort bereits beschämt im Publikum, als er in einer frühen Rolle nackt auf der Bühne tanzte. Danach holte ihn sein „Hair“-Kollege Richard O’Brien für die Hauptrolle in seiner neuen Show.
Am 16. Juni 1973 verkörperte Curry Frank N. Furter erstmals auf der Bühne. Die Uraufführung der „Rocky Horror Show“ fand zunächst nur vor 85 Zuschauern statt. Nach einem zähen Start sprach sich das Stück jedoch herum, das kleine Theater wurde bald zu eng, und Curry sang wenig später auch in der Kinoverfilmung „Sweet Transvestite“. Mit seinem dämonischen Grinsen und seiner markanten Singstimme wurde er weltbekannt.
Dem Starruhm selbst stand Curry eher distanziert gegenüber. Berichten zufolge sagte er einmal, er genieße das nicht besonders, spiele aber eben mit.
Oft als Bösewicht besetzt
Auch jenseits von „Rocky Horror“ blieb Curry gefragt. In mehr als 30 Filmen war er zu sehen, oft in düsteren, exzentrischen oder schillernden Rollen. Zu seinen bekanntesten Auftritten zählen der mörderische Clown Pennywise in Stephen Kings „Es“, Kardinal Richelieu in „Die drei Musketiere“ sowie der hinterlistige Hotel-Portier in „Kevin – Allein in New York“.
Ab den 1980er Jahren nahm seine Filmkarriere in Hollywood Fahrt auf. Er spielte unter anderem in „Annie“, in der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“ sowie 1985 in Ridley Scotts „Legende“ an der Seite von Tom Cruise. Dort verkörperte er den Herrn der Finsternis in einem aufwendigen Teufelskostüm – eine Rolle, in der er kaum wiederzuerkennen war. Der Film war anfangs kein großer Erfolg, entwickelte später aber Kultstatus.
Ende der 1980er Jahre zog Curry in die USA, nach Los Angeles. In den 1990er Jahren stand er deutlich häufiger vor der Kamera, unter anderem auch in „Jagd auf Roter Oktober“. Besonders gern erinnerte er sich Berichten zufolge an seine Arbeit in „Muppets – Die Schatzinsel“.
Erfolge auf Bühne und als Musiker
Auf der Theaterbühne feierte Curry ebenfalls große Erfolge. Am Broadway und im Londoner West End galt er als feste Größe. Er spielte unter anderem in Brechts „Dreigroschenoper“, in „A Christmas Carol“ und in „Spamalot“. Für seine Darstellung von Wolfgang Amadeus Mozart in der Broadway-Version von „Amadeus“ wurde er für einen Tony Award als bester Hauptdarsteller nominiert.
Neben der Schauspielerei versuchte er sich auch als Popmusiker. Schon als Kind sang er in der Kirche, und spätestens „Rocky Horror“ bewies, wie markant seine Stimme war. Der Soundtrack der Verfilmung verkaufte sich millionenfach. Seine Soloalben „Read My Lips“ (1978), „Fearless“ (1979) und „Simplicity“ (1981) sorgten zwar für Aufmerksamkeit, wurden aber keine großen kommerziellen Erfolge. Die Single „I Do The Rock“, die er mit dem Filmkomponisten Michael Kamen schrieb, schaffte es immerhin in die US-Charts.
Späte Karriere als Sprecher
Später konzentrierte sich Curry zunehmend auf Sprechrollen. Zahlreichen Figuren in Zeichentrickserien, Kindersendungen und Videospielen lieh er seine markante Stimme und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Außerdem sprach er Hörbücher ein.
Leben nach dem Schlaganfall
2012 erlitt Curry in seinem Haus in Los Angeles einen Schlaganfall. Er war damals 67 Jahre alt. Danach war er teilweise gelähmt, saß im Rollstuhl und zog sich zeitweise aus der Öffentlichkeit zurück. Seinen Humor verlor er aber nicht. Noch später scherzte er in einem Interview, am Tag vor dem Schlaganfall habe er drei Schachteln Zigaretten geraucht – das werde er nicht wieder tun.
Ganz aufhören wollte er jedoch nie. Er arbeitete weiter als Sprecher. Bei der TV-Neuverfilmung der „Rocky Horror Picture Show“ im Jahr 2016 war er als Erzähler beteiligt. Auf Conventions und Festivals begeisterte er seine Fans zudem immer wieder mit Geschichten aus seinem Leben.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte Curry außerdem seine Autobiografie „Vagabond“, die er selbst auch als Hörbuch einsprach.
Privatleben
Laut seiner Website war Tim Curry nie verheiratet und hatte keine Kinder. Über sein Privatleben ist nur wenig bekannt. In „Vagabond“ machte er deutlich, warum er daran festhielt: Liebes- und Bettgeschichten gingen die Öffentlichkeit nichts an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber