Ein Geburtstagsgeschenk für Udo Lindenberg mit vielen Facetten
Dieses Tribute-Album erinnert an eine besonders gelungene Sonderausgabe von „Sing meinen Song“ ganz im Zeichen von Udo Lindenberg. Im Studio trafen dafür Musikerinnen und Musiker aus sehr unterschiedlichen Stilrichtungen und Generationen zusammen. Mit dabei sind unter anderem Filmmusik-Star Hans Zimmer, das Countryrock-Duo The BossHoss, Punkrockerin Deine Cousine, Sängerin Lara Hulo und Reggae-Künstler Gentleman. Gerade diese stilistische Vielfalt verleiht „We love Udo“ seinen besonderen Reiz.
Anlass für das Album ist Lindenbergs runder Geburtstag: Mitte Mai wird der Panikrocker 80 Jahre alt. Initiiert wurde das Projekt von seiner langjährigen Managerin und engen Vertrauten Rita Flügge-Timm. Sie versammelte 24 Künstlerinnen und Künstler, die sich aus Udos riesigem Repertoire mit rund 600 Songs jeweils passende Stücke aussuchen konnten.
Rückblick auf eine außergewöhnliche Karriere
Seit über sechs Jahrzehnten steht Udo Lindenberg für Musik made in Germany. Sein Debütalbum erschien 1971 noch in englischer Sprache, danach folgten 40 Studioalben. Bemerkenswert: Sein erstes Nummer-eins-Album gelang ihm erst mit 61 Jahren mit „Stark wie Zwei“. Noch später kam der erste Nummer-eins-Hit: „Komet“, aufgenommen mit Apache 207, brachte ihn mit 76 Jahren an die Chartspitze – und zwar länger als je zuvor ein deutscher Song in den Single-Charts.
Das Tribute-Album schlägt einen Bogen über genau diese lange Laufbahn. Es vereint bekannte Klassiker mit Liedern, die heute weniger präsent sind.

Wer interpretiert welchen Song?
Hans Zimmer nimmt sich „Komet“ vor und verwandelt das Stück mit großem Orchester und viel filmischer Dramatik in ein eindrucksvolles Klanggemälde.
Rapperin Céline gestaltet „Plan B“ inhaltlich neu und erzählt den Song stellenweise aus weiblicher Perspektive. Jan Delay gibt „Er wollte nach London“ noch mehr Soul, Funk und Groove.
Max Giesinger verleiht „Ich lieb‘ dich überhaupt nicht mehr“ mehr Tempo und einen markanten Gitarrenpop-Anstrich. Alli Neumann macht aus „Ein Herz kann man nicht reparieren“ eine deutlich rauere und lautere Version.
Tokio Hotel wagen sich mit „Na und?!“ an ein zentrales Lindenberg-Stück aus dem Jahr 1976, das von Liebe und Freiheit jenseits klassischer Geschlechterbilder erzählt. Besonders spannend dabei: Bill Kaulitz singt wieder auf Deutsch.
Ina Müller liefert mit „Bis ans Ende der Welt“ eine stimmungsvolle Chanson-Version mit Saxofon. Swiss und die Andern verpassen „Mein Ding“ ein wildes Ska-Rock-Gewand.
The BossHoss versetzen die „Reeperbahn“ musikalisch kurzerhand in den Wilden Westen. Gentleman bringt seinen entspannten Reggae-Sound in „Eldorado“ ein.
Elif interpretiert „Cello“ sehr emotional und melodramatisch. Johannes Oerding setzt bei „Wenn du durchhängst“ auf eine ruhige, warme Atmosphäre.
Mit ihrer tiefen Stimme passt Lara Hulo hervorragend zu „Was hat die Zeit mit uns gemacht“. Den wohl bedeutendsten Lindenberg-Song, „Wozu sind Kriege da?“, übernehmen Peter Maffay und Anouk.
Thomas D bringt lässigen Sprechgesang in den „Sonderzug nach Pankow“. Zoe Wees greift mit „Good Life City“ einen der wenigen englischsprachigen Udo-Songs auf und macht daraus eine entspannte, moderne Version.
Viel Energie stecken Sammy Amara von den Broilers und Deine Cousine in „Horizont“. Michael Schulte hat sich für „Niemals dran gezweifelt“ entschieden.
Den Abschluss bildet „Durch die schweren Zeiten“ in einer kraftvollen deutsch-englischen Violinenversion von Stefanie Heinzmann und dem Takeover Ensemble.
Wie wirkt das Album insgesamt?
Beim Hören wird schnell klar, dass die beteiligten Künstler die Aufgabe mit großer Lust angenommen haben. Fast alle setzen den Songs ihre eigene Handschrift auf und machen daraus sehr persönliche Interpretationen. Teilweise gehen die Bearbeitungen sogar so weit, dass Hörer ohne Lindenberg-Kenntnisse manche Stücke kaum noch sofort mit ihm verbinden würden.
Max Giesinger brachte diesen Effekt sinngemäß auf den Punkt: Seine Version und das Original seien so natürlich zusammengewachsen, dass man meinen könnte, das Lied stamme ursprünglich von ihm selbst – nur eben mit besseren Texten.
Auch Alli Neumann betonte, wie anspruchsvoll es sei, einen Song zu covern, den man selbst schätzt. Bill Kaulitz sagte dazu, die größte Schwierigkeit bestehe oft darin, dass das Original meistens unschlagbar sei.
Trotzdem gelingt es dem Album, viele der alten Stücke in frische Ohrwürmer zu verwandeln. Ältere Hörer können dabei neue, starke Stimmen entdecken. Jüngere wiederum dürften überrascht sein, wie zeitlos, klug und lässig viele Texte von Udo Lindenberg bis heute klingen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion