Studie: Niederländisches Königshaus profitierte massiv vom Kolonialismus
Eine neue historische Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass das niederländische Königshaus über Jahrhunderte hinweg eine tragende Rolle im Kolonialismus spielte und daraus erhebliche finanzielle Vorteile zog. Demnach stellte sich das Haus Oranien-Nassau auch klar hinter die Sklaverei.
Die umfangreiche Studie wurde in Leiden in Anwesenheit von König Willem-Alexander vorgestellt. Den Auftrag für die Untersuchung hatte der Monarch selbst erteilt.
Nach Angaben der Historiker gab es bei den Fürsten aus dem Hause Oranien bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kaum Zweifel oder Kritik am kolonialen System. Koloniale Kriege und das gewaltsame Niederschlagen von Aufständen seien von ihnen als notwendig und gerecht angesehen worden. Auch gegen Menschenhandel und Sklaverei habe es aus dem Königshaus keinen Widerstand gegeben, erklärte der leitende Historiker Gert Oostindie.
Einnahmen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro
Der Studie zufolge verdienten die Oranier, auf heutige Werte umgerechnet, fast 576 Millionen Euro am Kolonialismus. Ein großer Teil dieser Gewinne stammte aus der früheren Kolonie Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien. Am eigentlichen Sklavenhandel sollen die Monarchen zwar nur wenig verdient haben. Allerdings hätten sie diesen unterstützt und auch Geld investiert – jedoch ohne größeren Erfolg.
Erst unter Königin Juliana, die von 1948 bis 1980 regierte und die Großmutter des heutigen Königs war, setzte allmählich ein Umdenken ein. 1949 erkannten die Niederlande schließlich die Souveränität Indonesiens an.
Bereits 2023 hatte Willem-Alexander im Namen des Königreichs um Entschuldigung für die Versklavung Tausender Menschen gebeten. Zum 150. Jahrestag der Abschaffung der Sklaverei bat er zudem um Vergebung dafür, dass seine Vorfahren dem unmenschlichen System nichts entgegengesetzt hatten.
König spricht von erschütternden Ergebnissen
Willem-Alexander bezeichnete die Resultate der Untersuchung als "erschütternd und konfrontierend". Zugleich betonte er, wie wichtig ein ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit sei. Nur wenn anerkannt werde, was geschehen sei, könne ein weiterer Schritt nach vorn gelingen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber