Wim Wenders weist Kritik an Berlinale-Aussagen zurück
Regisseur Wim Wenders hat seine bei der Berlinale heftig diskutierten Äußerungen verteidigt und den Vorwurf zurückgewiesen, er vertrete eine unpolitische Haltung. Am Rande der Filmfestspiele in Venedig erklärte der 81-Jährige, seine Worte seien damals missverständlich und verkürzt wiedergegeben worden.
Wenders sagte, er könne seine damalige Aussage heute genauso wiederholen — sogar noch klarer. Filmemacher seien aus seiner Sicht das Gegenteil von Politikern, weil ihre Arbeit von Empathie geprägt sei. Politik hingegen funktioniere ohne Empathie. Genau darin liege der grundlegende Unterschied im Denken und Handeln.
Debatte nach Aussage zum Gaza-Krieg bei der Berlinale
Auslöser der Kontroverse war eine Antwort Wenders‘ auf der Pressekonferenz der Berlinale-Jury zu einer Frage über den Gaza-Krieg. Damals hatte er sinngemäß erklärt, Filmschaffende sollten sich nicht auf das Feld der Politik begeben. Wenn Filme ausschließlich politisch motiviert seien, würden sie die Rolle von Politik übernehmen. Künstler dagegen müssten die Aufgabe der Menschen erfüllen, nicht die der Politiker.
Diese Aussage verbreitete sich in sozialen Netzwerken in verkürzter Form und löste eine breite Debatte über den Krieg in Gaza sowie über die politische Verantwortung von Filmschaffenden aus. Die Diskussionen prägten die Berlinale über Tage hinweg und führten unter anderem zu einem offenen Brief, Boykottaufrufen, Protesten und weiteren öffentlichen Stellungnahmen.
Wenders: Worte seien falsch wiedergegeben worden
In Venedig betonte Wenders nun, Filmschaffende arbeiteten nicht mit der Denkweise von Politikern, sondern mit der Haltung empathischer Menschen. Ihr Ziel sei es, Dinge zu verändern, während Politik häufig darauf ausgerichtet sei, bestehende Verhältnisse zu erhalten.
Er kritisierte erneut, dass aus seinen damaligen Aussagen der Satz herausgelöst worden sei, man müsse sich aus der Politik heraushalten. Genau das habe er so nicht gesagt, erklärte Wenders. Der Bezugsrahmen von Regisseuren und Künstlern sei ein anderer als der von Politikern, deshalb dürften beide Bereiche nicht mit denselben Maßstäben betrachtet werden.
Wenders unterstrich, Filmschaffende seien gerade nicht unbeteiligt, sondern vielmehr ein Gegengewicht zur Politik. Sie arbeiteten nach anderen Regeln und könnten dadurch gesellschaftlich etwas bewirken.
Neuer Film in Venedig vorgestellt
Bei den Filmfestspielen in Venedig präsentiert Wenders seinen neuen Dokumentarfilm „From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor“. Der in 3D gedrehte Film widmet sich dem Werk des Schweizer Architekten Peter Zumthor und zeigt einige seiner bekanntesten Bauten, darunter auch die Therme Vals.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber