ZDF-Biopic erzählt den bewegten Weg von Olivia Jones
Mit ihrem typischen Ruf „Hallöchen, meine Hasen!“ bringt Olivia Jones seit Jahren ihr Publikum zum Jubeln. Die Hamburger Dragqueen steht längst nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für Offenheit, Vielfalt und gesellschaftliches Engagement. Hinter der schillernden Figur steckt jedoch ein Lebensweg voller Widerstände. Genau diese Geschichte erzählt nun der neue ZDF-Film „Olivia“, der das Leben von Oliver Knöbel porträtiert.
Das Biopic über den 2,01 Meter großen Künstler aus Springe in Niedersachsen bietet emotionale, komische und berührende Momente. In der Hauptrolle überzeugt Johannes Hegemann, bekannt aus „In Liebe, eure Hilde“. Der Film ist bereits im Streamingportal des ZDF verfügbar und läuft am 13. Mai um 20.15 Uhr im Fernsehen. Vorlage ist Jones’ Autobiografie „Ungeschminkt“, Regie führte Till Endemann.
Vom Dorfkind ins Rampenlicht
Gleich zu Beginn taucht der Film in die glitzernde Welt der Travestie ein: funkelnde Nägel, auffälliges Make-up, Perücke, Scheinwerfer und ein strahlendes Gesicht. Oliver Knöbel, der spätere Olivia Jones, scheint endlich bei sich angekommen zu sein.
Der Weg dorthin war allerdings hart. Vor allem in den 70er- und 80er-Jahren galt Anderssein auf dem Land noch als Makel. Genau diese Enge und Ausgrenzung zeigt der Film eindrücklich.
Eine Mutter zwischen Überforderung und Ablehnung
Annette Frier spielt Olivers Mutter, die selbst genug Last zu tragen hat: Sie erzieht ihr Kind allein, während dessen Vater nach einem Banküberfall im Gefängnis sitzt. Im Ort wird über die Familie geredet. Als ihr Sohn dann auch noch Frauenkleidung trägt, Schmuck anlegt und Lippenstift benutzt, stößt sie an ihre Grenzen.

Die Mutter reagiert mit Unverständnis und Härte, während Oliver früh spürt, wer er ist. Der Film zeigt schmerzhaft, wie tief Ablehnung aus dem engsten Umfeld verletzen kann.
Immer wieder muss Knöbel für sich selbst einstehen: gegenüber Freunden, die sich nicht zu einem Coming-out trauen, gegenüber gewalttätigen Jugendlichen aus dem Ort, bei der Musterung der Bundeswehr und später auch in Hamburg, wo ihn Travestie-Ikone Lilo Wanders entdeckt.
Jones begleitete die Dreharbeiten eng und stand in dieser Zeit oft mit Annette Frier in Kontakt. Über deren Darstellung äußerte sie sich sehr anerkennend und lobte das große Engagement der Schauspielerin.
Johannes Hegemann trägt den Film
Auch Hauptdarsteller Johannes Hegemann konnte Jones überzeugen. Sie bescheinigte ihm, sich intensiv mit ihrer Biografie und ihrer Persönlichkeit beschäftigt zu haben.
Tatsächlich erweist sich Hegemann als starke Besetzung. Zwar ist er mit 1,88 Metern etwas kleiner als das reale Vorbild, doch seine Präsenz, sein markantes Gesicht und vor allem sein sensibles Spiel machen die Figur glaubwürdig. Er verkörpert Oliver zugleich nahbar, verletzlich und entschlossen. Besonders bemerkenswert ist, wie präzise er Sprachmelodie und Auftreten von Olivia Jones trifft.
Der Film wechselt zwischen Szenen aus dem heutigen Hamburg und Erinnerungen an die Kindheit und Jugend in Springe. Eine besonders stimmige Verbindung entsteht in einer Szene, in der sowohl der junge Oliver im Haus seiner Mutter als auch der spätere Künstler in St. Pauli zu „I Want to Break Free“ mit dem Staubsauger hantieren.
Humor trotz schwerer Momente
Neben den ernsten Passagen gibt es auch viel Witz. So sorgt etwa die Musterungsszene für Lacher, als Oliver beim Ausziehen vor dem Arzt eine fast schon verführerische Show liefert. Auch sein erster Auftritt im Schmidt Theater mit wild hüpfenden Ballon-Brüsten bleibt nicht ohne komische Wirkung.
Zugleich verfolgt „Olivia“ den Weg hin zu Jones’ politischem und gesellschaftlichem Engagement. Eine wichtige Rolle spielt dabei die enge Freundschaft zu Marlene, die Oliver in allen Lebenslagen begleitet und entscheidend für die spätere Wahlfamilie rund um Olivia Jones wird.
Deutliche Haltung gegen Hass und Ausgrenzung
Der Film macht klar, dass Olivia Jones weit mehr ist als eine Kunstfigur. Sie wird als humorvoller, warmherziger und klar positionierter Mensch gezeigt, der etwas bewegen will. Besonders deutlich wird das in ihrem Einsatz gegen Rechts und für Akzeptanz. Auch ihr legendärer Auftritt bei einer NPD-Wahlkampfveranstaltung als Reporterin für „Extra 3“ findet im Film seinen Platz.
Nach Ansicht von Jones ist das Biopic gerade jetzt wichtig. Angesichts eines gesellschaftlichen Klimas, in dem rechte Kräfte stärker werden und queere Rechte erneut unter Druck geraten, könne der Film Mut machen. Dass das ZDF diese Geschichte als großes Fernsehereignis erzähle, sei für sie ein starkes Signal.
Besonders empfiehlt sie den Film Eltern queerer Kinder. Denn „Olivia“ zeige, wie entscheidend Liebe, Rückhalt und Verlässlichkeit sind – selbst dann, wenn Eltern den Lebensweg ihres Kindes nicht vollständig nachvollziehen können.
Mit „Olivia“ ist dem ZDF ein Biopic gelungen, das unterhält, berührt und zugleich Haltung zeigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion