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Hammer-Urteil: Mette-Marits Sohn muss vier Jahre in Haft

Hammer-Urteil in Norwegen: Mette-Marits Sohn Marius muss für Jahre ins Gefängnis – was hinter dem Fall steckt

15.06.2026, 08:36 Uhr

Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, ist von einem Gericht in Oslo zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach übereinstimmenden Berichten norwegischer Medien wurde der 29-Jährige in 34 Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Nach norwegischem Recht befand ihn das Gericht in zwei Fällen der Vergewaltigung für schuldig. Dabei soll er bei schlafenden Frauen mit dem Finger eingedrungen sein. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen wurde Høiby freigesprochen. Einer dieser Freisprüche betrifft den schwersten Vorwurf, wonach er eine schlafende Frau mit dem Penis penetriert haben soll. Vier Frauen sprach das Gericht zudem Entschädigungen zu, darunter zwei frühere Freundinnen.

Zur Urteilsverkündung war Høiby aus gesundheitlichen Gründen nicht im Gerichtssaal. Er verfolgte die Entscheidung per Videoschalte aus dem Gefängnis. Inzwischen ist auch klarer, wie es weitergehen soll: Seine Verteidigung kündigte Berufung an – gegen die Verurteilungen in den beiden Vergewaltigungsfällen sowie gegen den Schuldspruch wegen Missbrauchs in einer Beziehung zu einer Ex-Freundin. Rechtskräftig ist das Urteil damit vorerst nicht.

Neuer Antrag auf Freilassung wegen kranker Mutter

Unmittelbar nach dem Richterspruch beantragte Høiby erneut seine Entlassung aus der Untersuchungshaft. Er begründet das wie schon zuvor mit dem Wunsch, bei seiner schwer kranken Mutter zu sein. Kronprinzessin Mette-Marit leidet an einer unheilbaren chronischen Lungenkrankheit; nach Angaben des norwegischen Hofes hat sich ihr Zustand zuletzt dramatisch verschlechtert. Inzwischen steht sie demnach auf der Warteliste für eine neue Lunge.

Die Lage belastet die Königsfamilie zusätzlich. Prinzessin Ingrid Alexandra soll ihr Studium in Sydney unterbrochen haben und nach Norwegen zurückgekehrt sein, Kronprinz Haakon sagte Termine ab. Der Hof wollte das Urteil gegen Høiby zunächst nicht kommentieren.

Høiby hatte zuletzt erklärt, es sei unerträglich, seine Mutter nur einmal pro Woche im Gefängnis sehen zu können, weil jedes Treffen das letzte sein könne. Erst vor knapp zwei Wochen war ein ähnlicher Antrag ohne Erfolg geblieben. Das Gericht sah damals unter anderem Wiederholungsgefahr, weil Høiby mehrfach gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstoßen haben soll. Die Ablehnung seiner Freilassung wurde laut norwegischen Berichten auch in nächster Instanz bestätigt.

Gericht: Zwei Vergewaltigungsfälle als erwiesen angesehen

Einer der Fälle, in denen das Gericht Høiby schuldig sprach, soll sich am Sitz der Kronprinzenfamilie abgespielt haben. Laut norwegischen Medien verwies der vorsitzende Richter auf Videomaterial, das sexuelle Handlungen und ein Eindringen mit dem Finger zeige. Die betroffene Frau liege auf den Aufnahmen reglos da, es seien keine Geräusche zu hören gewesen. Deshalb sah das Gericht es als erwiesen an, dass sie geschlafen habe.

Auch in einem ähnlichen Fall in der Wohnung einer Frau, die Høiby auf einem Fest kennengelernt haben soll, wurde er verurteilt.

Nicht als bewiesen werteten die Richter dagegen den Vorwurf, Høiby habe während eines Surfurlaubs auf den Lofoten eine Bekanntschaft vergewaltigt. In diesem Fall habe es begründete Zweifel gegeben. Das war laut Anklage der einzige Fall, in dem Høiby mit dem Penis in die Vagina einer schlafenden Frau eingedrungen sein soll. Auch in einem weiteren Fall in einem Hotel in Oslo wurde er vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Verurteilt wurde er dort aber demnach dafür, die Frau ohne ihr Wissen gefilmt zu haben.

Nach Medienberichten betrafen die Vergewaltigungsvorwürfe vier Frauen, meist nach zuvor einvernehmlichem Sex bei flüchtigen Bekanntschaften. Die Anklage warf Høiby vor, die Frauen später im Schlaf missbraucht und dabei teils gefilmt zu haben. Diese Vorwürfe hatte er bestritten.

Viele Taten rund um Ex-Freundinnen und Drogen

Der Prozess lief von Anfang Februar bis Mitte März. Insgesamt war Høiby in 40 Punkten angeklagt. Die Staatsanwaltschaft ging in 39 Anklagepunkten von Schuld aus und hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten gefordert. Die Verteidigung hatte einen Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen verlangt und auf eineinhalb Jahre Haft plädiert.

Ein Schwerpunkt des Verfahrens lag auf der Beziehung zu einer Frau aus dem Osloer Stadtteil Frogner. Auf diese Beziehung bezogen sich nach Medienberichten 20 der ursprünglich 40 Anklagepunkte. In fast allen dieser Punkte wurde Høiby nun verurteilt. Er hatte unter anderem eingeräumt, im Rausch randaliert, Möbel zerstört und die Frau körperlich angegriffen zu haben. Auch einige Verstöße gegen Kontaktverbote gab er zu.

Mehrere weitere Taten hatte Høiby ebenfalls eingeräumt. Dabei ging es unter anderem um Körperverletzung, Vandalismus, verschiedene Verkehrsdelikte sowie den Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana. In zwei Fällen eines Verstoßes gegen das Kontaktverbot wurde er freigesprochen, in den übrigen Punkten verurteilt.

Außerdem sah das Gericht es als erwiesen an, dass Høiby eine weitere Ex-Freundin, eine Influencerin, während der Beziehung missbraucht habe. Laut Richter lagen dabei mehrere Gewalttaten vor, im Mittelpunkt habe jedoch besonders die psychische Misshandlung gestanden.

Während seiner Beziehungen zu mehreren Frauen soll Høiby sie gefilmt und fotografiert haben. Auch dafür wurde er den Berichten zufolge verurteilt. Foto- und Videoaufnahmen auf seinen Handys spielten eine wichtige Rolle in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft.

Prozess offenbarte Details aus Høibys Leben

Der Mammutprozess zeichnete laut norwegischen Berichten mithilfe von Hunderten SMS und zahlreichen Zeugenaussagen das Bild eines Lebens mit Eifersucht, Gewalt, Untreue, exzessiven Partys und Drogenkonsum. Auch intime Details über Høibys sexuelle Vorlieben sowie seine toxischen Beziehungen zu Ex-Freundinnen waren Gegenstand der Verhandlung.

Unter Tränen hatte Høiby im Prozess zudem die mediale Aufmerksamkeit beklagt, die ihn nach eigenen Worten seit frühester Kindheit begleite. Er beschrieb sich selbst als „Monster“ in der öffentlichen Wahrnehmung und als „Hassobjekt von ganz Norwegen“. Als Kind war er noch der hellblonde Ziehsohn des Kronprinzen, später geriet er nach Medienberichten zunehmend auf Abwege und kämpfte mit Drogensucht und psychischen Problemen.

Erstmals festgenommen worden war Høiby im August 2024. In der Wohnung seiner damaligen Freundin soll er randaliert haben; später räumte er ein, der Frau gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Im Verlauf der Ermittlungen kamen weitere Vorwürfe hinzu. Kurz vor Prozessbeginn wurde er erneut festgenommen, weil er gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstoßen haben soll. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Ob Høiby bis zum Antritt einer möglichen Haftstrafe in U-Haft bleibt, hängt nun auch davon ab, ob sein neuer Antrag auf Freilassung Erfolg hat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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