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Wellbrock schnappt sich EM-Gold im Freiwasser

Aus Frust wird Triumph: Wellbrock versöhnt sich mit der Seine – und auch Klemet überrascht mit Edelmetall.

04.08.2026, 12:11 Uhr

Florian Wellbrock hat bei den Europameisterschaften Gold im Freiwasserschwimmen gewonnen. Der 28-Jährige siegte in Paris über zehn Kilometer vor dem favorisierten Ungarn David Betlehem und seinem deutschen Teamkollegen Oliver Klemet. Für Wellbrock ist es der erste EM-Titel im Freiwasser – und zugleich eine sehr persönliche Wiedergutmachung in der französischen Hauptstadt.

Nach seinem Triumph jubelte der Ausnahmeathlet den deutschen Fans am anderen Seine-Ufer zu. Wellbrock sprach später selbst von einer offenen Rechnung mit Paris, die nun mit der Goldmedaille beglichen sei. Bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren hatte er in der Seine die Medaillen klar verpasst, nun gelang ihm die erhoffte Versöhnung mit dem Ort.

Erstes EM-Gold als fehlendes Puzzleteil

Als vierfacher Weltmeister ging Wellbrock zwar mit viel Erfahrung ins Rennen, nach mehreren krankheitsbedingten Ausfällen in dieser Saison hatte der gebürtige Bremer seine Erwartungen aber bewusst niedrig angesetzt. Vor dem Start hatte er erklärt, unbedingt in die Top Ten schwimmen zu wollen. Dass am Ende sogar Gold heraussprang, überraschte ihn nach eigenen Worten selbst.

Wellbrock sagte, rein körperlich hätte er dieses Rennen eigentlich kaum gewinnen dürfen. Entscheidend sei vielmehr die mentale Stärke gewesen. Mit dem EM-Titel über die olympische Distanz hat er nun auch das letzte große Edelmetall gesammelt, das ihm in seiner Karriere noch gefehlt hatte: Weltmeister war er bereits mehrfach, Olympiasieger wurde er 2021.

Wellbrock schwimmt früh an die Spitze

Im Wettkampf selbst entwickelte sich von Beginn an ein enges und körperbetontes Rennen. Wellbrock versuchte, direkten Duellen vor allem an den Wendebojen möglichst aus dem Weg zu gehen, und setzte sich früh an die Spitze. Gemeinsam mit Betlehem und Klemet bildete sich früh die entscheidende Gruppe.

Erst in der Schlussphase wurde es noch einmal spannend, doch Wellbrock fand rechtzeitig seinen Rhythmus und sicherte sich mit einem starken Schlussspurt einen verdienten und am Ende souveränen Sieg. Klemet, der bei den Olympischen Spielen in Paris Silber geholt hatte, komplettierte als Dritter das starke deutsche Ergebnis.

Wasserqualität diesmal kein großes Thema

Rund um die Sommerspiele 2024 hatte die Wasserqualität der Seine für große Diskussionen gesorgt. Die deutsche Schwimmerin Leonie Beck berichtete damals nach ihrem Rennen von Erbrechen, auch andere Athletinnen und Athleten klagten über gesundheitliche Probleme. Vor dem EM-Rennen gab es diesmal jedoch keine größeren Sorgen wegen der Wasserwerte.

Vorsichtsmaßnahmen traf das deutsche Team trotzdem. Wellbrock berichtete, dass sich die Schwimmerinnen und Schwimmer unter anderem gegen Cholera, Typhus und Hepatitis impfen ließen. Zusätzlich nehme man vorbeugend Darmbakterien ein, um die Darmflora für den Fall einer Belastung möglichst stabil zu halten.

Auch die Bedingungen auf der neuen Strecke fielen günstiger aus als noch bei Olympia. Wellbrock sprach von weniger Strömung und etwas wärmerem Wasser. Schon vor dem Rennen war die neue Strecke nahe dem Eiffelturm im deutschen Lager positiv bewertet worden.

Kaum Zeit zum Feiern

Viel Zeit zum Genießen bleibt Wellbrock allerdings nicht. Bereits an diesem Mittwoch um 10.00 Uhr steht für ihn das nächste EM-Rennen über fünf Kilometer an. Vorher wolle er nur kurz abschalten, einen Kaffee trinken, Kuchen essen und ein wenig Alltag genießen, ehe der Fokus wieder auf den nächsten Start geht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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