Struff gelingt in Wimbledon der große Wurf
Jan-Lennard Struff hat in Wimbledon erstmals das Achtelfinale erreicht. Der 36 Jahre alte Davis-Cup-Spieler bezwang in der dritten Runde den früheren US-Open-Sieger Daniil Medwedew nach einer starken Vorstellung mit 7:6 (7:4), 7:6 (7:5), 7:5.
Nach dem Erfolg zog Struff seine Kappe ab, klatschte mit dem russischen Top-Ten-Spieler ab und strahlte. Anschließend zeigte er sich bewegt. „Es ist sehr wichtig für mich, ich bin sehr stolz und sehr glücklich“, sagte Struff. „Es ist unglaublich.“
Bei Prime betonte der Weltranglisten-74.: „Das Wichtige ist, niemals aufzugeben. Ich freue mich riesig. Es war ein Topmatch auf jeden Fall. Was soll ich sagen – ich bin happy.“
Dabei musste der Außenseiter in allen drei Sätzen Rückstände aufholen. Im ersten Durchgang lag der Warsteiner 1:3 hinten, im zweiten 3:5. Im letzten Satz drehte er sogar ein 2:5 noch in einen Sieg.
Kurioser Videobeweis hilft beim Comeback
Besonders bemerkenswert war die Wende im dritten Satz. Bei Breakball für Struff wurde per Videobeweis überprüft, ob ein Ball von Medwedew tatsächlich über das Netz gegangen war. Die Bilder zeigten, dass der Ball durch ein Loch zwischen Netzkante und Pfosten geflogen war. Dadurch bekam Struff das Break zum 3:5, verkürzte und gab anschließend kein Spiel mehr ab.
Nach 2:49 Stunden verwandelte der Deutsche seinen Matchball, weil Medwedew sich einen Doppelfehler leistete.
Bestes Wimbledon-Ergebnis und 350.000 Euro sicher
Damit erlebt Struff beim Rasen-Klassiker in London sein bislang bestes Abschneiden. Zum insgesamt fünften Mal und zum dritten Mal nacheinander hatte er die dritte Runde in Wimbledon erreicht – nun gelang ihm erstmals der Sprung unter die letzten 16.
Im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale trifft er nun auf den Polen Hubert Hurkacz. Das Preisgeld von rund 350.000 Euro steht ihm bereits sicher zu.
Gegen Medwedew war der Erfolg alles andere als selbstverständlich: Acht von neun Duellen hatte Struff zuvor gegen den Russen verloren. Im vergangenen Jahr war er in Wimbledon noch an Carlos Alcaraz gescheitert, diesmal nutzte er seine Chance gegen Medwedew.
Comeback-Qualitäten zahlen sich aus
Struff trotzte auch der zusätzlichen Belastung vor der Drittrundenpartie. Anders als üblich bei einem Grand-Slam-Turnier hatte er keinen freien Tag, weil sein Zweitrundenmatch gegen den Amerikaner Brandon Nakashima am Mittwochabend wegen Dunkelheit beim Stand von 2:2 Sätzen unterbrochen worden war. Einen Tag später brachte Struff die Partie nervenstark über fünf Sätze und nach vier Tiebreaks zu Ende.
Schon in den ersten beiden Runden hatte er bei seinen Fünf-Satz-Siegen im entscheidenden Satz Rückstände wettgemacht. Diese Comeback-Qualitäten halfen ihm nun auch gegen Medwedew. Nur knapp vermied er es dabei, auch im dritten Satz wieder in den Tiebreak zu müssen.
Zverev möchte nachziehen
Am Samstag möchte Alexander Zverev als zweiter deutscher Tennisprofi in die Runde der letzten 16 einziehen. Für den French-Open-Sieger und Weltranglisten-Dritten aus Hamburg soll das Drittrundenmatch gegen den US-Amerikaner Marcos Giron nur eine Zwischenstation sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber