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So irre ist Hamiltons Luxus-Labyrinth

Ferrari taumelt wieder – wackelt jetzt Vasseurs Zukunft? Während die Krise wächst, eröffnet Hamilton lieber einen Pop-up-Store.

08.10.2026, 10:41 Uhr

Inmitten der Luxuspassagen von Singapur hat Lewis Hamilton einen neuen Auftritt abseits der Rennstrecke gestartet. Im Fünf-Sterne-Komplex Marina Bay Sands eröffnete der Formel-1-Rekordweltmeister einen Pop-up-Store seiner Lifestyle-Marke Plus44 – die erste Dependance in Südostasien. Schon vor der Öffnung warteten die ersten Interessierten, um einen Blick auf die Kollektion zu werfen.

Ein langärmliges Shirt kostet umgerechnet rund 80 Euro, Shorts etwa 73 Euro. Hamilton will das Grand-Prix-Wochenende also auch nutzen, um seine Streetwear an ein kaufkräftiges Publikum zu bringen. Denn der Brite ist längst mehr als nur Rennfahrer. Allerdings läuft es für ihn in seinem Kerngeschäft derzeit alles andere als rund – und das hat viel mit Ferrari zu tun.

Ferrari zwischen Mythos und Krise

Ferrari nimmt in der Formel 1 eine Sonderrolle ein. Seit dem Beginn der Königsklasse im Jahr 1950 ist die Scuderia ununterbrochen dabei und steht wie kein anderes Team für Tradition, Leidenschaft und Erfolg. 16 Konstrukteurstitel und 15 Fahrer-Weltmeisterschaften sprechen für sich. Michael Schumacher prägte dabei mit fünf WM-Titeln in Serie eine goldene Ära.

Doch diese Glanzzeiten liegen lange zurück. Der letzte Titel in der Konstrukteurswertung stammt aus dem Jahr 2008, der jüngste Fahrertitel aus 2007 mit Kimi Räikkönen. Für einen Rennstall, der in Italien fast eine nationale Institution ist, ist diese Durststrecke kaum hinnehmbar.

Hamilton brachte die besondere Lage bei Ferrari einmal auf den Punkt: Wenn es gut läuft, kennt die Euphorie kaum Grenzen – doch wenn es schlecht läuft, fällt die Reaktion umso heftiger aus. Bei Ferrari sei alles emotional deutlich extremer.

Die beiden Ferrari-Fahrer und ihr Teamchef
Die Laune schwankt bei Ferrari. (Archivbild) Quelle: David Davies/PA Wire/dpa

Druck auf Teamchef Vasseur

Im Mittelpunkt der aktuellen Debatte steht Teamchef Fred Vasseur, der das Amt seit Januar 2023 innehat. Seine Aufgabe ist klar: Ferrari zurück an die Spitze zu führen. Doch auch in dieser Saison deutet wenig darauf hin, dass daraus etwas wird. In der Fahrerwertung liegt ausgerechnet Mercedes-Pilot Kimi Antonelli, ein Italiener, klar vorne. Auch bei den Teams hat Mercedes Ferrari derzeit deutlich distanziert.

Vasseur versucht, Geschlossenheit zu demonstrieren. Er betont, dass Ferrari in guten wie in schlechten Zeiten zusammenstehen müsse. Solche Durchhalteparolen sind in der Formel 1 allerdings oft ein Zeichen dafür, dass die Diskussion um die eigene Zukunft bereits läuft. Entsprechend kursieren bereits Namen möglicher Nachfolger – etwa Christian Horner oder Antonello Coletta, der Ferraris Langstreckenprogramm verantwortet.

Dabei hatte die erste Saisonhälfte noch Anlass zur Hoffnung gegeben. Das Chassis zählt zu den stärkeren im Feld, doch der Motor kann dieses Niveau nicht halten. Hinzu kommen wiederkehrende Schwächen bei Strategieentscheidungen.

Hamiltons Kritik bleibt nicht ungehört

Wie problematisch diese Defizite sein können, zeigte zuletzt das Rennen in Malaysia. Hamilton startete von Platz zwei, fiel auf den falschen Reifen zwischenzeitlich jedoch bis auf Rang 18 zurück. Konkurrenten wie Max Verstappen oder Antonelli entschieden sich auf feuchter Strecke für Intermediates und lagen damit richtig. Hamilton kämpfte sich zwar noch auf Platz drei und damit aufs Podium zurück, machte danach aber deutlich, dass er selbst eine andere Reifenwahl bevorzugt hatte.

Damit rückte erneut die Führungsfrage in den Fokus. Die sportliche Linie vorzugeben und das Team zu steuern, gehört schließlich zu Vasseurs Kernaufgaben. Schon beim Heimrennen in Monza hatte Hamilton öffentlich kritisiert, dass zwischen den Ferrari-Fahrern keine klaren internen Regeln bestünden. Der Seitenhieb richtete sich ausdrücklich an den Teamchef. Solche Aussagen haben dazu beigetragen, dass Vasseur trotz seiner erst 2025 verlängerten Vereinbarung unter starkem Druck steht.

Ferrari reagierte bereits Ende September ungewöhnlich deutlich: Noch vor dem Grand Prix von Malaysia stellte sich die Führungsspitze mit Präsident John Elkann und Vorstandschef Benedetto Vigna demonstrativ hinter Vasseur.

Rückendeckung – aber nicht ohne Vorbehalte

Vasseur selbst betonte, sein Verhältnis zu Elkann und Vigna sei ausgezeichnet. Man stehe täglich in Kontakt, organisatorisch gebe es aus seiner Sicht nichts zu beanstanden.

Auch Hamilton schlug zuletzt versöhnlichere Töne an. Es werde in solchen Situationen oft zu viel Aufmerksamkeit auf eine einzelne Person gelenkt, sagte er. Vasseur sei ein starker Anführer und der richtige Mann, um Ferrari in die richtige Richtung zu führen.

Ganz frei von Kritik war diese Unterstützung aber nicht. Hamilton deutete an, dass Ferrari grundsätzlich ein strukturelles Problem habe, das mit Blick auf die Zukunft überprüft werden müsse. Gemeint sein dürfte die interne Befehlskette. Andere Topteams wie Mercedes haben sich unter Toto Wolff mehr operative Unabhängigkeit vom Konzern geschaffen. Vasseur dagegen muss sich bei Ferrari gegenüber Elkann und Vigna verantworten. Ein Modell wie zu Zeiten von Jean Todt, der die Scuderia einst weitgehend eigenständig führte und mit Schumacher zum Erfolg brachte, scheint derzeit nicht in Sicht.

Vasseurs Kampf an der Medienfront

Neben den sportlichen Baustellen sieht Vasseur noch ein weiteres Problem: den Umgang der italienischen Medien mit seiner Person. Manches werde sehr persönlich, sagte er im Gespräch mit dem französischen Sender CANAL+. Das sei nicht akzeptabel. Ein unterstützendes Umfeld sei wichtig – auch wegen der rund 1.500 Mitarbeiter, die jeden Morgen mit den Schlagzeilen über Team und Führung konfrontiert würden.

Sein persönlicher Umgang damit ist radikal: kein Instagram, kein Twitter, keine Presselektüre. Vasseur versucht, den Lärm von außen möglichst komplett auszublenden. Bei Ferrari heißt es für ihn derzeit vor allem: abschirmen, weitermachen, durchhalten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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