Dichter Smog liegt kurz vor dem Formel-1-Wochenende wie ein Schleier über Singapur. Auslöser sind Wald- und Torfbrände in Indonesien, deren Rauch bis in den Stadtstaat gezogen ist. Trotz der angespannten Luftlage soll das Nachtrennen am Sonntag (14.00 Uhr/Sky) nach aktuellem Stand wie geplant stattfinden.
Medienberichten von Channel NewsAsia und The Straits Times zufolge haben sich die Luftwerte auf den bislang schlechtesten Stand des Jahres verschlechtert. Der Schadstoffindex liegt inzwischen in einem Bereich, der als gesundheitlich bedenklich gilt.
Noch keine Änderungen am Rahmenprogramm
Der Automobil-Weltverband FIA hatte bereits erklärt, dass der Smog derzeit keine Gefahr für die Austragung des Grand Prix darstelle. Sollte sich die Luftqualität weiter verschlechtern, könnten allerdings Aktivitäten im Freien eingeschränkt werden. Das würde nach Einschätzung der Regelhüter eher das Unterhaltungsprogramm betreffen als Fahrerlager oder Rennstrecke.
Auch der Veranstalter plant momentan keine Anpassungen. Geschäftsführer Adam Firth betonte, es gebe derzeit keine Pläne, das Begleitprogramm zu verändern. Man beobachte im Rahmen der üblichen Abläufe weiterhin alle Wetterbedingungen sehr genau – einschließlich des Smogs.
Singapur bleibt eines der härtesten Rennen im Kalender
Für die Fahrer ist in Singapur aber nicht nur der Dunst ein Thema. Das Rennen gilt auch wegen der klimatischen Bedingungen als eines der körperlich anspruchsvollsten der Saison. Obwohl auf dem Marina Bay Street Circuit nachts gefahren wird, liegen die Temperaturen oft noch bei rund 30 Grad. Dazu kommt eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent.
Im Cockpit können die Werte auf mehr als 60 Grad steigen. 19 Kurven, 62 Runden und kaum Erholungsphasen verlangen höchste Konzentration. Weil Safety-Car-Phasen häufig sind und die Durchschnittsgeschwindigkeit vergleichsweise niedrig ist, nähert sich der Grand Prix regelmäßig dem Zwei-Stunden-Limit. Dabei verlieren Fahrer teils bis zu vier Kilogramm Körpergewicht.
FIA spricht Hitzewarnung aus
Wegen dieser Bedingungen hat die FIA für Singapur eine Hitzewarnung ausgesprochen. Grundlage dafür ist eine zur Saison 2025 eingeführte Regel, die greift, wenn für ein Rennwochenende Temperaturen von mindestens 31 Grad erwartet werden.
Unter solchen Umständen dürfen die Teams ein spezielles Kühlsystem einsetzen, um die Belastung im Cockpit zu senken. Hintergrund ist unter anderem der Grand Prix von Katar 2023, bei dem mehrere Fahrer massiv unter der Hitze litten. Damals musste Logan Sargeant seinen Williams vorzeitig abstellen.
Kühlweste ist erlaubt, aber nicht Pflicht
Das System funktioniert im Kern über eine spezielle Kühlweste. Gekühlte Flüssigkeit wird mithilfe einer Pumpe, Leitungen und eines thermischen Speichers durch Schläuche in einer angepassten feuerfesten Weste geleitet. Teile der Technik sind dabei im Auto verbaut.
Pflicht ist das System nicht. Wer darauf verzichtet, muss allerdings fünf Kilogramm Ballast im Wagen mitführen, damit kein sportlicher Vorteil entsteht.
Gerade daran zeigt sich, wie umstritten die Technik unter den Fahrern noch ist. Max Verstappen und Kimi Antonelli verzichten lieber auf die Kühlung. Antonelli verwies auf schlechte Erfahrungen aus Austin im Vorjahr, als ein Defekt dazu führte, dass plötzlich sehr heißes Wasser durch das System lief. Nach eigenen Angaben erlitt er danach einen Hitzschlag.
Verstappen bereitet sich stattdessen lieber klassisch auf solche Bedingungen vor, etwa mit Sauna- oder Dampfbad-Einheiten. Außerdem stören ihn die zusätzlichen Schläuche im Cockpit. Charles Leclerc sieht das anders: Er nutzt die Weste gern, weil sie ihm zumindest für einen Teil des Rennens spürbare Abkühlung verschafft.
Besonderes Wochenende für Verstappen
Für Verstappen ist der Grand Prix noch aus einem weiteren Grund besonders: Der Niederländer bestreitet in Singapur sein 250. Formel-1-Rennen – mit erst 29 Jahren. 72 Siege stehen bereits in seiner Bilanz, mehr haben nur Lewis Hamilton und Michael Schumacher erreicht. Nach seinem jüngsten Erfolg reist er mit Rückenwind an, in Singapur selbst wartet er allerdings noch auf seinen ersten Sieg.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber