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Neuer F1-Kurs: Krach-Zoff und Crash-Alarm in Madrid

Dieser neue Madrid-Kurs sorgt schon vor dem ersten F1-Start für Wirbel – drohen Crashs, Chaos und rote Flaggen am Fließband?

10.09.2026, 10:33 Uhr

Die Rückkehr der Formel 1 nach Madrid soll nach dem Willen der Veranstalter vor allem eines sein: spektakulär. Aus Sicht vieler Fahrer könnte der neue Stadtkurs jedoch auch zu einem echten Risiko werden. Carlos Sainz, der aus Madrid stammt, bezeichnet die Strecke als eine der schwierigsten neuen Aufgaben der vergangenen Jahre. Er erwartet Zwischenfälle, Safety-Car-Phasen und womöglich auch Rennunterbrechungen.

Wie viel Madrid steckt im "Madring"?

Der neue Kurs misst 5,416 Kilometer und umfasst 22 Kurven. Er führt rund um das eher nüchterne Messegelände der spanischen Hauptstadt. Zu den bekanntesten Wahrzeichen Madrids besteht allerdings einige Distanz: Der Bär mit dem Erdbeerbaum an der Puerta del Sol ist mehr als 16 Kilometer entfernt. Ob der sogenannte "Madring" das Flair der Stadt wirklich transportiert, wird sich erst noch zeigen. Fest steht: Das Projekt ist langfristig angelegt, der Vertrag läuft bis einschließlich 2035. Ein Formel-1-Rennen im Raum Madrid hatte es zuletzt 1981 in Jarama gegeben.

Die Verantwortlichen planen groß. Für das Grand-Prix-Wochenende rechnen sie mit rund 350.000 Besuchern. Herzstück der Anlage ist "La Monumental", eine 550 Meter lange Steilkurve mit 13,5 Grad Neigung, die laut Konzept voll gefahren wird. Dort sollen allein 45.000 Zuschauer Platz finden. Sainz, der den Kurs bereits mit einem GT-Fahrzeug getestet hat, beschreibt die Passage als besonders heikel: Beim Herausfahren sehe man praktisch nur noch den Himmel.

Auch an anderen Stellen der Strecke dürften die Fahrer nur eingeschränkte Sicht haben. Dazu kommen enge Abschnitte, wenige Auslaufzonen und viele Mauern direkt am Rand. Formel-1-Chef Stefano Domenicali machte deshalb klar: Wer sich hier einen Fehler leistet, zahlt vermutlich einen hohen Preis.

Formel 1 in Madrid
Gleich ein Vertrag über zehn Jahre: Madrid will Maßstäbe setzen. Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa

Ernsttest mit vielen Unterbrechungen

Wie kritisch der Kurs sein kann, zeigten bereits die jüngsten Formel-3-Testfahrten. Dort gab es 19 rote Flaggen, drei zerstörte Chassis und sechs weitere Schäden an Aufhängungen. Williams-Teamchef Jeff Vowles sprach von einer Strecke, die für das Material extrem hart sei. Erschwerend kommt hinzu, dass der Asphalt bisher wenig Grip bietet. Die neuen Autos mit ihrer zusätzlichen elektrischen Leistung könnten das Fahrverhalten noch unberechenbarer machen.

Wenn am Freitag die ersten beiden Trainings beginnen, betreten fast alle Teams Neuland. Eine Ausnahme ist Ferrari: Die Scuderia absolvierte im Juli bereits einen Filmtag auf dem damals noch nicht vollständig fertiggestellten Kurs. Lewis Hamilton und Charles Leclerc konnten sich so schon ein erstes Bild machen. Ob das sportlich hilft, bleibt offen. In der WM liegt Hamilton inzwischen 76 Punkte hinter Mercedes-Nachwuchsstar Kimi Antonelli auf Rang drei.

Mercedes-Duell diesmal zwischen Betonwänden?

Direkt hinter Antonelli folgt dessen Teamkollege George Russell, der nach seinem zweiten Platz in Monza 66 Zähler Rückstand hat. Sollte es am Sonntag ab 15.00 Uhr erneut zu direkten Duellen der Silberpfeile kommen, könnten diese auf dem engen Madring deutlich größere Folgen haben als zuletzt in Monza. Für den Titelkampf vor dem Saisonendspurt könnte das durchaus Bedeutung bekommen.

Dass mit Madrid ein weiteres Rennen in Europa in den Kalender zurückkehrt, ist bemerkenswert. In den vergangenen Jahren entstanden nur wenige neue Strecken, auf denen auch die Formel 1 fuhr. Dazu zählen Istanbul, das 2005 eröffnet wurde – wenn auch auf der asiatischen Seite der Metropole – sowie Portimão, das seit 2008 besteht. Über ein mögliches Comeback von Istanbul wird immer wieder spekuliert, während die Algarve-Strecke ab der kommenden Saison wieder im Kalender stehen soll.

Motorenlärm bis zum Trainingszentrum von Real Madrid

Madrid möchte mit der neuen Anlage neue Maßstäbe setzen. Teile des Kurses verlaufen über temporär genutzte Straßen, die sonst öffentlich zugänglich sind. Das Trainingsgelände von Real Madrid liegt weniger als einen Kilometer von der markanten Steilkurve entfernt – dort dürften die Motoren deutlich zu hören sein.

Sowohl Real Madrid als auch Atlético Madrid unterstützen die Rückkehr der Formel 1 in die spanische Hauptstadt als lokale Eventpartner. Entsprechend wird am Rennwochenende mit prominenten Gästen aus dem Fußball gerechnet, vor allem von Real. Die Königlichen spielen am Vorabend im Bernabéu gegen Rayo Vallecano, Atlético ist erst am Sonntagabend in San Sebastián gefordert.

Nach spanischen Medienberichten lagen die Kosten der Ausschreibung für den Madring bei etwas mehr als 83 Millionen Euro. Zusammen mit weiteren Ausgaben soll sich das Gesamtvolumen laut "Marca" auf 141,3 Millionen Euro summieren.

Widerstand gegen den Grand Prix

Befürworter verweisen auf den wirtschaftlichen Nutzen. Einer Untersuchung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens PwC zufolge könnte der Grand Prix in Madrid rund 467 Millionen Euro einbringen und 8.850 Arbeitsplätze schaffen.

Trotzdem stößt das Projekt nicht überall auf Zustimmung. Während am Kurs bis kurz vor dem Rennwochenende noch gebaut, gestrichen und montiert wird, wächst auch der Protest. Eine Initiative mit dem Namen "Stop Fórmula 1 Madrid" wendet sich offen gegen das Rennen. Im Mittelpunkt ihrer Kritik stehen Lärm, Umweltbelastung und die Auswirkungen auf die Anwohner. Auf der Website der Gruppe läuft ein Countdown bis zum Start des Rennens – mit dem Hinweis auf die verbleibenden Tage bis zu einer möglichen Gefährdung der Gesundheit der Menschen in der Umgebung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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