Wirtschaft

„Verzicht? Sinnlos“ – IG Metall kämpft um Reallöhne

Tausende Jobs wackeln – doch die IG Metall lehnt Lohnverzicht ab. Warum sie jetzt auf Kaufkraft pocht, lesen Sie hier.

10.09.2026, 10:00 Uhr

IG Metall peilt in Tarifrunde mindestens Inflationsausgleich an

In der bevorstehenden Tarifauseinandersetzung der deutschen Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall dafür sorgen, dass die Einkommen der Beschäftigten real nicht sinken. Über die genaue Höhe der Forderung soll erst in den nächsten Wochen entschieden werden. Grundlage ist unter anderem eine bundesweite Umfrage unter 267.000 Beschäftigten: 47,8 Prozent sprachen sich für eine moderate Lohnerhöhung aus, 35 Prozent befürworteten ein deutliches Plus.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner stellte klar, dass Zurückhaltung bei den Löhnen aus ihrer Sicht keine Lösung ist. Unternehmen und Politik müssten ihren Beitrag leisten, um Industriearbeitsplätze in Deutschland zu sichern und einer Abwanderung von Produktion entgegenzuwirken. Benner forderte eine Strategie gegen Preisdumping sowie Vorgaben für lokale Wertschöpfung. Gefährdet seien Jobs vor allem durch unfairen Wettbewerb, nicht durch hohe Personalkosten, die nur einen kleinen Teil der Gesamtausgaben ausmachten.

Gewerkschaft knüpft Unterstützung an Bedingungen

Benner betonte, die Gewerkschaft sei bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Betrieben grundsätzlich gesprächsbereit und suche nach Lösungen. Voraussetzung seien jedoch klare Zusagen der Unternehmen, etwa für Investitionen, Produktionsperspektiven und Beschäftigungssicherung.

Zugleich zeichne die Lage in der Branche kein einheitlich negatives Bild. Laut Befragung bewerten 31,7 Prozent die Situation in ihren Betrieben als gut, 14,5 Prozent sogar als sehr gut. Dagegen halten 16,9 Prozent die Lage für schlecht und 4,7 Prozent für sehr schlecht. Besonders stabil sei die Situation in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, Rüstungsindustrie, Schiffbau und Energie. Dagegen gebe es vor allem in der Automobilindustrie und bei Dienstleistern größere Sorgen.

Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie
Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie sind ab November möglich. (Foto: Archiv) Quelle: Marcus Brandt/dpa

Warnung vor Angriffen auf die 35-Stunden-Woche

Scharfe Kritik äußerte Benner an Unternehmen wie Mercedes-Benz, die aus Sicht der Gewerkschaft grundlegende Errungenschaften infrage stellen, obwohl diese gar nicht Teil der aktuellen Tarifverhandlungen seien. Die 35-Stunden-Woche und der Achtstundentag gehörten zum Kern gewerkschaftlicher Identität. Diese Standards seien hart erkämpft worden und stünden nicht zur Disposition. Eine Ausweitung von 35 auf 40 Wochenstunden ohne zusätzlichen Lohnausgleich käme nach ihren Worten einer Lohnsenkung um 14 Prozent gleich.

Die Flächentarifverträge der Metall- und Elektroindustrie betreffen rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Zu den wichtigen Branchen zählen neben der Autoindustrie auch Maschinenbau, Metallverarbeitung, Elektrotechnik und weiterer Fahrzeugbau. Nicht einbezogen sind die Beschäftigten von Volkswagen, da dort ein eigener Haustarifvertrag gilt, der zum Jahresende ausläuft.

Der Vorstand der IG Metall will die endgültige Tarifforderung nach Beratungen mit den regionalen Tarifkommissionen am 23. September beschließen. Erste Gespräche mit den Arbeitgeberverbänden sollen ab dem 7. Oktober beginnen. Die bestehenden Tarifverträge enden am 31. Oktober. Danach wären unmittelbar Warnstreiks möglich, weil es in dieser Runde keine nachwirkende Friedenspflicht gibt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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