Tamara Korpatsch hat bei den French Open den bislang größten Erfolg ihrer Karriere auf der Grand-Slam-Bühne gefeiert. Die 31 Jahre alte Hamburgerin besiegte die Chinesin Wang Xinyu mit 6:2, 2:6, 6:3 und steht damit zum ersten Mal in der dritten Runde eines der vier Major-Turniere.
„Ich bin sehr glücklich, dass ich es endlich über die zweite Runde hinaus geschafft habe bei einem Grand Slam“, sagte Korpatsch danach bei Eurosport. Mit etwas Abstand konnte sie sich auch über den besonderen Moment freuen, obwohl es direkt nach dem Match zunächst noch Diskussionen gab.
Bei schwierigen Bedingungen mit praller Sonne und rund 30 Grad verwandelte die deutsche Außenseiterin nach 2:25 Stunden ihren zweiten Matchball. In der nächsten Runde trifft Korpatsch nun auf die an Nummer sieben gesetzte Ukrainerin Jelina Switolina.
Diskussionen statt Handschlag am Netz
Statt den größten Grand-Slam-Erfolg ihrer Laufbahn unbeschwert zu feiern, musste sich Korpatsch nach dem letzten Punkt zunächst mit ihrer aufgebrachten Gegnerin auseinandersetzen. Beide Spielerinnen gaben sich am Netz nicht wie üblich die Hand, sondern diskutierten gestenreich und ausführlich.
Dabei betonte Korpatsch, dass das Verhältnis vor dem Match eigentlich kein schlechtes gewesen sei. „Eigentlich habe ich mich mit ihr total gut verstanden, wir waren keine Feinde oder so was“, sagte sie.
Für viel Gesprächsstoff sorgte bereits eine Szene kurz vor dem Ende des ersten Satzes. Wang wollte eine Aus-Entscheidung nicht akzeptieren und diskutierte zunächst mit der Schiedsrichterin, die daraufhin vom Stuhl stieg, um den Ballabdruck zu überprüfen. Anschließend ging die Chinesin sogar auf die Platzhälfte von Korpatsch und suchte dort die Diskussion mit der Deutschen. Dafür erhielt sie regelkonform eine Verwarnung.
Korpatsch schilderte die Situation deutlich: „Da habe ich zu ihr gesagt: Ist das nicht peinlich, dass sie hier extra rüberkommt, nur weil ihre Box so einen Alarm macht?“ Nach Informationen von Eurosport war der Ball laut Hawk-Eye-Analyse im Aus.
Wang störte sich nach dem Match offenbar nicht in erster Linie an der Aus-Entscheidung selbst. Sie warf Korpatsch vor, der Schiedsrichterin einen anderen Ballabdruck gezeigt zu haben. Die Deutsche wies das zurück und sagte: „Beide Abdrücke waren aus.“ Wang habe sich später zwar für die Regelverletzung entschuldigt, jedoch nicht direkt bei Korpatsch.
Wang mit 65 unerzwungenen Fehlern
Für Barbara Rittner, frühere Bundestrainerin und Eurosport-Expertin, passte die Szene zum gesamten Auftritt der Favoritin. Wang habe einen „ganz, ganz schlechten Tag“ erwischt und sei „einfach völlig daneben“ gewesen. Insgesamt unterliefen ihr 65 unerzwungene Fehler.
Trotzdem dürfe der Erfolg der Deutschen nicht klein geredet werden, betonte Rittner. Korpatsch habe sehr aufmerksam gespielt, sich einen klaren Matchplan zurechtgelegt, mit viel Spin agiert, sich gut bewegt und sei mutig geblieben. Wie schon in der ersten Runde trug sie wegen ihrer starken Lichtempfindlichkeit erneut eine Sonnenbrille.
Korpatsch sieht sich als Einzelkämpferin
Abseits des Platzes fühlt sich Korpatsch auf der Tour häufig auf sich allein gestellt. Nach ihrem Auftaktsieg in Roland Garros hatte sie erklärt, dass sie im Grunde nur von ihrer Familie unterstützt werde.
„Ich und meine Eltern haben einfach alles alleine geschafft. Ich bin wirklich sehr stolz, dass ich so gut wie die einzige Spielerin bin, die es in die Top 100 geschafft hat ohne irgendwelche Hilfe“, sagte Korpatsch.
Ihr Vater ist ihr Coach, ihre Mutter half früher auch als „Besaiterin“ und inzwischen sogar als Hundesitterin. Unterstützung und Wertschätzung vom Deutschen Tennis Bund habe sie dagegen nach eigenen Worten oft „ein bisschen vermisst“.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion