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Jetzt wird’s ernst: Zverev vor Halbfinal-Kracher

Zverev steht vor seiner größten Chance: Nur noch zwei Siege bis zum Grand-Slam. Hält er dem Druck stand – oder kippt alles im Kopf?

04.06.2026, 13:36 Uhr

Mit Badelatschen an den Füßen und kleinen Kopfhörern im Ohr schlenderte Alexander Zverev tiefenentspannt über die Trainingsanlage Jean Bouin in Paris. Dort warf er auch einen Blick auf Jakub Mensik, der bereits fleißig trainierte. Viel Unruhe ließ sich dem deutschen Tennisprofi dabei jedoch nicht anmerken.

Vor dem Halbfinale der French Open am Freitag um 14.30 Uhr gegen den Tschechen steht Zverev mehr denn je vor einer womöglich einmaligen Titelchance. Nach außen wirkt der Weltranglistendritte dennoch bemerkenswert gelassen.

McEnroe formuliert den Druck deutlich

Boris Becker spricht von einer „goldenen Chance“ für Zverev. Gleichzeitig warnt der frühere Wimbledon-Sieger davor, was zwei spielfreie Tage vor einem so bedeutenden Match im Kopf auslösen können. Das Kopfkino beginne nun zwangsläufig.

Auch weil einige der größten Namen bereits nicht mehr im Turnier sind: Jannik Sinner und Novak Djokovic sind ausgeschieden, Titelverteidiger Carlos Alcaraz fehlt verletzt. Für John McEnroe ist die Lage deshalb eindeutig: Wenn Zverev dieses Turnier jetzt nicht gewinnt, wird es seiner Einschätzung nach womöglich nie mehr dazu kommen.

Der Olympiasieger von 2021 lässt sich auf solche Gedankenspiele öffentlich nicht ein. Eine Titelansage vermeidet er ebenfalls. Stattdessen wiederholt er seit Tagen, dass er seinem Spiel und sich selbst vertrauen müsse. Wenn er gut spiele, habe er „99 Prozent der Arbeit“ bereits erledigt.

Viel Lob für Zverevs Form

Bislang liefert Zverev starke Leistungen ab und hat im bisherigen Turnierverlauf nur einen Satz abgegeben. Selbst kleinere Anlaufschwierigkeiten im Achtel- und Viertelfinale brachten ihn nicht aus dem Rhythmus. Hält er dieses Niveau, scheint weder Mensik noch einer der möglichen Finalgegner Flavio Cobolli oder Matteo Arnaldi unüberwindbar. Die beiden Italiener bestreiten das zweite Halbfinale, das Endspiel steigt am Sonntag.

Becker lobte Zverev nach dem klaren Viertelfinalerfolg gegen den 19 Jahre alten Rafael Jódar und sprach von absoluter Weltklasse. Auch Andre Agassi zeigte sich beeindruckt und adelte vor allem Zverevs Rückhand, die er sogar für womöglich die beste hält, die der Tennissport je gesehen hat. McEnroe gefällt zudem, dass Zverev mit der Vorhand inzwischen deutlich aggressiver und mutiger agiert.

Mensik als gefährlicher Außenseiter

Ganz ungefährlich ist der Halbfinalgegner dennoch nicht. Jakub Mensik gilt mit seinen 20 Jahren als einer der am meisten unterschätzten Profis auf der Tour. Selbst nach seinem bislang größten Coup, dem Masters-Titel in Miami 2025, sprach vieles in der Öffentlichkeit eher über Finalverlierer Novak Djokovic als über den Sieger.

Nun will der Tscheche als Außenseiter auch Zverevs Titelträume durchkreuzen. Vor dem Duell zeigte er sich selbstbewusst und sagte, er freue sich auf die Herausforderung.

Leichte Sorgen um Mensiks Fitness

Allerdings steht hinter Mensiks körperlicher Verfassung ein kleines Fragezeichen. Nach seinem Viertelfinalsieg gegen João Fonseca musste der Weltranglisten-27. seine Pressekonferenz wegen eines Krampfes kurz unterbrechen. Schon im Match selbst hatte er im linken Bein etwas gespürt. Bereits in Runde zwei war er direkt nach dem Matchball von Krämpfen geplagt auf dem Platz zusammengesackt.

Später sagte Mensik, in diesem Moment sei er einfach nur froh gewesen, noch am Leben zu sein. Die Bilder eines auf den Court gebrachten Rollstuhls dürften bei Zverev Erinnerungen geweckt haben.

Schmerzhafte Paris-Erinnerungen begleiten Zverev

Vor vier Jahren war Zverev in Roland Garros ebenfalls in Topform und überzeugt, sogar Rafael Nadal im Halbfinale schlagen zu können. Dann aber knickte er um, zog sich einen mehrfachen Bänderriss im rechten Fuß zu und musste im Rollstuhl vom Platz gebracht werden.

Auch die Finalniederlage von Paris vor zwei Jahren gegen Alcaraz nach fünf Sätzen wirkt nach. Hinzu kommen seine weiteren verlorenen Grand-Slam-Endspiele bei den US Open 2020 und den Australian Open 2025.

Thomalla könnte zur Titelparty anreisen

Sollte Zverev diesmal tatsächlich der große Wurf gelingen, könnte Freundin Sophia Thomalla zur Feier nach Paris kommen. Die Moderatorin war zuletzt beruflich eingespannt, würde im Erfolgsfall aber zum Team um Vater, Mutter, Bruder, Oma, Freunde und Dackel Mishka dazustoßen.

Noch aber denkt Zverev nicht an Feierlichkeiten. Im Moment zählt für ihn nur der nächste Schritt auf dem Weg zum ersehnten ersten Grand-Slam-Titel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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