Kai Havertz hat als erster deutscher Fußballprofi in zwei verschiedenen Finals der Champions League getroffen – doch für den FC Arsenal reichte es trotzdem nicht zum historischen Triumph. Der Nationalspieler brachte die Londoner im Endspiel von Budapest zwar schon in der 6. Minute in Führung, am Ende setzte sich Titelverteidiger Paris Saint-Germain aber mit 4:3 im Elfmeterschießen durch. Neben dem erneuten Titelgewinn kassierte das Star-Ensemble aus Frankreich auch die UEFA-Prämie von 25 Millionen Euro.
Vor 61.035 Zuschauern in der ausverkauften Puskás Arena hatte es nach 90 Minuten 1:1 gestanden. Auf Havertz’ frühen Treffer antwortete Weltfußballer Ousmane Dembélé in der 65. Minute per Foulelfmeter. In der Verlängerung fiel kein weiteres Tor. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb danach bei X: „Ein neuer Stern erstrahlt über Paris!“ PSG-Trainer Luis Enrique sagte im TV: „Ich bin komplett erschöpft nach diesem Spiel. Aber ich freue mich auch, wir haben den Titel verteidigt.“
Havertz gelingt ein deutscher Sonderfall
Bereits vor fünf Jahren hatte Havertz in einem Champions-League-Finale getroffen, als er den FC Chelsea zum Titel schoss. Laut Opta ist er nun der erste Deutsche mit Toren in zwei verschiedenen Endspielen der Champions League. Gerd Müller und Franz Roth war das zuvor zwar ebenfalls gelungen, allerdings noch im Europapokal der Landesmeister in den 1970er-Jahren – also vor der Einführung der Champions League zur Saison 1992/93.
Darüber hinaus gehört Havertz weiter zu einer sehr kleinen Gruppe: Vor ihm hatten nur Cristiano Ronaldo für Manchester United und Real Madrid sowie Mario Mandžukić für Bayern München und Juventus Turin in Champions-League-Finals für zwei verschiedene Vereine getroffen. Havertz schaffte das nun für Chelsea und Arsenal.
Arteta setzt auf Havertz – Arsenal startet perfekt
Arsenals Trainer Mikel Arteta hatte vor dem Anpfiff auf Havertz in der Sturmspitze gesetzt und damit zunächst recht behalten. „Er hat diese Gabe, wichtige Tore zu machen“, sagte Arteta über den Deutschen – und sah seine Entscheidung früh bestätigt.
Der Führungstreffer entstand zwar glücklich: Marquinhos schoss Leandro Trossard an, von dort sprang der Ball Havertz vor die Füße. Aus spitzem Winkel jagte der frühere Leverkusener den Ball unter die Latte.
PSG mit viel Ballbesitz, aber erst nach der Pause gefährlich
Der frühe Rückstand war Paris zunächst deutlich anzumerken. Trotz mehr als 70 Prozent Ballbesitz fanden die Franzosen im ersten Durchgang kaum Lücken gegen die tief stehende Arsenal-Abwehr. Die offensiv so gefürchtete PSG-Mannschaft kam vor der Pause kaum zu gefährlichen Abschlüssen, Dembélé blieb zunächst nahezu wirkungslos.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Paris den Druck und kam dem Ausgleich immer näher. Bis an den Strafraum kombinierten sich die Franzosen oft problemlos, doch dort fehlte zunächst die Präzision oder ein Arsenal-Spieler blockte im letzten Moment. Ein Strafstoß brachte PSG schließlich zurück ins Spiel. Nach dem Treffer sprangen einige Anhänger der Franzosen vor Jubel in den Innenraum, die Polizei griff sofort ein.
In der Schlussphase vergaben Khvicha Kvaratskhelia, Vitinha und Bradley Barcola weitere große Chancen. Auch in der Verlängerung blieb die Entscheidung aus, obwohl Arsenal wieder mutiger nach vorn spielte.
PSG verteidigt den Titel und stellt Rekord ein
Im Elfmeterschießen behielt Paris schließlich die Nerven und verteidigte als erster Klub seit Real Madrid den Titel in der Königsklasse. Die Spanier hatten den Wettbewerb zwischen 2016 und 2018 sogar dreimal in Serie gewonnen.
Zugleich stellte PSG mit insgesamt 45 Treffern den Rekord für die meisten Tore in einer Champions-League-Saison ein und zog mit dem FC Barcelona gleich. Besonders spektakulär war dabei das 5:4 im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern München. Liverpool hatte 2018 zwar 47 Tore erzielt, sechs davon fielen jedoch in der Qualifikation und zählen deshalb nicht für die offizielle UEFA-Statistik.
Für Arsenal war es im 15. Spiel dieser Champions-League-Saison die erste Niederlage. Wenige Tage nach dem Gewinn der Premier League verpassten die Londoner damit die absolute Krönung – und warten weiter auf ihren ersten Titel im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb.
Viel Polizei, Frust auf Siebert
Schon Stunden vor dem Anpfiff hatten sich Tausende Fans beider Klubs in Budapest auf das Finale eingestimmt. Rund 4.000 Polizisten waren im Einsatz, größere Zwischenfälle blieben bis auf eine Schlägerei in der Nacht zunächst aus.
Geleitet wurde die Partie vom deutschen Schiedsrichter Daniel Siebert, der das Endspiel insgesamt souverän führte. Auf Arsenal-Seite richtete sich der Frust dennoch auch gegen ihn: Bereits kurz vor der Pause war Siebert ausgepfiffen worden, nachdem er auf Zeitspiel gegen die Gunners entschieden und einen Eckball nicht mehr hatte ausführen lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber