Fußball

Vier Tore, WM-Hoffnung: Undav lässt plötzlich träumen

Kurz vor dem USA-Flug: Deutschlands 4:0 macht WM-Hoffnung groß – und Nagelsmann setzt in Mainz auf zwei Youngster.

31.05.2026, 22:38 Uhr

Zwei Wochen vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao hat die deutsche Nationalmannschaft mit einem souveränen 4:0 (1:0) gegen Finnland weitere Lust auf das Turnier in Nordamerika gemacht. Vor 25.122 Zuschauern in der ausverkauften Mainzer Arena verabschiedete sich das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit viel Applaus in Richtung USA.

Vor allem Deniz Undav und seine Mitspieler in der Offensive sorgten für einen gelungenen Abend. Der Stürmer traf doppelt, bereitete zudem ein Tor vor und sprach anschließend im ZDF von einem „Zehn-von-zehn-Abend“. „Das Wichtigste ist, wir haben das Spiel gewonnen. Ich habe drei Scorer gemacht. Besser hätte es nicht laufen können“, sagte Undav. Auf die Frage nach den WM-Zielen antwortete er selbstbewusst: „Wenn wir das Ding gewinnen. Dann wäre es ein Erfolg.“

Neuer fehlt weiter, Havertz ebenfalls nicht dabei

Manuel Neuer stand erneut nicht im Tor. Der 40-Jährige arbeitet nach einer Wadenverhärtung weiter an seinem Comeback und verfolgte die Partie entspannt von der Tribüne. Auch Kai Havertz, der noch im Champions-League-Finale im Einsatz war, fehlte in der von Nagelsmann weitgehend aufgebotenen Wunschelf.

Im Tor erhielt stattdessen noch einmal Oliver Baumann seine Chance. Für den Hoffenheimer war es kurz vor seinem 36. Geburtstag das zwölfte Länderspiel. Nagelsmann bezeichnete den Einsatz als „Belohnung“, stellte aber zugleich klar, dass Neuer beim Turnier in Amerika als Nummer eins eingeplant ist. „Wir brauchen kein Risiko einzugehen“, sagte der Bundestrainer.

Angriff nimmt nach Anlaufzeit Fahrt auf

Nach zunächst etwas zähem Beginn drehte die DFB-Elf auf. Undav traf in der 34. und 57. Minute, Florian Wirtz kurz nach der Pause (48.) und Jamal Musiala bei seinem Länderspiel-Comeback nach 14 Monaten (63.). Für Musiala war es das neunte Tor im Nationaltrikot.

Mit dem achten Sieg in Folge wächst das Selbstvertrauen spürbar. Gerade offensiv deutet vieles darauf hin, dass Deutschland bei der WM in Kanada, Mexiko und den USA einiges zu bieten haben könnte. Musiala sagte nach dem Spiel: „Wir haben gute Chancen kreiert. Was wir auf den Platz bringen wollten, haben wir gebracht.“

Zunächst musste allerdings erst der Widerstand von Finnlands Keeper Lukas Hradecky überwunden werden. Undav scheiterte vor seinen Treffern zweimal stark am Torwart (8./27.). Zwei Tage vor dem Abflug nach Chicago setzte Nagelsmann auf eine Formation, die der möglichen Startelf gegen WM-Neuling Curaçao am 14. Juni schon sehr nahekommen dürfte. Zuvor steigt am kommenden Samstag in den USA noch die Generalprobe.

„Wusiala“ macht Lust auf mehr

Besonders auffällig war, dass Musiala und Wirtz nach längerer Zeit wieder gemeinsam das deutsche Offensivspiel prägten. In mehreren Szenen war zu erkennen, welches Potenzial das Duo bei der WM entfalten könnte. Vieles deutete an, was mit „Wusiala“ im Turnier möglich sein könnte.

Junge Spieler nutzen ihre Chance

Nagelsmann setzte zudem auf Jugend und Mut. Nathaniel Brown empfahl sich auf der linken Abwehrseite mit Tempo, Technik und Offensivdrang. Der 22-Jährige von Eintracht Frankfurt machte auf seiner Position ordentlich Druck und könnte sich anschicken, David Raum aus Leipzig ernsthaft zu verdrängen.

Auf dem rechten Flügel überzeugte Lennart Karl. Nagelsmann erklärte im ZDF dessen ersten Startelfeinsatz mit dessen „jugendlicher Frische“. Der 18-Jährige war auffällig, suchte immer wieder das Dribbling, spielte gute Pässe, traf den Außenpfosten (55.) und arbeitete auch defensiv engagiert mit. Der jüngste Spieler im deutschen WM-Kader scheint im Konkurrenzkampf derzeit sogar vor Leroy Sané zu liegen, dessen Leistungen zuletzt zu stark schwankten.

Finnland kaum ein echter Gradmesser

Defensiv wurde Deutschland nur selten gefordert. Finnland erwies sich als typischer Testspielgegner und stellte keine große Herausforderung dar. Offensiv kam vom Gegner fast nichts, nur einmal musste Joshua Kimmich einen Schuss vor der Linie blocken (29.). Die große WM-Anspannung war in diesem Test naturgemäß noch nicht zu spüren.

Die DFB-Elf bestimmte die Partie fast durchgehend. Das 1:0 fiel nach einer kurz ausgeführten Ecke und einer Kimmich-Flanke, die Undav per Kopf zu seinem ersten Kopfballtor im Nationaltrikot verwertete. Auch beim 2:0 war der Stuttgarter entscheidend beteiligt, als er mit energischem Pressing den Treffer von Wirtz vorbereitete. Das 3:0 erzielte Undav nach starkem Solo und Zuspiel von Karl.

Nach seinem zweiten Treffer musste Undav behandelt und anschließend leicht angeschlagen ausgewechselt werden, gab danach aber Entwarnung: „Bisschen Schmerzen, aber nix Wildes, alles entspannt.“

Wichtig war auch Musialas Treffer zum 4:0, der ihm zusätzliches Selbstvertrauen geben dürfte. In der Schlussphase wechselte Nagelsmann noch mehrfach durch und brachte unter anderem den Mainzer Nadiem Amiri, der vom Publikum mit viel Applaus begrüßt wurde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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