In Dortmund dürfte die Stimmung in den kommenden Wochen kaum besser sein: Mit dem umkämpften 1:0-Erfolg in Stuttgart hat Borussia Dortmund nach 1.212 Tagen erstmals wieder die Spitze der Bundesliga übernommen. Torschütze Maximilian Beier freute sich bei Sky über die Momentaufnahme, auch Verteidiger Waldemar Anton sprach von einem verdienten Lohn für die bisherige Arbeit.
Trotz der Tabellenführung nach vier Spieltagen blieb der Jubel beim BVB jedoch bewusst verhalten. Sportdirektor Nils-Ole Book mahnte, den Blick noch nicht zu weit Richtung Saisonende zu richten. Schließlich lauert mit dem FC Bayern ein direkter Konkurrent nur zwei Zähler hinter den Dortmundern.
Dortmund will im Titelrennen mitmischen
Etwas kämpferischer äußerte sich Sport-Geschäftsführer Lars Ricken. Sein Anspruch sei klar: Der BVB wolle für alle Rivalen ein ernstzunehmender Gegner sein – ausdrücklich auch für die Münchner. Mit einem Augenzwinkern griff er dabei eine Bemerkung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf, der sinngemäß gefordert habe, die Bayern sollten möglichst bald wieder vor Dortmund stehen.
Das gute Gefühl vor der Länderspielpause gründet auf dem besten Dortmunder Saisonstart seit elf Jahren. Damals wie heute gelangen vier Siege aus den ersten vier Ligaspielen. TV-Experte Lothar Matthäus sieht darin ein Signal: Dass Dortmund auch enge und komplizierte Partien wie in Stuttgart für sich entscheiden kann, mache die Mannschaft für Bayern gefährlich.
Ricken sieht bestandenes Härtetest-Spiel
In Stuttgart glänzte der BVB zwar nicht mit Offensivspektakel, überzeugte dafür aber mit einer reifen und stabilen Defensivleistung. Ricken sprach von einem bestandenen Stresstest. Im Vergleich zur Vorsaison, als Dortmund an gleicher Stelle 2:0 gewann, ohne vollends zu überzeugen, sei diesmal klar erkennbar gewesen, warum die Mannschaft als Sieger vom Platz ging.

Besonders gefiel Ricken, dass sich sein Team mit Nachdruck gegen den Druck des Gegners stemmte, mutig verteidigte und zugleich versuchte, spielerisch Akzente zu setzen. Vor allem Waldemar Anton verkörperte diese Widerstandskraft. Der frühere Stuttgarter wurde bei nahezu jedem Ballkontakt von den VfB-Fans ausgepfiffen, nahm das aber gelassen. Solche Reaktionen seien inzwischen fast schon Gewohnheit, sagte der Abwehrspieler – und betonte, dass er daraus sogar zusätzliche Energie ziehe.
Beier antwortet mit dem Siegtor
Auch Maximilian Beier setzte aus Dortmunder Sicht ein wichtiges Zeichen. Der flinke Offensivmann erzielte in der 70. Minute nach Vorarbeit von Jobe Bellingham den entscheidenden Treffer. Zuvor hatte ihn der neue Bundestrainer Jürgen Klopp nicht in seinen erweiterten Kader berufen. Laut Ricken hatte Beier diese Nichtnominierung durchaus getroffen.
Trainer Niko Kovac sah darin eine besondere Pointe. Das Leben schreibe eben die schönsten Geschichten, meinte er nach dem Spiel. Beier habe sich mit seinem Tor selbst belohnt und könne nun mit einem guten Gefühl ein paar freie Tage genießen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber