Fußball

Medien: Plant Infantino den Investor-Deal mit der WM?

Verkauft die FIFA ihre WM an Investoren? Ein geheimer Milliardenplan um Infantino wirft brisante Fragen zur Zukunft auf.

28.07.2026, 16:56 Uhr

FIFA plant milliardenschweren Einstieg von Investoren

Die FIFA treibt ihre umstrittenen Pläne für einen milliardenschweren Einstieg von Investoren in die Vermarktung ihrer wichtigsten Wettbewerbe voran. Der Weltverband um Präsident Gianni Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte an seinen Turnieren verkaufen und damit nach eigenen Angaben mehr als vier Milliarden US-Dollar erlösen.

Dafür soll ein neues Tochterunternehmen mit dem Namen FFE gegründet werden. Unter dessen Dach sollen künftig auch weitere Weltmeisterschaften organisiert werden. Die FIFA betont, dass sie Mehrheitseigentümerin bleiben und damit die Kontrolle behalten wolle.

In dem Unternehmen sollen die kommerziellen Rechte an der Männer-WM, der Frauen-WM und der Club-WM gebündelt werden. Nach FIFA-Angaben könnten private Investoren zunächst rund 20 Prozent an FFE erwerben. Der Gesamtwert des Unternehmens werde anfangs auf 20 Milliarden US-Dollar taxiert.

Kleine Verbände sollen ebenfalls beteiligt werden

Auch die 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen kleinere Beteiligungen an dem neuen Unternehmen erhalten. Diese Anteile könnten die Verbände entweder behalten oder veräußern.

Die FIFA erklärte zudem, sie wolle mithilfe der zusätzlichen Einnahmen innerhalb der kommenden vier Jahre zehn Milliarden US-Dollar in die weltweite Entwicklung des Fußballs investieren.

Infantino begründete den Schritt mit einer neuen Wachstumsphase des Weltverbands. Die kommerzielle Seite des Sports solle in einer eigens geschaffenen Struktur als eigenständiges Geschäftsfeld gebündelt werden, damit ihr Wert weltweit besser ausgeschöpft und breiter verteilt werden könne. Jeder Mitgliedsverband solle einen fairen Anteil erhalten, um die eigene Zukunft zu gestalten. Laut Infantino gehe es dabei um die „Demokratisierung des Fußballs weltweit“.

Zugleich kündigte der FIFA-Chef an, auch in die kleinsten und abgelegensten Teile der Fußballwelt massiv investieren zu wollen. Gerade Regionen, die bislang häufig übersehen würden, sollten stärker profitieren.

Kritiker warnen allerdings, dass ein solcher Einstieg den wirtschaftlichen Druck deutlich erhöhen könnte. Nach einem Bericht der „Times“ könnte das dazu führen, dass Weltmeisterschaften künftig noch weiter vergrößert oder häufiger ausgetragen werden.

Nach Darstellung der FIFA soll sie trotz des Einstiegs externer Geldgeber weiter die Kontrolle über den Spielkalender und über Regelfragen behalten.

Deutliche Kritik von der UEFA

Die UEFA reagierte auf erste Medienberichte über das Vorhaben mit scharfer Kritik, kurz darauf bestätigte die FIFA die Pläne selbst. Der europäische Dachverband erklärte, hier werde eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften.

Zugleich kritisierte die UEFA die mangelnde Transparenz. Sinngemäß erklärte sie, Seele und Führung des Fußballs seien keine Handelsware – erst recht nicht, wenn unklar bleibe, wer finanziell davon profitiere. Fußball gehöre niemandem allein und stehe auch für die FIFA nicht einfach zum Verkauf.

Trump-Umfeld und Kushner im Fokus

Laut Berichten sollen bei den Überlegungen auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung unter Donald Trump einbezogen worden sein. Die Investitionspläne seien bereits seit mehreren Monaten vorbereitet worden und müssten noch genehmigt werden.

Die „Financial Times“ schrieb, Technologieinvestor Joshua Kushner führe Gespräche, um mit seinem Fonds Thrive Eternal eine führende Rolle bei dem Einstieg zu übernehmen. Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Ehemann von Trumps Tochter Ivanka.

Inzwischen bestätigte ein FIFA-Sprecher, dass erwartet werde, dass Thrive die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen soll. Die FIFA arbeitet bei dem Vorhaben nach eigenen Angaben mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.

Auch Infantinos Zukunft könnte berührt werden

Sollte die neue Struktur umgesetzt werden, könnte das auch Folgen für die spätere Rolle von FIFA-Präsident Gianni Infantino haben. Nach dem erwarteten Ende seiner letzten Amtszeit bis 2031 wäre es Berichten zufolge denkbar, dass der heute 56-Jährige in dem neuen Unternehmen eine Führungsfunktion übernimmt, etwa als Commissioner oder Geschäftsführer.

Ein FIFA-Sprecher sagte allerdings zugleich, es habe bislang keine Gespräche darüber gegeben, ob Infantino nach dem Ende seiner Amtszeit tatsächlich ein solches Amt übernehmen würde.

Fest steht nach FIFA-Angaben jedoch: Falls das Modell genehmigt wird, müssten der FIFA-Präsident und die Verbandsführung in der neuen Struktur eine maßgebliche Rolle einnehmen, damit der Weltverband gemäß seinen Statuten die Kontrolle über die Tochtergesellschaft behält.

Frühere Vorstöße scheiterten

Ganz neu ist der Anlauf nicht. Bereits 2018 hatte Infantino versucht, für die Club-WM und eine globale Nations League ein milliardenschweres Modell unter Beteiligung saudischer Investoren auf den Weg zu bringen. Damals fehlte innerhalb der FIFA jedoch die nötige Unterstützung, sodass das Projekt scheiterte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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