Das große Open-Air-Spiel auf Schalke ist bereits ausverkauft, und der Deutsche Eishockey-Bund hofft bei der geplanten Weltmeisterschaft im kommenden Mai auf einen Millionengewinn. Trotzdem ist derzeit offen, ob das Turnier tatsächlich wie vorgesehen in Deutschland ausgetragen wird. Auslöser ist die überraschende Entscheidung, russische Teams wieder zu Weltmeisterschaften zuzulassen.
DEB-Vorstandschef Frank Lutz betonte bei MagentaSport, man wolle die Lage nicht dramatisieren. Dennoch müsse sich der Verband auch mit dem Szenario beschäftigen, die WM im Zweifel zurückzugeben. Hintergrund ist das deutliche Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, das DEB und Weltverband IIHF unvorbereitet getroffen hat.
Bundesregierung sieht Cas-Urteil kritisch
Der Cas hatte am Freitag entschieden, dass russische Auswahlmannschaften wieder an WM-Turnieren teilnehmen sollen. Die Bundesregierung reagierte darauf mit deutlicher Skepsis. Ein Regierungssprecher teilte mit, Berlin betrachte die Entscheidung sehr kritisch und wolle sich zeitnah mit dem Deutschen Eishockey-Bund über mögliche Folgen austauschen – auch mit Blick auf die WM in Deutschland.
Damit rückt neben sportlichen und organisatorischen Fragen nun auch die politische Ebene noch stärker in den Fokus.
IIHF will über Konsequenzen beraten
Bereits am Montag will die Führung des Weltverbands das weitere Vorgehen besprechen. IIHF-Präsident Franz Reindl sprach von einer überraschenden Entwicklung – vor allem wegen der Geschwindigkeit und des Umfangs der nun geforderten Umsetzung.
Dabei geht es nicht nur um die Männer-WM im Mai, sondern auch um anstehende Nachwuchsturniere. Besonders im Fokus steht die U20-WM zum Jahreswechsel in Kanada. Dort ist die Lage kompliziert, weil die kanadische Regierung russischen Teams derzeit die Einreise verweigert. Eine offizielle Mitteilung an Verband oder Ausrichter gebe es laut Reindl allerdings noch nicht.
Keine Klarheit bei Visa-Fragen
Auch in Deutschland ist die Visa-Frage offen. Die Bundesregierung verwies darauf, dass sie sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Kreis der Schengen-Staaten für eine einheitlich restriktive Visapolitik gegenüber Russland einsetzt. Ob russische Teams im Fall einer Rückkehr also tatsächlich problemlos einreisen könnten, ist damit keineswegs sicher.
Gerade deshalb hofft der DEB nun vor allem auf schnelle Antworten aus der Politik und vom Weltverband.
Auch Boykotte sind nicht ausgeschlossen
Neben organisatorischen Fragen steht auch ein möglicher Boykott einzelner Nationen im Raum. Vor allem Kanada sowie mehrere skandinavische und osteuropäische Länder könnten bei einer Rückkehr Russlands empfindlich reagieren. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in diesen Regionen die Sicherheitsbedenken weiter verstärkt.
Lutz verwies darauf, dass durchaus die Gefahr bestehe, dass einzelne Verbände unter diesen Umständen nicht am Turnier teilnehmen wollen.
Mehrkosten und offene Fragen für den DEB
Für den DEB bedeutet die Situation große Unsicherheit. Die Gruppen sind bereits ausgelost, der Spielplan ist erstellt, und auch das Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft am 13. Mai auf Schalke gegen die Schweiz ist fest eingeplant.
Wirtschaftlich wäre eine reguläre Heim-WM für den Verband attraktiv. Durch die neue Lage könnten jedoch zusätzliche Belastungen entstehen, vor allem bei Sicherheitsmaßnahmen, die nun deutlich stärker ins Gewicht fallen als ursprünglich angenommen.
Verband wartet auf Entscheidung über Teilnehmerfeld
Nach Worten von Lutz müsse zunächst geklärt werden, wie das Teilnehmerfeld künftig aussehen soll und ob der bestehende Spielplan verändert werden muss. Zwar richtet der deutsche Verband die WM aus, Veranstalter ist jedoch der Weltverband.
Noch sei völlig offen, ob Russland tatsächlich wieder aufgenommen wird und welches Team dadurch seinen Platz verlieren würde.
Ukraine könnte besonders hart betroffen sein
Brisant wäre vor allem der Fall, dass die IIHF am Modus mit 16 Mannschaften festhält. Dann könnte ausgerechnet die Ukraine als zweiter Aufsteiger wieder aus dem Teilnehmerfeld herausfallen.
Lutz bezeichnete ein solches Signal bereits als äußerst problematisch. Mit Blick auf Glaubwürdigkeit und Integrität des Sports wäre ein solcher Schritt besonders heikel.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber