Kane schießt Bayern zum 21. Pokalsieg
Der FC Bayern München hat das DFB-Pokalfinale gewonnen und damit das Double perfekt gemacht. Beim 3:0 (0:0) gegen Titelverteidiger VfB Stuttgart war Harry Kane im Berliner Olympiastadion mit drei Treffern der überragende Mann. In einer lange zähen Partie setzte sich die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany am Ende hochverdient durch.
Unmittelbar nach dem Abpfiff stürmten die Bayern-Profis auf Kane zu, kurz darauf nahm Kompany seinen Matchwinner innig in den Arm. Der englische Torjäger hatte zunächst per Kopf nach einer präzisen Flanke von Michael Olise getroffen (55.), dann mit einem starken rechten Fuß im Strafraum auf 2:0 erhöht (80.). In der zweiten Minute der Nachspielzeit verwandelte er zudem einen Handelfmeter sicher und machte seinen Hattrick perfekt. Es war Kanes 60. Pflichtspieltor in dieser Saison.
"Ich habe mich so auf dieses Finale gefreut. Ich wollte die Fans stolz machen. Ein Hattrick im Finale in einem so besonderen Spiel ist ein besonderes Gefühl", sagte Kane bei Sky. Im laufenden Pokalwettbewerb kam er damit auf zehn Treffer.
Bayern dürfen nach sechs Jahren wieder jubeln
Sechs Jahre nach dem bislang letzten Pokalsieg in Berlin holten die Münchner ihren 21. Titel im Wettbewerb. Mitten in der Jubeltraube stand auch Manuel Neuer, der wegen Wadenproblemen nicht mitwirken konnte. Für den 40-Jährigen war es dennoch der siebte Pokal-Triumph – damit zog er mit Bastian Schweinsteiger als Rekordsieger gleich.
Auch Joshua Kimmich sprach von einem besonderen Erfolg und betonte, wie sehr die Mannschaft diesen Titel für sich, ihre Familien und den Verein habe holen wollen.
Der Sieg rundete eine starke Saison ab. Nach dem bereits früh gesicherten Meistertitel in der Bundesliga und dem unglücklichen Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris Saint-Germain war zuletzt diskutiert worden, wie die Spielzeit insgesamt zu bewerten sei. Kane selbst hatte davor gewarnt, ohne Pokalsieg würde ein bitterer Nachgeschmack bleiben. Nun endete die Saison stattdessen mit großer Erleichterung und der nächsten Münchner Partynacht.
Stuttgart hält lange stark dagegen
Ohne Kapitän Neuer taten sich die Bayern zunächst schwer. Stuttgart-Trainer Sebastian Hoeneß hatte von seinem Team Mut und Überzeugung in allen Spielphasen gefordert – und der VfB setzte diesen Plan als selbstbewusster Außenseiter lange konsequent um.
Die erste gute Gelegenheit gehörte den Schwaben: Jonas Urbig spielte im Aufbau einen unsauberen Pass, doch Angelo Stiller verzog deutlich. Auch Maximilian Mittelstädt, ebenso wie Chris Führich nicht für die WM nominiert, kam mehrfach zum Abschluss und sorgte früh für Gefahr (9./17.). Bundestrainer Julian Nagelsmann, der das Finale im Stadion verfolgte, hatte im Vorfeld vermutet, dass gerade die nicht berufenen Spieler besonders motiviert auftreten würden.
Stuttgart störte das Münchner Spiel mit großem läuferischem Aufwand und aggressivem Pressing. Die Bayern fanden zunächst kaum Lösungen und mussten oft auf lange Bälle ausweichen. Erst ein Kopfball von Kane brachte eine erste Annäherung, später kam auch Luis Díaz zu einem Abschluss (30.).
Zur Wahrheit dieses Finales gehörte aber auch: Mit zunehmender Spieldauer verschob sich die Partie immer mehr in Richtung Stuttgarter Hälfte. Der VfB hielt zur Pause noch stand, obwohl die Bayern inzwischen mehr Ballbesitz hatten.
Fanproteste, Rauch und dann der Kane-Moment
Zu Beginn der zweiten Halbzeit sorgten beide Fanlager mit einer abgestimmten Protestaktion gegen den DFB für Aufsehen. Mit Sprechchören, Transparenten und massiver Pyrotechnik machten sie ihrem Ärger Luft. Dichte Rauchschwaden zogen durch das Olympiastadion.
Mitten in dieser Phase schlugen die Bayern zu: Olise flankte punktgenau, Kane köpfte eiskalt zum 1:0 ein. Kurz danach musste das Spiel wegen des Rauchs für rund fünf Minuten unterbrochen werden.
Nach der Fortsetzung verpasste Konrad Laimer zunächst das mögliche 2:0, als er nach einer Parade von Alexander Nübel freistehend vergab. Doch nun kontrollierten die Münchner die Partie klar. Kane erhöhte in der Schlussphase mit seinem zweiten Treffer und setzte vom Punkt den Schlusspunkt.
VfB geht leer aus, kann aber stolz sein
Für Stuttgart endete der Traum von der Titelverteidigung trotz eines engagierten Auftritts ohne Happy End. Vor 74.036 Zuschauern fehlte der VfB-Abwehr in den entscheidenden Momenten die letzte Konsequenz. Offensiv fanden die Schwaben nach dem Rückstand keine Antwort mehr.
"Wir wollten gewinnen. Das haben wir nicht geschafft. Wir können aber trotzdem stolz sein, denn wir haben eine überragende Saison gespielt", sagte Deniz Undav. Und tatsächlich hatte der VfB den Bayern lange große Probleme bereitet.
Vor einem Jahr hatten die Stuttgarter noch mit einem 4:2 gegen Arminia Bielefeld den Pokal gewonnen – damals der bisherige Höhepunkt unter Hoeneß, der den Verein in wenigen Jahren vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Teilnehmer und Pokalsieger geformt hatte. Diesmal aber gehörte die Nacht ganz den Münchnern – und vor allem Harry Kane.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion