Würzburger Kickers feiern Rückkehr in die 3. Liga
Michael Schiele suchte nach dem Schlusspfiff zwar schnell das Weite, der obligatorischen Bierdusche seiner Mannschaft konnte der Trainer der Würzburger Kickers aber nicht entkommen. Nach dem 1:0 im Hinspiel bei Lok Leipzig und dem 2:1 im Rückspiel vor eigenem Publikum steht fest: Die Unterfranken kehren nach vier Jahren zurück in die 3. Liga und damit in den Profifußball.
Wieder im Profifußball angekommen
Schiele zeigte sich nach dem geglückten Aufstieg hochzufrieden. Er habe das Ziel gehabt, mit Würzburg aufzusteigen, und seine Mannschaft habe sich in den vergangenen Wochen stark entwickelt. Besonders wichtig: Die Kickers gingen ungeschlagen in die Relegation und überzeugten auch im entscheidenden zweiten Spiel mit einem souveränen Auftritt.
Ab der kommenden Saison warten damit deutlich attraktivere Gegner auf die Würzburger als zuletzt in der Regionalliga. Statt Klubs wie Buchbach oder Ansbach heißen die möglichen Kontrahenten nun wieder Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf.
Schiele gibt die Feierlichkeiten frei
Seit Schiele im März das Traineramt übernommen hatte, zeigte die Mannschaft einen klaren Aufwärtstrend. Für den 48-Jährigen ist es bereits das nächste erfolgreiche Kapitel in Würzburg, nachdem er den Verein schon in seiner ersten Amtszeit zwischen 2017 und 2020 geprägt hatte.
Allerdings profitierte der Club auch von einer besonderen Konstellation: Erst durch den Aufstiegsverzicht des Regionalliga-Meisters 1. FC Nürnberg II erhielt Würzburg überhaupt die Chance auf die Relegation gegen Nordost-Meister Lok Leipzig. Diese Gelegenheit nutzten die Kickers konsequent und setzten sich in beiden Spielen durch.

Während Vorstandschef André Herber trotz der Euphorie auf die anstehenden Aufgaben verwies, war Schiele deutlich lockerer unterwegs. In Jeans und durchnässtem T-Shirt kündigte er nach dem Spiel bei MagentaSport an, dass nun erst einmal gefeiert werde. Seine Mannschaft wolle die Stadt auf den Kopf stellen, sagte er sinngemäß, und die Feierlichkeiten dürften sich über mehrere Tage ziehen.
Kurzweg hört als Profi mit Aufstieg auf
In sportlicher Hinsicht waren in dieser Saison besonders die beiden Angreifer Jermain Nischalke und Tarsis Bonga wichtige Faktoren für den Erfolg. In der 3. Liga darf sich Würzburg nun auf reizvolle Duelle etwa mit Ingolstadt oder Regensburg freuen.
Nicht mehr dabei sein wird dann allerdings Peter Kurzweg. Der erfahrene Führungsspieler beendet seine Profikarriere und will künftig nur noch in der Bezirksliga auflaufen. Der 32-Jährige erklärte nach dem Spiel, es sei für ihn ein perfekter Moment, an diesem Ort und vor ausverkauftem Haus mit einem Aufstieg Abschied vom Profifußball zu nehmen. Entsprechend groß sei sein Glücksgefühl. In seiner Laufbahn spielte Kurzweg unter anderem auch für 1860 München, Union Berlin und den FC Ingolstadt.
Frust bei Lok Leipzig über das Aufstiegssystem
Für Lok Leipzig ist das Scheitern besonders bitter. Nach 2020 und 2025 verpasst der Club damit bereits zum dritten Mal in der Relegation den Aufstieg. Der Ärger darüber richtet sich nicht nur gegen das sportliche Ergebnis, sondern auch gegen die Struktur des Aufstiegssystems.
Hintergrund ist, dass aus den fünf Regionalliga-Staffeln nur vier Mannschaften in den Profifußball aufsteigen dürfen. Leipzig gehört damit erneut zu den Verlierern eines Modells, das seit Jahren in der Kritik steht. Vor allem im Osten sorgt die Regelung für Unmut, weil sie aus Sicht vieler Vereine die 3. Liga zunehmend zu einer westlich geprägten Spielklasse macht.
In der kommenden Saison werden 19 Clubs aus dem Westen sowie Hansa Rostock in der 3. Liga vertreten sein. Diese Entwicklung hängt auch mit der seit 2021 geltenden Reform zusammen, nach der die Meister der Regionalligen Südwest und West direkt aufsteigen. Nach dem Abpfiff machten die Leipziger Fans ihren Unmut deutlich: Auf einem Banner war die Botschaft zu lesen, dass das bestehende System krank sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion