Hoeneß nach Musialas erneutem Zusammenbruch alarmiert: «Ein Drama»
Jamal Musiala ist erneut auf dem Platz zusammengesackt – und die Sorge beim FC Bayern München ist groß. Nach dem 4:2-Erfolg im Testspiel beim 1. FC Heidenheim meldete sich der Nationalspieler zwar selbst zu Wort und gab Entwarnung. Nun hat auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß die Betroffenheit im Verein deutlich gemacht.
„Das Wichtigste zuerst: Mir geht es gut!“, schrieb Musiala am Dienstagabend in den sozialen Netzwerken. Bei ihm seien vorübergehend auftretende, medizinisch gut behandelbare Absencen festgestellt worden. Diese stünden im Zusammenhang mit einer neurologischen Funktionsstörung und könnten die Vorfälle erklären, die zuletzt sowohl gegen RB Leipzig als auch nun in Heidenheim aufgetreten seien.
Nach Angaben des Offensivspielers befindet er sich in intensiver medizinischer Betreuung. Ein weitergehendes gesundheitliches Risiko bestehe nicht. Unter seinem Beitrag meldeten sich noch in der Nacht zahlreiche Weggefährten. Thomas Müller schrieb: „Keine Sorge, Jamal, wir stehen an deiner Seite.“ Auch Manuel Neuer, Dayot Upamecano und weitere Bayern-Profis reagierten mit Zuspruch.
Hoeneß zeigt sich tief betroffen
Uli Hoeneß reagierte nach dem erneuten Zwischenfall schockiert. „Es ist ein Drama – speziell für den Jamal“, sagte der Ehrenpräsident im Interview bei RTL/Sky. Die beiden Vorfälle binnen weniger Tage seien vor allem für Musiala als Menschen belastend. Hoeneß erklärte, er beschäftige sich ständig mit der Situation und denke morgens wie abends an den 23-Jährigen.
Zugleich betonte er die volle Rückendeckung des Vereins. Musiala habe „bedingungslose Unterstützung in jeder Hinsicht“. Mittelfristig sei die Entwicklung aber auch für den FC Bayern eine Herausforderung. Im Klub sei man derzeit „ziemlich sprachlos“, weil man sich auf diese Häufung nicht habe vorbereiten können und erst lernen müsse, mit der neuen Lage umzugehen.
Verein war informiert – neuerliche Häufung überraschte dennoch
Nach Hoeneß’ Angaben war dem FC Bayern die Problematik grundsätzlich bekannt. Mit dieser Häufung habe jedoch niemand gerechnet. Nach dem Spiel gegen Leipzig sei intern vereinbart worden, dass Musiala bei einem weiteren Vorfall selbst an die Öffentlichkeit gehen werde. Genau das tat der Nationalspieler dann noch am Abend nach dem Test in Heidenheim.
Der Begriff Absencen beschreibt kurze Phasen von Abwesenheit oder Weggetretensein. Dabei handelt es sich um eine Form epileptischer Anfälle. Aus dem Vereinsumfeld hieß es, Musialas Einsätze in den beiden Partien seien medizinisch umfassend abgestimmt und aus ärztlicher Sicht unbedenklich gewesen.
Hoeneß sagte zudem, dem Verein liege eine schriftliche Erklärung der behandelnden Neurologen vor, wonach „keine Bedenken gegen einen Hochleistungssport“ bestünden. Ohne eine solche Einschätzung hätte der Club nicht so handeln dürfen. Seit dieser Rückmeldung schlafe man beim FC Bayern zumindest etwas ruhiger.
Ob Musiala bereits am Samstag im Supercup gegen Borussia Dortmund wieder zum Kader gehören wird, ist derzeit offen.
Der Bayern-Profi musste in den vergangenen Monaten bereits mehrere Rückschläge verkraften. Ein Rückblick:
Schwere Verletzung bei der Club-WM
Am 5. Juli 2025 nahm die Club-WM für Musiala ein dramatisches Ende. Beim 0:2 der Bayern im Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain verletzte sich der Offensivspieler bei einem heftigen Zusammenprall mit Torhüter Gianluigi Donnarumma schwer. Musiala blieb mit großen Schmerzen am Boden liegen.
Bereits einen Tag später wurde er mit einem Krankenflugzeug nach Deutschland gebracht. Dort wurden ein Wadenbeinbruch und ein massiv in Mitleidenschaft gezogenes Sprunggelenk operiert. Es folgte eine monatelange Rehabilitationsphase, in der es auch kleinere Rückschläge gab. Schon vor der Club-WM hatte Musiala zudem einen Muskelbündelriss erlitten.
Rückkehr ohne gewohnte Leichtigkeit
Nach seinem Comeback fand Musiala zunächst nicht zu seiner früheren Topform zurück. Im März kam der nächste Dämpfer hinzu: Am zuvor schwer verletzten Sprunggelenk trat eine Schmerzreaktion auf, weshalb er erneut pausieren musste.
Daraufhin entbrannte sogar eine Debatte über einen möglichen WM-Verzicht. Ex-Bayern-Chef Oliver Kahn sprach eine entsprechende Empfehlung aus. Sportvorstand Max Eberl hielt diese Diskussionen Mitte April jedoch für verfrüht. Bei Sky bezeichnete er Musiala als „Gefühlsfußballer“. Die Verletzung bei der Club-WM sei ein harter Einschnitt gewesen. Musiala habe den Zustand seines Knöchels selbst gesehen und müsse das nicht nur körperlich, sondern auch mental verarbeiten. Eberl zeigte sich dennoch überzeugt, dass er das hinter sich lassen werde.
WM endet mit Enttäuschung
Sportlich verlief auch die Weltmeisterschaft nicht wie erhofft. Deutschland schied bereits im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus. Für Musiala und die Nationalmannschaft war das ein bitterer Rückschlag.
Gemeinsam mit Florian Wirtz konnte der Jungstar dem deutschen Offensivspiel nicht den erhofften Stempel aufdrücken. Sein einziges Tor aus dem Spiel heraus erzielte er beim 7:1 gegen Curaçao. Gegen Paraguay verwandelte er zwar seinen Elfmeter, am Ausscheiden der DFB-Auswahl änderte das aber nichts.
Geplanter Eingriff im Sommer
Nach der WM musste sich Musiala noch einmal einer Operation unterziehen. Der FC Bayern sprach von einem „kleinen, geplanten Routine-Eingriff“, der Teil des normalen medizinischen Verlaufs nach der schweren Verletzung aus dem Sommer zuvor sei.
Wie die „Bild“ berichtete, wurde dabei die Metallplatte aus seinem linken Fuß entfernt. Die Asienreise des FC Bayern Anfang August verpasste Musiala deshalb und arbeitete stattdessen in München an seinem Fitnesszustand.
Sorge schon gegen Leipzig – erneuter Vorfall in Heidenheim
Bereits beim 3:1 gegen RB Leipzig hatte es einen Schreckmoment gegeben. Musiala sank zu Boden, Mitspieler riefen sofort die Ärzte, und Sanitäter brachten vorsorglich bereits eine Trage aufs Feld.
Als der Nationalspieler den Platz schließlich benommen, aber zu Fuß verlassen konnte, war die Erleichterung groß. Nur drei Tage später brach er in Heidenheim erneut kurz nach seiner Einwechslung zusammen, wurde behandelt und anschließend wieder ausgewechselt. Danach erklärte Musiala selbst die medizinische Ursache und gab zugleich Entwarnung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber