Hoeneß nach Musialas erneutem Zusammenbruch alarmiert: „Ein Drama“
Jamal Musiala ist erneut auf dem Platz zusammengesackt – und beim FC Bayern München ist die Sorge groß. Nach dem 4:2 im Testspiel beim 1. FC Heidenheim meldete sich der Nationalspieler zwar selbst zu Wort und gab vorsichtige Entwarnung. Nun hat auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß die Betroffenheit im Verein deutlich gemacht.
„Das Wichtigste zuerst: Mir geht es gut!“, schrieb Musiala am Dienstagabend in den sozialen Medien. Bei ihm seien vorübergehend auftretende, medizinisch gut behandelbare Absencen festgestellt worden. Diese stünden mit einer neurologischen Dysfunktion in Zusammenhang und könnten die Vorfälle erklären, die zuletzt sowohl gegen RB Leipzig als auch nun in Heidenheim aufgetreten seien.
Nach Angaben des Offensivspielers befindet er sich in intensiver medizinischer Betreuung. Ein weitergehendes gesundheitliches Risiko bestehe nicht. Unter seinem Beitrag meldeten sich zahlreiche Weggefährten mit Zuspruch. Thomas Müller schrieb: „Keine Sorge, Jamal, wir stehen an deiner Seite.“ Auch Manuel Neuer, Dayot Upamecano und weitere Bayern-Profis reagierten unterstützend.
Hoeneß zeigt sich tief betroffen
Uli Hoeneß reagierte nach dem erneuten Zwischenfall schockiert. „Es ist ein Drama – speziell für den Jamal“, sagte der Ehrenpräsident im Interview bei RTL/Sky. Die zwei Vorfälle binnen weniger Tage seien vor allem für Musiala als Menschen belastend.
Hoeneß schilderte auch, wie sehr ihn die Situation persönlich beschäftigt. Er gehe mit dem Gedanken an Musiala ins Bett und wache auch wieder mit diesem Gedanken auf. Zugleich betonte der 74-Jährige die volle Rückendeckung des Vereins: Musiala habe „bedingungslose Unterstützung in jeder Hinsicht“.
Mittelfristig sei die Entwicklung aber auch für den FC Bayern eine Herausforderung. Im Club sei man derzeit „im Moment ehrlich gesagt ziemlich sprachlos“, sagte Hoeneß. Man habe sich auf diese Situation nicht vorbereiten können und müsse erst lernen, damit umzugehen.
Verein war informiert – Häufung überraschte dennoch
Nach Hoeneß’ Angaben war dem FC Bayern die Problematik grundsätzlich bekannt. „Wir haben mit allem gerechnet, nur nicht mit dieser Häufung“, sagte er. Gerade das erneute Auftreten innerhalb weniger Tage habe die Lage verschärft.
Nach dem Spiel gegen Leipzig habe es deshalb eine klare interne Absprache gegeben: Sollte es noch einmal zu einem solchen Vorfall kommen, werde Musiala selbst an die Öffentlichkeit gehen. Genau so kam es nach dem Testspiel in Heidenheim.
Der Begriff Absencen beschreibt kurze Phasen der Abwesenheit oder des Weggetretenseins. Es handelt sich dabei um eine Form epileptischer Anfälle. Aus dem Vereinsumfeld hieß es, Musialas Einsätze in den beiden Partien seien medizinisch umfassend abgestimmt und aus ärztlicher Sicht völlig unbedenklich gewesen.
„Keine Bedenken gegen einen Hochleistungssport“
Hoeneß sagte zudem, dem Verein liege eine schriftliche Erklärung der behandelnden Neurologen vor, wonach „keine Bedenken gegen einen Hochleistungssport“ bestünden. Ohne eine solche Einschätzung, so Hoeneß, hätte der Club fahrlässig gehandelt.
Seit dieser Rückmeldung schlafe man in München „ein bissl ruhiger“. Dennoch müsse sich der Verein erst an die neue Situation herantasten.
Ob Musiala bereits am Samstag im Supercup gegen Borussia Dortmund wieder zum Kader gehören wird, ist offen.
Schwere Verletzung bei der Club-WM
Am 5. Juli 2025 nahm die Club-WM für Musiala ein dramatisches Ende. Beim 0:2 der Bayern im Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain verletzte sich der Offensivspieler bei einem heftigen Zusammenprall mit Torhüter Gianluigi Donnarumma schwer. Musiala blieb mit großen Schmerzen am Boden liegen.
Bereits einen Tag später wurde er mit einem Krankenflugzeug nach Deutschland gebracht. Dort wurden ein Wadenbeinbruch und ein massiv in Mitleidenschaft gezogenes Sprunggelenk operiert. Es folgte eine monatelange Rehabilitationsphase, in der es auch kleinere Rückschläge gab. Schon vor der Club-WM hatte Musiala zudem einen Muskelbündelriss erlitten.
Rückkehr ohne gewohnte Leichtigkeit
Nach seinem Comeback fand Musiala zunächst nicht zu seiner früheren Topform zurück. Im März kam der nächste Dämpfer hinzu: Am zuvor schwer verletzten Sprunggelenk trat eine Schmerzreaktion auf, weshalb er erneut pausieren musste.
Daraufhin entbrannte sogar eine Debatte über einen möglichen WM-Verzicht. Ex-Bayern-Chef Oliver Kahn sprach eine entsprechende Empfehlung aus. Sportvorstand Max Eberl hielt diese Diskussionen Mitte April jedoch für verfrüht. Bei Sky bezeichnete er Musiala als „Gefühlsfußballer“. Die Verletzung bei der Club-WM sei ein harter Einschnitt gewesen. Musiala habe den Zustand seines Knöchels selbst gesehen und müsse das nicht nur körperlich, sondern auch mental verarbeiten. Eberl zeigte sich dennoch überzeugt, dass er das hinter sich lassen werde.
WM endet mit Enttäuschung
Sportlich verlief auch die Weltmeisterschaft nicht wie erhofft. Deutschland schied bereits im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus. Für Musiala und die Nationalmannschaft war das ein bitterer Rückschlag.
Gemeinsam mit Florian Wirtz konnte der Jungstar dem deutschen Offensivspiel nicht den erhofften Stempel aufdrücken. Sein einziges Tor aus dem Spiel heraus erzielte er beim 7:1 gegen Curaçao. Gegen Paraguay verwandelte er zwar seinen Elfmeter, am Ausscheiden der DFB-Auswahl änderte das aber nichts.
Geplanter Eingriff im Sommer
Nach der WM musste sich Musiala noch einmal einer Operation unterziehen. Der FC Bayern sprach von einem „kleinen, geplanten Routine-Eingriff“, der Teil des normalen medizinischen Verlaufs nach der schweren Verletzung aus dem Sommer zuvor sei.
Wie die „Bild“ berichtete, wurde dabei die Metallplatte aus seinem linken Fuß entfernt. Die Asienreise des FC Bayern Anfang August verpasste Musiala deshalb und arbeitete stattdessen in München an seinem Fitnesszustand.
Sorge schon gegen Leipzig – erneuter Vorfall in Heidenheim
Bereits beim 3:1 gegen RB Leipzig hatte es einen Schreckmoment gegeben. Musiala sank zu Boden, Mitspieler riefen sofort die Ärzte, und Sanitäter brachten vorsorglich bereits eine Trage aufs Feld.
Als der Nationalspieler den Platz schließlich benommen, aber zu Fuß verlassen konnte, war die Erleichterung groß. Nur drei Tage später brach er in Heidenheim erneut kurz nach seiner Einwechslung zusammen, wurde behandelt, vom Feld gebracht und anschließend wieder ausgewechselt. Danach erklärte Musiala selbst die medizinische Ursache und gab zugleich Entwarnung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber