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Finalfluch! Schweiz nur «Weltmeister der Herzen»

Alles war angerichtet: 10.000 Fans, Federer in der Kabine – und doch zerbricht die Schweiz im WM-Finale wieder. Woran liegt’s?

01.06.2026, 08:58 Uhr

Erneut kein Titel: Schweizer Eishockey-Team scheitert wieder im WM-Finale

Tränen bei den Schweizer NHL-Profis, bedrückte Stille in der Arena in Zürich und ausgelassene Jubelszenen bei Finnland: Das Trauma der verlorenen WM-Endspiele begleitet die Schweiz weiter. Stürmer Christoph Bertschy brachte die Enttäuschung drastisch auf den Punkt: „Es ist einfach zum Kotzen.“ Wie schon nach den Finalniederlagen 2013, 2018, 2024 und 2025 mussten die Schweizer erneut mitansehen, wie der Gegner den Pokal stemmte. Die Zeitung „Blick“ nannte das Team treffend „Weltmeister der Herzen und Schmerzen“.

Dabei schien alles für den ersten WM-Titel angerichtet. Rund 10.000 Fans sorgten in Zürich für eine große Kulisse, im ganzen Land herrschte Euphorie. Mit Roger Federer und Ski-Ass Marco Odermatt bekam die Mannschaft prominente Unterstützung in der Kabine. Auch musikalisch war mit „W. Nuss vo Bümpliz“ von Patent Ochsner eine Art Turnierhymne entstanden. Doch ausgerechnet am Sonntagabend blieb das Lied aus – anders als in den neun Spielen zuvor. Nach einer starken WM mit teils spektakulären Siegen und einem Torverhältnis von 48:8 fehlte am Ende erneut nur der letzte Schritt.

Goldene Generation weiter ohne Titel

Die viel gelobte Generation um NHL-Verteidiger Roman Josi von den Nashville Predators wartet damit weiter auf ihre Krönung. Kapitän Josi sagte nach der fünften Finalniederlage im fünften Endspiel, die Mannschaft habe das Gefühl gehabt, dass diesmal ihr Tag gekommen sei. Erstmals ging die Schweiz sogar als Favorit in ein WM-Finale – und scheiterte dennoch an den eigenen Erwartungen.

Für zentrale Spieler wie den 36 Jahre alten Josi, Torhüter Leonardo Genoni (38) oder Stürmer Nino Niederreiter (33) werden die Gelegenheiten auf Gold nicht mehr zahlreich sein. Niederreiter machte klar, dass die verbleibenden Jahre gerade für ihn überschaubar seien. Zwar hat sich die Schweiz längst als ernsthafte Eishockey-Nation etabliert, doch die Breite an Spitzenspielern, wie sie Schweden, Finnland, die USA oder Kanada besitzen, fehlt weiterhin.

In Zürich zeigte sich erneut ein bekanntes Muster. Schon in den Turnieren 2024 und 2025 war die Schweiz in der Vorrunde stark und verlor erst im Finale den Faden. Auch diesmal dominierte das Team früh, fügte Deutschland beim 6:1 eine klare Niederlage zu und marschierte souverän durch die Gruppenphase. In der K.o.-Runde setzte sich der Gastgeber ebenfalls durch und warf mit einem 3:1 gegen Angstgegner Schweden sogar einen großen Rivalen aus dem Turnier – bis wieder das Endspiel kam.

Im Finale fehlt erneut die Durchschlagskraft

Niederreiter beklagte nach dem Spiel, dass der Mannschaft im entscheidenden Moment erneut die Mittel gefehlt hätten, um Tore zu erzielen. Genau das zieht sich inzwischen durch mehrere Endspiele: Vor zwei Jahren blieb die Schweiz beim 0:2 gegen Tschechien ohne Treffer, vor einem Jahr verlor sie 0:1 nach Verlängerung gegen die USA, und nun entschied Finnlands Konsta Helenius das Finale in der Overtime als einziger Torschütze.

Trainer Jan Cadieux erklärte, die Nervosität habe sein Team spürbar gehemmt. Der 50-Jährige hatte die Mannschaft erst wenige Wochen zuvor übernommen, nachdem Erfolgscoach Patrick Fischer seinen Posten räumen musste. Hintergrund war das Bekanntwerden eines gefälschten Covid-Impfzertifikats im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2022 in Peking.

Nicht wegen der erneuten Finalniederlage, sondern wegen des anhaltenden Wirbels um diesen Skandal zog Verbandspräsident Urs Kessler nun Konsequenzen. Der 64-Jährige trat am Montag nach nicht einmal neun Monaten im Amt mit sofortiger Wirkung zurück. Er erklärte, er wolle den Weg für einen Neuanfang freimachen, den der Verband dringend brauche. Kessler hatte Fischer zunächst gestützt, sich später unter wachsendem Druck aber doch für eine Trennung entschieden. Das sorgte bereits in der WM-Vorbereitung für erhebliche Unruhe.

Nächste Gelegenheit ausgerechnet in Deutschland

Die nächste WM-Chance bietet sich der Schweiz ausgerechnet im Land des langjährigen Erzrivalen. Bei der kommenden Weltmeisterschaft 2027 in Mannheim und Düsseldorf wird die „Nati“ als neuer Spitzenreiter der Weltrangliste erneut zu den Favoriten gehören. Während Deutschland früher noch auf Augenhöhe war, hat sich die Schweiz inzwischen deutlich abgesetzt.

Timo Meier von den New Jersey Devils kündigte bereits an, dass die Mannschaft wieder aufstehen werde. Unmittelbar nach dem verlorenen Finale überwog jedoch vor allem eines: tiefe Leere und bittere Enttäuschung. Meier brachte das Gefühl der Mannschaft auf einen knappen Nenner: Im Moment sei alles einfach nur ein beschissenes Gefühl.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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