Pesic will dem Basketball wohl weiter erhalten bleiben
Svetislav Pesic ohne Basketball? Für viele kaum denkbar. Deshalb überrascht es wenig, dass der 76 Jahre alte Serbe trotz seines angekündigten Rückzugs als Trainer nach Saisonende bereits andeutet, dem Sport und dem FC Bayern in anderer Rolle verbunden bleiben zu wollen. In einem Interview mit Sport1 erklärte Pesic, er könne sich gut vorstellen, dem Klub auch künftig zu helfen. München bleibe ohnehin sein Lebensmittelpunkt, und der FC Bayern liege ihm besonders am Herzen.
Rückkehr kurz vor Weihnachten
Genau diese enge Bindung war offenbar auch der Grund, warum Pesic im vergangenen Jahr noch einmal an die Seitenlinie zurückkehrte. Nach der Trennung von Weltmeistertrainer Gordon Herbert übernahm der erfahrene Coach kurz vor Weihnachten das zu diesem Zeitpunkt verunsicherte Münchner Star-Ensemble.
Für die Playoffs der Euroleague reichte es zwar nicht mehr, doch Pesic schaffte es, die Mannschaft zu stabilisieren. In der Bundesliga behaupteten die Bayern souverän Rang eins vor Alba Berlin und starten deshalb mit Heimvorteil und als klarer Favorit in die nun beginnende Meisterrunde. Für Pesic werden es die letzten Playoffs als Trainer sein – idealerweise mit einem weiteren Titel zum Abschied.
Eine außergewöhnliche Trainerlaufbahn
Ein Meistertitel wäre der passende Schlusspunkt unter eine beeindruckende Karriere. Kaum ein anderer Trainer hat den europäischen Basketball über Jahrzehnte so stark geprägt wie Pesic, der am 28. August 1949 im serbischen Novi Sad geboren wurde. 1993 führte er Deutschland in der Münchner Olympiahalle überraschend zum EM-Triumph. Mit Jugoslawien gewann er später sowohl bei der Europameisterschaft 2001 als auch bei der Weltmeisterschaft 2002 Gold.

Auch viele Jahre später blieb er erfolgreich: Bei den Olympischen Spielen in Paris holte er mit Serbien Bronze, nachdem sein Team ein Jahr zuvor im WM-Finale noch Deutschland unterlegen war. Auf Vereinsebene setzte Pesic ebenfalls deutliche Spuren – unter anderem bei Alba Berlin, wo er 1995 den Korac-Cup gewann, beim FC Barcelona mit dem Euroleague-Titel 2003 und natürlich beim FC Bayern.
Große Anerkennung auch aus der Familie
Nach dem Olympiabronze-Gewinn fand sein Sohn Marko, der als maßgeblicher Gestalter des Basketball-Projekts in München gilt, besonders lobende Worte für seinen Vater. Er betonte, Pesic habe bei nahezu jedem großen Turnier im Jugend- und Herrenbereich eine Medaille gewonnen. Für ihn sei der Vater ein Vorbild in Sachen Hingabe, Einsatz und Lernbereitschaft.
Leidenschaftlich und fordernd
Pesic war an all seinen Stationen für seine intensive Art bekannt. Immer wieder geriet er lautstark mit Spielern oder Schiedsrichtern aneinander. Erst vor kurzem sorgte ein Video in sozialen Netzwerken für Aufsehen, in dem er fast die komplette Bayern-Mannschaft energisch bearbeitete. Pesic selbst sagt über sich, dass er sehr intensiv lebe und dieselbe Haltung auch von seinem Umfeld erwarte. Einfach sei der Umgang mit ihm daher nicht immer.
Abschied vom Trainerstress
Nun aber soll Schluss sein mit dem täglichen Druck an der Seitenlinie. In einem Interview mit der Zeit schilderte Pesic, wie ihm Anfang Januar vor einem Euroleague-Spiel im Hotel plötzlich bewusst wurde, dass er bald 77 Jahre alt sei und noch immer als Trainer arbeite. In diesem Moment habe er sich gesagt, dass es Zeit sei aufzuhören.
Damit nähert sich eine große Karriere tatsächlich ihrem Ende. Das Trainerleben habe ihn stets jung gehalten, sagte Pesic einmal. Ein Vorteil des Berufs sei, dass er nicht mit Gleichaltrigen beim Abendessen über Krankheiten und Beschwerden sprechen müsse. Seine Bilanz in der kürzlich erschienenen Biografie Immer weiter lautet deshalb passend: Einmal Trainer, immer Trainer. Auch wenn er künftig wohl eher im Hintergrund wirken wird, dürfte sein Herz dem Basketball weiter gehören.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion