Viele offene Fragen vor WM-Start: DEB-Team sucht zurück zu alter Stärke
Mit der Enttäuschung von Olympia im Gepäck und mehreren Absagen prominenter NHL-Spieler um Leon Draisaitl startet die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit Unsicherheiten in die Weltmeisterschaft. Ein Jahr vor der Heim-WM steht das Team von Bundestrainer Harold Kreis vor der Aufgabe, sich neu zu finden. Sollte auch das Turnier in der Schweiz enttäuschend verlaufen, dürfte die Kritik an Kreis und DEB-Sportvorstand Christian Künast weiter zunehmen. Kreis selbst betonte jedoch, dass er keinen größeren Druck als sonst verspüre.
Fokus liegt wieder auf dem Kollektiv
Zum Auftakt in Zürich rückt vor allem der Mannschaftsgedanke in den Vordergrund. Genau daran hatte es zuletzt mehrfach gehakt. Bei der vergangenen WM in Dänemark war trotz namhafter Spieler wie Moritz Seider und Tim Stützle bereits nach der Vorrunde Schluss. Noch bitterer verlief Olympia in Mailand: Obwohl die deutsche Auswahl individuell so stark besetzt war wie selten zuvor, funktionierte sie als Team nicht. Das deutliche 2:6 im Viertelfinale gegen die Slowakei sorgte für Ernüchterung.
Draisaitl äußerte sich danach ungewohnt deutlich. Auf höchstem Niveau sei es kaum möglich zu bestehen, wenn nicht alle dieselbe Idee vom Spiel hätten, kritisierte der Superstar. Seine Worte richteten sich nicht nur an die Spieler, sondern auch an den Trainerstab und den Verband. Künast räumte im Nachgang Fehler ein und erklärte, die Mannschaft sei zwar gut, aber nicht optimal vorbereitet gewesen.

Rückschläge schon vor dem ersten Bully
Vor der WM musste das DEB-Team weitere Dämpfer hinnehmen. Draisaitl, Stützle und JJ Peterka stehen nicht zur Verfügung. Der langjährige Kapitän Moritz Müller ist ebenfalls nicht dabei, allerdings aus einem anderen Grund: Der 39-Jährige begleitet das Turnier als TV-Experte bei MagentaSport. Gerade Müller hatte nach Olympia die Spielweise und das Auftreten der Mannschaft kritisch bewertet.
Trotzdem blickt er positiv auf den aktuellen Kader. Aus seiner Sicht hat diese Auswahl die Möglichkeit, gerade als Einheit erfolgreich zu sein. Anders als zuletzt müsse sich nicht alles auf einige wenige Führungsspieler konzentrieren, die dann meinen, das Turnier allein entscheiden zu müssen.
Weniger Starpower, mehr Geschlossenheit
Während der fast vierwöchigen Vorbereitung zog sich ein Thema durch alle Einheiten: die Rückkehr zu mehr Zusammenhalt und Klarheit im Spiel. Marc Michaelis von den Adler Mannheim betonte, dass der Teamgedanke der zentrale Punkt sei. Auch Kai Wissmann von den Eisbären Berlin verwies darauf, dass Deutschland diesmal zwar nicht die gleiche NHL-Spitzenqualität wie bei Olympia mitbringe, dafür aber über Stabilität in der Defensive und starken Teamgeist verfüge.
Ganz ohne Verstärkung aus Nordamerika reist die Mannschaft dennoch nicht an. Mit Verteidiger Moritz Seider, Torhüter Philipp Grubauer und Joshua Samanski stehen drei NHL-Profis im Aufgebot.
Bundestrainer Kreis zeigte sich nach der Vorbereitung zufrieden. Er beschrieb die Mannschaft als sehr geschlossen und hob hervor, dass auch spätere Neuzugänge gut in eine bereits funktionierende Gruppe integriert worden seien.
Seider fordert Einsatz und Stolz
Mit weniger Glamour, dafür aber mit klassischen Tugenden will Deutschland mindestens das Viertelfinale erreichen. Ein Erfolg wäre im Hinblick auf die Heim-WM in Mannheim und Düsseldorf im kommenden Jahr besonders wichtig. Kapitän Moritz Seider machte deutlich, worauf es für ihn ankommt: Stolz, Wille und Leidenschaft sollen die Mannschaft diesmal tragen.
Für Moritz Müller sind das eigentlich Selbstverständlichkeiten. Aus seiner Sicht sollte darüber gar nicht erst diskutiert werden müssen. Wichtig sei vielmehr, dass Deutschland den in den vergangenen Jahren gewonnenen Mut behält, selbst mit der Scheibe Lösungen zu suchen, statt dem Gegner das Spiel zu überlassen. Die deutschen Spieler seien stärker, als sie manchmal selbst glaubten, meinte Müller. Ein zu passiver Ansatz wäre aus seiner Sicht der falsche Weg.
Schwieriger Auftakt gegen Finnland
Zum WM-Start wartet mit Finnland direkt ein Schwergewicht des Turniers. Der Olympia-Dritte zählt auch diesmal zu den Kandidaten auf den Titel. Danach könnte Lettland im Kampf um Rang vier und damit um den Einzug ins Viertelfinale zum entscheidenden Konkurrenten werden.
Seider betonte, dass die Mannschaft schnell in ihren Rhythmus finden und Selbstvertrauen aufbauen müsse. Gelinge das, könne Deutschland für jeden Gegner unangenehm werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion