In einem unscheinbaren Industriegebiet der Stadt Newark im US-Bundesstaat New Jersey spitzt sich ein Konflikt zu, der weit über den Ort hinausreicht: Vor dem Abschiebezentrum Delaney Hall demonstrieren seit Tagen Gegner der Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump. Ihnen gegenüber steht die Einwanderungsbehörde ICE.
Nach den bereits heftig kritisierten Vorfällen zu Jahresbeginn in Minnesota, bei denen bei Einsätzen von Bundesbeamten zwei US-Bürger erschossen wurden, bahnt sich damit der nächste Streit um Trumps Migrationskurs an. Vor den wichtigen Zwischenwahlen im Herbst gewinnt das Thema erneut politische Brisanz.
Proteste vor Delaney Hall
Das Abschiebezentrum ist ein flacher Zweckbau an einer stark befahrenen Straße zwischen Highway und Fluss. Vor dem von hohen Zäunen gesicherten Gelände stehen maskierte ICE-Kräfte in Tarnkleidung einer lautstarken Gruppe von Demonstrierenden gegenüber. Diese protestieren mit Plakaten, Atemmasken, Sprechchören, Gesängen und teils auch Beschimpfungen.
Sobald Fahrzeuge das Gelände verlassen oder anfahren, kommt es nach Beobachtungen vor Ort immer wieder zu Gedränge und Rangeleien. Über ein Megafon rief eine Demonstrantin den Insassen auf Spanisch zu: "Wir sind alle hier für euch."
Augenzeugen berichten, dass es in den vergangenen Tagen wiederholt auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen sei. Demnach sollen Sicherheitskräfte unter anderem Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt haben. Auf Bildern des Heimatschutzministeriums auf X war zudem zu sehen, dass vor dem Zentrum inzwischen Betonbarrieren errichtet wurden.

Vorwürfe gegen die Haftbedingungen
Menschenrechtsaktivisten, Anwälte und demokratische Politiker verlangen die Schließung von Delaney Hall. Sie werfen dem Betreiber unmenschliche Zustände vor. Genannt werden verdorbenes oder von Würmern befallenes Essen sowie eine mangelhafte medizinische Versorgung.
Was sich im Inneren der Einrichtung abspielt, ist inzwischen Teil eines öffentlichen Streits um die Deutungshoheit. Angehörige, Aktivisten und Anwälte sprechen von einem Hungerstreik unter den Inhaftierten. Das Heimatschutzministerium weist dies als falsch zurück. US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin sagte im Weißen Haus, das Abschiebegefängnis sei eben kein "Holiday Inn". Trump wiederum behauptete, die Protestierenden würden für ihre Teilnahme bezahlt.
Zwei demokratische Kongressabgeordnete aus New Jersey besuchten die Einrichtung am Samstag. Nach ihren Angaben fanden sie schmutzige Sanitärbereiche, missbräuchliches Verhalten von Wachpersonal und eine unzureichende medizinische Betreuung vor. Eine Angehörige eines Inhaftierten sagte: "Sie behandeln sie wie Tiere."
Betrieben wird Delaney Hall von dem privaten Unternehmen Geo Group. Eine Anfrage der dpa zu den Vorwürfen blieb zunächst unbeantwortet.
ACLU spricht von unmenschlichen Zuständen
Die Bürgerrechtsorganisation ACLU in New Jersey erklärte, die Einrichtung sei seit ihrer Eröffnung von Missständen geprägt. Die dort untergebrachten Menschen seien "brutalen und unmenschlichen Bedingungen" ausgesetzt. Bereits im Juni 2025 war es wegen der schlechten Verhältnisse zu Unruhen gekommen. Damals gelang vier Männern die Flucht.
Nach Angaben der ACLU stirbt in ICE-Gewahrsam im Durchschnitt alle sechs Tage ein Mensch. Offiziellen Zahlen von Ende August 2025 zufolge waren in Delaney Hall rund 890 Menschen untergebracht, obwohl das Zentrum Platz für 1.000 bietet. Im Zusammenhang mit dem berichteten Hungerstreik ist derzeit von etwa 300 Insassen die Rede.
Symbol für Trumps harte Migrationspolitik
Trump hat Migration zu einem Kernthema seiner zweiten Amtszeit gemacht. Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus bezeichnet er als Gefahr für die nationale Sicherheit. Ende März saßen laut Daten der Migrationsbehörden rund 62.000 Menschen in Abschiebehaft. In den Monaten vor Trumps Amtsantritt hatte die Zahl noch zwischen 30.000 und 40.000 gelegen.
Wie stark das Vorgehen verschärft wurde, zeigen auch Zahlen aus dem benachbarten New York City. Dort stiegen Festnahmen durch Bundesbeamte wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsregeln seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit um 70 Prozent. Das geht aus einem Bericht hervor, den Bürgermeister Zohran Mamdani in Auftrag gegeben hatte. Zwischen dem 20. Januar 2025 und dem 10. März 2026 wurden demnach 5.567 Menschen festgenommen. Viele von ihnen kamen Medienberichten zufolge nach Delaney Hall.
Belastung vor den Zwischenwahlen
ICE-Razzien in demokratisch regierten Städten lösen immer wieder Proteste aus. Besonders die gewaltsamen Einsätze in Minnesota hatten zu Jahresbeginn landesweit Empörung ausgelöst. Dennoch hält Trump bislang an seinem Kurs fest. Er will zusätzliche Mittel für ICE und die Grenzschutzbehörde CBP durchsetzen. Die entsprechenden Pläne stecken derzeit jedoch im Senat fest.
Zwar hatte ihm seine harte Linie in der Migrationspolitik 2024 entscheidende Stimmen für den Wahlsieg gebracht. Doch Bilder von aggressiven Einsätzen, dokumentierte Festnahmen von Menschen ohne Vorstrafen und anhaltende Proteste werden zunehmend zum politischen Risiko für den Präsidenten, der im November die Kongresswahlen gewinnen will.
Bei den Zwischenwahlen werden neben Gouverneursposten vor allem alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze neu vergeben. Sollte Trump auch nur in einer der beiden Kammern die Mehrheit verlieren, dürfte es für ihn deutlich schwerer werden, seine politischen Vorhaben durch den Kongress zu bringen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion