Politik

Trump: Ziehen die USA Truppen aus Deutschland ab?

Zieht Trump US-Soldaten aus Deutschland ab? Eine Entscheidung soll schon sehr bald fallen.

29.04.2026, 23:58 Uhr

Die USA prüfen nach Angaben von Präsident Donald Trump eine mögliche Reduzierung ihrer in Deutschland stationierten Soldaten. Eine Entscheidung solle in Kürze fallen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Die Ankündigung kommt in einer Phase neuer Spannungen mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Trump griff den CDU-Politiker scharf an, nachdem dieser die US-Offensive gegen den Iran öffentlich kritisiert hatte. Über Merz schrieb Trump: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“ Zudem erklärte er, es sei kein Wunder, dass es Deutschland wirtschaftlich und auch in anderer Hinsicht schlecht gehe. Gleichzeitig warf er dem Kanzler vor, in Kauf zu nehmen, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.

Merz verwies noch im März auf Zusage aus Washington

Bemerkenswert ist, dass Merz noch vor wenigen Wochen deutlich anders über die Haltung Washingtons gesprochen hatte. Nach einem Treffen mit Trump in Washington sagte der Kanzler im März, der US-Präsident habe zugesichert, an der amerikanischen Truppenpräsenz in Deutschland festhalten zu wollen. Das sei eine gute Nachricht, sagte Merz damals.

Unklar blieb allerdings, ob Trump damit auch den Erhalt des bisherigen Truppenumfangs zusagte. Bereits zuvor war wegen Trumps kritischer Haltung gegenüber Europa spekuliert worden, dass die USA Soldaten aus Deutschland abziehen könnten.

Schon bei einem früheren Washington-Besuch im vergangenen Sommer hatte Trump signalisiert, dass er die in Deutschland stationierten US-Kräfte grundsätzlich dort belassen würde, wenn Berlin dies wünsche. Damals sagte er, man werde darüber sprechen, grundsätzlich sei das aber kein Problem.

Truppenabbau war schon früher Thema

Bereits in seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 hatte Trump mit einer Reduzierung des US-Kontingents in Deutschland gedroht. Einige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus kündigte er an, 12.000 der damals rund 35.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen. Ein Teil sollte innerhalb Europas verlegt werden, andere Kräfte sollten in die USA zurückkehren. Trump begründete das damals auch mit aus seiner Sicht zu niedrigen deutschen Verteidigungsausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte diese Pläne später.

Nach Angaben des US-Militärs waren Mitte April rund 86.000 amerikanische Soldaten in Europa stationiert, davon etwa 39.000 in Deutschland. Die Zahlen verändern sich regelmäßig, etwa wegen Rotationen und Übungen.

Tausende Arbeitsplätze hängen an den US-Stützpunkten

Die amerikanischen Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als wichtiger Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik. Zugleich sind die Standorte in Deutschland längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Tausende Ortskräfte arbeiten für das US-Militär, weitere Jobs in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern hängen indirekt an den Stützpunkten.

Besonders groß ist die wirtschaftliche Bedeutung rund um Ramstein bei Kaiserslautern. Dort befindet sich die größte US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge fließen über den Standort jedes Jahr Hunderte Millionen Euro in Form von Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in die Region. In der Nähe entsteht derzeit zudem das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

Deutschland bleibt militärisch zentral für die USA

Die amerikanischen Militärstandorte in Europa spielen seit Jahrzehnten eine Schlüsselrolle für weltweite Einsätze der USA, besonders im Nahen Osten. Auf den Basen werden Truppen, Waffen, Schiffe und Flugzeuge stationiert, zudem werden von Europa aus unter anderem Drohneneinsätze koordiniert und Verwundete versorgt.

In Deutschland zählen dazu vor allem der Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz als zentrales Drehkreuz und das Europa-Hauptquartier EUCOM in Stuttgart. Darüber hinaus unterhalten die USA in Europa seit Jahrzehnten Dutzende große Militärstandorte, die für ihre globalen Operationen von erheblicher Bedeutung sind.

Politische Hürden für einen größeren Abzug

Für eine deutliche Verringerung des US-Kräftekontingents in Europa gibt es zudem politische Schranken. Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, wonach die Zahl der dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos stationierten Soldaten nicht länger als 45 Tage unter 76.000 fallen darf. Andernfalls greifen besondere Berichts- und Prüfpflichten, bevor eine Reduzierung weiterverfolgt werden kann.

Merz weist Eindruck eines Bruchs zurück

Auch wenn Trumps jüngste Aussagen wie ein neuer Tiefpunkt im Verhältnis der beiden wirken, bemüht sich Merz um Deeskalation. Am Mittwoch sagte der Kanzler, das persönliche Verhältnis zu Trump sei aus seiner Sicht „unverändert gut“. Man sei weiterhin in guten Gesprächen miteinander.

Warum Merz den Iran-Kurs der USA kritisierte

Über Monate galt das Verhältnis zwischen Merz und Trump als vergleichsweise gut. Zuletzt schlug der Kanzler aber einen deutlich schärferen Ton gegenüber Washington an. Bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland warf er der US-Regierung vor, im Iran-Krieg keine überzeugende Exit-Strategie zu haben. Er sagte, die Iraner seien offenbar stärker als gedacht, zugleich hätten die Amerikaner auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Linie.

Merz verwies dabei auf frühere Einsätze im Irak und in Afghanistan. Das Problem solcher Konflikte sei nicht nur der Einstieg, sondern auch der Weg wieder hinaus. Die USA seien im Iran „ganz offensichtlich ohne jede Strategie“ in diesen Krieg gegangen. Deshalb sei es jetzt umso schwieriger, den Konflikt wieder zu beenden. Zugleich sagte Merz, die iranische Führung verhandle entweder sehr geschickt oder verweigere Gespräche ebenso geschickt. Eine ganze Nation werde dadurch von der Staatsführung gedemütigt.

Trump attackiert auch andere europäische Politiker

Merz ist nicht der erste europäische Regierungschef, den Trump öffentlich scharf angegriffen hat. Auch der britische Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gerieten bereits ins Visier des Republikaners. Zuletzt sorgte auch Trumps Kritik am Papst für Spannungen mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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